2010-10-26T00:00:00Z Ton ist der Rohstoff des Vertrauens

Stephan Führling, neuer Creaton Vorstand, ist kein Unbekannter in der Baustoffbranche. Welche Ziele er sich bei der Weiterentwicklung eines der führenden Dachziegelunternehmen setzt, schildert er im Gespräch mit DDH Chefredakteurin Elke Herbst.

Herr Führling, Sie waren bereits in hochrangigen Positionen bei führenden Baustoffunternehmen tätig. Was war ausschlaggebend für Sie nun den Vorstand der Creaton AG zu übernehmen?

Im Wesentlichen haben zwei Aspekte den Ausschlag gegeben. Zum einen die starke Marke und zum anderen die Unternehmenskultur der Etex-Gruppe, die ich aus meinen früheren Tätigkeiten in der Gruppe bereits kannte. Ich habe einige Unternehmenskulturen von in- und ausländischen Unternehmen kennengelernt. Und die mittelständische Struktur bei Etex hat mir am Besten gefallen. Mit einer unmittelbaren Eins-zu-Eins-Beziehung zum Chef und doch mit allen Möglichkeiten eines operativen Konzerns.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihr erstes Jahr bei Creaton gesetzt?

Das Unternehmen musste im letzten Jahr den Weggang von drei langjährigen Vorständen verkraften. Aufgabe ist also, diesen Aderlaß zu kompensieren und eine leistungsfähige Führungsstruktur zu schaffen, die vorhandene Potentiale und Ideen im Unternehmen weiterentwickelt. Darum haben wir einen Geschäftsleitungskreis etabliert, der gesamtverantwortlich die Marke Creaton führen soll. Dieses neue Führungsmodell ist sicherlich die Herausforderung der nächsten Zeit. Den Prozeß gilt es mit ruhiger Hand voranzutreiben, Ziele gemeinsam zu entwickeln und diese dann erfolgreich umzusetzen, Darin sehe ich meine Hauptaufgabe in den nächsten Monaten.

Wie ist Ihr Unternehmen durch das Krisenjahr 2009 gekommen und wie sieht Ihre vorläufige Bilanz für 2010 aus?

In 2009 und in den Jahren davor ist der Grundstein dafür gelegt worden, dass wir uns auch während der Finanzkrise gut entwickeln konnten. Statt mit hektischem Aktionismus wurde mit Weitblick und -was besonders wichtig ist- mit Kontinuität in der Kundenbetreuung auf die Finanzkrise reagiert. Dadurch wurde die ohnehin schon gute Marktposition weiter gestärkt. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir es mit Baustoffen zu tun haben. Die entwickeln sich in ganz eigenen Zyklen nicht vergleichbar mit anderen Industriezweigen. Auch in 2010 werden wir uns in Umsatz und Ertrag weiter positiv entwickeln. Das haben wir im sogenannten Krisenjahr davor übrigens auch getan. Natürlich stärkt uns die Zugehörigkeit zur Etex-Gruppe zusätzlich den Rücken. Das hilft in schwierigeren Zeiten mit Augenmaß zu handeln.

Können Sie schon etwas zu Innovationen im nächsten Jahr sagen?

Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Produktinnovationen in den Markt gebracht. Ich bin davon überzeugt, das wir derzeit eines der wettbewerbsfähigsten Sortimente mit der größten Produktvielfalt anbieten können. Deshalb gilt unsere Konzentration jetzt verstärkt den Serviceinnovationen. Wir wollen unsere Kunden noch intensiver bei Beratung und Logistik unterstützen. Es ist meine feste Überzeugung, das eine reibungslose Logistik in der Baustoffindustrie ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor ist. Unser Anspruch muß es daher sein, für unsere Partner im Dachhandwerk und im Bedachungsfachhandel ein unverzichtbarer Teil ihres Geschäfts zu sein.

Welche Zukunft hat der Dachziegel? Wird er von vollflächigen Photovoltaik-Anlagen verdrängt?

Nein, das glaube ich nicht. Realität ist zurzeit, das überwiegend aufgeständerte Anlagen installiert werden auch wenn sich aus ästhetischer Sicht darüber trefflich streiten lässt. Unter den Aufdachanlagen liegen ohnehin häufig Ziegel, die im Rahmen der Installation ebenfalls erneuert werden. Die integrierten Modelle werden sicherlich zunehmen, die Hartbedachung jedoch nicht verdrängen. Außerdem bietet Creaton eine eigene In-Dach-Lösung an.

Wie bearbeiten Sie die Themen "Energieeffizienz" und "Öko-Bilanz" in Ihrem Unternehmen und bei Ihren Produkten?

Zunächst einmal sind wir an allen unseren Standorten ISO-zertifziert, was ja schon allein Umweltaspekte miteinschließt. Alle Werke werden zudem regelmäßig einem Energieaudit unterzogen. Daraus ziehen wir unsere Rückschlüsse und passen kontinuierlich unsere Brenn- und Ofentechnologie dem neuesten Stand der Technik an. Unser Rohstoff Ton ist als Naturprodukt ein Rohstoff des Vertrauens, auch wenn zur Herstellung eines Ziegels ein nicht unerheblicher Energieeinsatz erforderlich ist. Um dem gestiegenen ökologischen Bewußtsein von Planern und Bauherrn gerecht zu werden, erstellen wir deshalb für alle unsere Produkte zukünftig Öko-Bilanzen. Schon heute recyceln wir nahezu alle beim Produktionsprozeß anfallenden Abfälle. Auch hier ist unser Ziel, Maßstäbe in Nachhaltigkeit zu setzen.

Ihre Hauptkunden sind Dachdecker und Zimmerer. Wie glauben Sie, müssen sich Dachhandwerker weiterentwickeln, um für die Aufgaben der Zukunft gerüstet zu sein?

Mir ist überhaupt nicht bange um den Berufsstand an sich, mir ist eher bange um den Nachwuchs. Es muss uns gelingen, wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Dachhandwerk zu begeistern. Unsere hohen Standards in Deutschland bezüglich Ausbildung und fachlicher Regelwerke im Handwerk sind aus meiner Sicht ein Garant für die Zukunft. Ich bin ohnehin ein Verfechter hoher Standards. Überall dort wo hohe Standards herrschen, geht es den Menschen gut. Hohe Standards erfordern Qualität und führen zu hohen Preisen und Löhnen.

Das ausführliche Interview lesen Sie in DDH 22/2010.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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