Georg Harrasser war bereits für verschiedene ausländische Märkte der Monier Gruppe tätig. Seit März ist er nun Geschäftsführer der deutschen Monier Braas GmbH. Was er verändern will und warum der Systemgedanke für ihn so wichtig ist, erläutert er im Gespräch mit DDH Chefredakteurin Elke Herbst.
Sie haben Mitte März den Vorsitz der Geschäftsführung der Monier Braas GmbH übernommen. Wir fällt Ihr erstes Fazit aus?
Ja, die ersten hundert Tage habe ich bereits hinter mir und einen guten Eindruck bekommen, wie Braas in Deutschland aufgestellt ist. Ich habe in der Anfangszeit verstärkt unsere Kunden im Bereich Handwerk und Handel besucht. Wir haben eine starke Marke – das habe ich immer wieder gehört. Innovation und Qualität sind Schlagworte, die mit uns in Verbindung gebracht werden. Das alles verschafft uns eine führende Position im Dachziegel- und Dachsteinmarkt. Ich habe jedoch auch Kritik gehört, was etwa den Kundenservice oder die Reklamationsabwicklung angeht. Daraus schließe ich: Die Produkte sind gut, wichtige Teile der Strategie passen. Die Umsetzung ist in einigen Bereichen noch nicht ideal. Da sehe ich weiteres Potenzial, Braas im Markt noch stärker aufzustellen. Ich trete also hier an, um neue Akzente beim Service für den Kunden zu setzen.
Bisher lag Ihr Verantwortungsbereich überwiegend im ausländischen Geschäft der Unternehmensgruppe. Wie sieht Ihr Vergleich mit dem deutschen Markt aus?
Der lange Winter und der verregnete Frühling haben den konjunkturellen Start ins Jahr 2013 erschwert. Welche Marktentwicklung erwarten Sie für Ihr Haus in diesem Jahr?
Bei der Produktentwicklung setzt Braas schon seit Längerem stark auf den Systemgedanken – zum Beispiel durch die Entwicklung einer Aufsparrendämmung. Wie soll dieser Gedanke fortgesetzt werden?
Bei aller Unterschiedlichkeit in den verschiedenen Ländern gibt es einige Grundregeln, die überall gelten. Zum Beispiel den Handel, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Was jedoch Deutschland von anderen Ländern deutlich unterscheidet, ist die hoch qualifizierte Ausbildung der Zimmerer und Dachdecker. Insgesamt ist die Professionalität aller Marktteilnehmer deutlich höher. Genauso wie die Qualitätsanforderungen der Kunden. Die Produkte in Deutschland – und hier meine ich nicht nur unsere, sondern auch die der anderen Anbieter – haben einen sehr hohen Qualitätsstandard. Das ist eben made in Germany. Das prägt die gesamte Industrie und macht Deutschland so stark. Nichts will ein Asiate mehr als ein deutsches Auto. Das Vorjahresniveau an Stückzahlen ist sicherlich schwer aufzuholen. Bei der Umsatzentwicklung gibt es einige Stimmen, die sagen, das ist noch zu schaffen, einige verneinen dies. Irgendwo dazwischen werden wir landen. Diese Rahmenbedingungen sind nicht zu planen, aber wir stellen uns ihnen. So müssen wir müssen die Flexibilität erhöhen und einen Fokus auf die Kosten haben. Wann dann die Dächer kommen, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie kommen werden. Wenn nicht jetzt, dann eben im nächsten Jahr. Ich glaube, die gesamtkonjunkturelle Entwicklung in unserem Markt ist verglichen mit anderen Ländern Europas immer noch zufriedenstellend. Wir waren Pioniere hinsichtlich des Systemgedankens. Wir verkaufen nicht nur Dachziegel oder Dachsteine, wir verkaufen Dächer. Das ist ein enorm wichtiger Unterschied, denn viele Funktionalitäten am Dach sind in den letzten Jahrzehnten hinzugekommen. Die Wärmedämmung spielt heute eine wesentlich größere Rolle als früher. Das sind aber nicht nur „good news“ für die Dämmstoffindustrie, sondern vor allem bauphysikalische Herausforderungen, für die wir als Hersteller Lösungen parat haben müssen. Insofern bleibt der Systemgedanke enorm wichtig und wir nehmen unsere Aufgabe ernst. Wir sind einer der wenigen Hersteller, die die Systeme von Grund auf entwickeln, testen, validieren und dann erst in den Markt bringen. Der Systemgedanke gehört wirklich zum Selbstverständnis von Braas.
Elke Herbst
Das ausführliche Interview lesen Sie in Ausgabe DDH 15.2013.