Viele Regionen in Deutschland müssen sich auf Hochwasser einstellen. Tauwetter und Regenfälle lassen die Flüsse kräftig anschwellen.
In Ost- und Südhessen wurden am Morgen ufernahe Grundstücke und Straßen überschwemmt, wie das Landesamt für Umwelt und Geologie mitteilte. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach gab eine entsprechende Unwetterwarnung heraus. Ein Sprecher sagte: "Die Temperatur steigt weiter an, so dass sich das teils unwetterartige Tauwetter fortsetzt." Zudem erwarten die DWD-Meteorologen weiter starke Niederschläge - vor allem in Südhessen. Der Main und die Lahn traten jedoch zunächst noch nicht über die Ufer. Auch im Saarland rechnen die Menschen mit Überschwemmungen. Insbesondere an Saar und Blies werden hohe Pegelstände mit "Überflutungen in größerem Umfang" erwartet, sagte Innenminister Stephan Toscani (CDU). Er berief den Krisenstab des Landes ein, der die Arbeit der Krisenstäbe der Landkreise unterstützen soll. Bereits am späten Abend war die Saarbrücker Stadtautobahn vorsorglich erneut wegen Überflutungsgefahr gesperrt und die übliche Hochwasserumfahrung eingerichtet worden.
Hochwasseralarm auch im Südwesten: Die Wassermengen der Flüsse werden sich bis zum Nachmittag stark erhöhen, sagte Werner Schulz, Hydrologe der baden-württembergischen Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) in Karlsruhe. Es sei mit "kräftigem Hochwasser" zu rechnen. So soll der Pegel des Neckars bei Gundelsheim (Landkreis Heilbronn) bis zum Nachmittag von 3,70 Meter auf fünf Meter ansteigen. Ähnlich sah es auch bei Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) aus. Der Pegel der Tauber soll hier im Laufe des Tages um 30 Zentimeter auf rund 2,50 Meter klettern. Auch im Umfeld der beiden Flüsse Kocher und Jagst ist Hochwasser zu erwarten.
Die Städte am Rhein wappnen sich ebenfalls für ein neues Hochwasser. "Es kann glimpflich abgehen, aber es sind auch höhere Wasserstände möglich", teilte die Stadt Bonn mit. Am Sonntag sollen in Bonn über sechs Meter erreicht werden. Am Donnerstag hatte der Bonner Pegel bei niedrigen 3,27 Metern gelegen.
Koblenzer Altstadt unter Wasser?
Am Rhein-Pegel Koblenz wird am Wochenende mit einem Wasserstand von acht Metern gerechnet. "Das war zuletzt 2001 der Fall", sagte ein Behördensprecher. Die Feuerwehr geht daher davon aus, dass das Wasser unter anderem in die Koblenzer Altstadt strömt. Auch die Bundesgartenschau macht ihre Baustellen am Fluss hochwasserfest. Den Prognosen zufolge soll der Höchststand des Rheins erst Anfang kommender Woche erreicht werden. An der Mosel wird das Hochwasser nach Einschätzung von Experten im Laufe des Tages rasch auf acht Meter steigen und am Wochenende neun bis zehn Meter erreichen. Bei sechs bis acht Metern würden einige Uferstraßen an der Mittelmosel überschwemmt. Bei über neun Metern seien auch Häuser einzelner Ortschaften betroffen.
Die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale in Karlsruhe erwartet in Baden-Württemberg einen deutlichen Anstieg der Pegelstände von Neckar, Tauber und zum Teil auch der Donau.
In Sachsen-Anhalt rechnet der Landesbetrieb für Hochwasserschutz bis Sonntag an den Flüssen Unstrut, Bode, Ilse, Aller, Mulde und Weiße Elster mit dem Erreichen der Alarmstufe 2. In Niedersachsen werden Überflutungen von Ufern der Weser und von Ackerflächen erwartet. An der Oder in Brandenburg ist der Pegel in Hohensaaten-Finow bereits bis auf 7,48 Meter gestiegen. Zwischen Hohensaaten und Zollbrücke gilt weiterhin die höchste Hochwasseralarmstufe 4. Mit 13 Eisbrechern versuchen die polnischen Behörden, einen 40 Kilometer langen Stau an der Oder zwischen Stettin und Swinemünde freizuräumen und eine drohende Überschwemmung abzuwenden.
Spiegelglatte Straßen in weiten Teilen Deutschlands
Regen und Tauwetter hatten gestern in weiten Teilen Deutschlands spiegelglatte Straßen verursacht. Extreme Glätte und chaotische Verhältnisse gab es vor allem im Norden und in Teilen Bayerns. In vielen Bundesländern ereigneten sich im Berufsverkehr auf spiegelglatten Fahrbahnen und Gehwegen zahlreiche Unfälle. Viele Autofahrer und Hunderte Fußgänger wurden dabei verletzt. In vielen niedersächsischen Landkreisen fiel die Schule aus. Quelle: tagesschau.de