2009-08-20T00:00:00Z Unterschiede als Stärken begreifen

In Handwerksbetrieben nehmen Frauen zentrale Funktionen war, häufig ohne genaue Definition ihrer Tätigkeiten. Die Dokumentation des Seminars "Die Handwerkerfrau Managerin des betrieblichen Alltags" zeigt, wie Frauen ihre Stärken in den Bereichen Markt, Management und Mitarbeiter besser einsetzen können.

"Kannst Du mal eben, …?" In vielen Handwerksbetrieben wird der Einsatz und Stellenwert der mitarbeitenden Ehefrauen oder Partnerinnen oft unterschätzt. Dabei sind sie gerade in Familienbetrieben nicht aus den Arbeitsabläufen wegzudenken. Bei den vielfältigen Aufgaben in den Bereichen Buchhaltung, Terminplanung- und Koordination, Führung von Mitarbeitergesprächen, Marketingmaßnahmen sowie bei Rechtsfragen wird vorausgesetzt, dass ein fundiertes Fachwissen vorhanden ist. Dazu kommt: EDV, neue Gesetze und der Wettbewerb machen die Aufgaben zunehmend komplexer. Zeitaufwand und Druck wachsen.

Die Autorin weiß, wovon sie berichtet. Sie selbst ist Handwerkerfrau. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie einen Dachdeckerbetrieb. Der Betrieb wurde im Jahr 1998 gegründet und beschäftigt heute acht Mitarbeiter. Parallel zur Arbeit im Dachdeckerbetrieb ist sie seit 2003 freiberuflich tätig im Projektmanagement. Sie berät Unternehmen in den Bereichen Marketing, Planung und Organisation.

Strategien für den Betrieb entwickeln

Genau die oben genannte Problematik der Handwerkerfrauen, das heißt die Rolle und die Aufgaben der Ehefrauen beziehungsweise mitarbeitenden Partnerinnen hat sie aufgegriffen und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Das Ergebnis: Seminare, in denen Frauen aus dem Handwerk Strategien erlernen, um ihren beruflichen Alltag besser zu organisieren. Dazu gehören praktikable Werkzeuge, zum Beispiel die Verwendung "einfacher" Formulare, damit die ausgeführten Leistungen beim Kunden durch die Mitarbeiter besser dokumentiert werden. Ebenfalls Teil des Seminars, das Heike Waldhoff-Koch gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Dipl.-Soz.-Pädagogin Grit Wunderlich aus Kassel durchführt, sind konkrete Übungen wie das Rhetoriktraining am Telefon. Ziel des Seminars soll sein, die Kompetenzen der Handwerkerfrauen im Bereich Führung zu stärken sowie Strategien zu entwickeln, um die Anforderungen von Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Inhaltlich richten sich die Seminare nach dem Konzept Markt Management Mitarbeiter. Dabei wird berücksichtigt, dass auch für Handwerksbetriebe der globalisierte Wettbewerb eine immer größere Herausforderung darstellt. Um ihren Betrieb weiterhin auftrags- und ertragbringend zu führen, gilt es die betriebliche Steuerung zu vereinfachen. Hier findet dieses Modell Anwendung:

Entscheidend ist dabei, dass eine möglichst große Schnittmenge der Aufgaben entsteht. Dies umzusetzen, ist Aufgabe der Führungskraft im Handwerksbetrieb. Im Seminar legten die Referentinnen die spezielle Situation der Frauen im Handwerk dar: Betriebe sollten sich die verschiedenen Blickwinkel von Mann (180° Blick, technisch versiert) und Frau (360° Blick, sensibel) bewusster machen und Unterschiede als Chance begreifen. Unternehmen, die Stärken von Mann und Frau gezielt nutzen und die Aufgabenfelder klar definieren, besitzen Wettbewerbsvorteile. Dieses Differenzierungsmerkmal kann von anderen Betrieben nicht so schnell "abgekupfert" werden. Konkret ist etwa der Bereich Mitarbeiter ein spezielles Thema für Frauen, ebenso die Kundenansprache und die Nachbereitung der Aufträge (After-sales-service). Hier sind die Stärken der Frauen gefragt. In jedem der drei Bereiche Markt Management Mitarbeiter können klare Aufgaben für beide Geschlechter definiert und Synergien in den Betrieben genutzt werden.

Ein Auszug aus dem Fragenkatalog in den Bereichen Markt Management Mitarbeiter, verdeutlicht die Herangehensweise des Seminars:

- Warum sollte ein Kunde gerade bei Ihnen kaufen? (Markt)

- Wie kann sich der Betrieb nach außen hin besser darstellen? (Markt)

- Wie kann ich Prozesse und Arbeitsvorbereitung optimieren? (Management)

- Wie verbessere ich die Kommunikation im Betrieb? (Management)

- Wie führe ich Konfliktgespräche? (Mitarbeiter)

- Wie kann eine bessere Dokumentation der Leistungen erfolgen? (Mitarbeiter)

Nach einer eingehenden Analyse der teilnehmenden Betriebe entwickelten die Teilnehmer individuelle Lösungsansätze, die ungenutzte Potenziale in den Betrieben freilegen sollten. Wichtig dabei ist die Auswahl: "Die Konzentration auf das Wesentliche ist heute entscheidend. Oft sind die Frauen so in den Betrieb eingespannt, dass zu wenig Zeit für Familie und persönliche Aktivitäten bleibt. Ebenso bleibt kaum Zeit, überhaupt über Veränderungen nachzudenken, erläutert Waldhoff-Koch die Problematik. Die Potentiale der Handwerkerfrauen "schlummerten" oft in den Betrieben. Das Problem: Alltags- und beruflicher Stress verhindern die eindeutige Aufgabendefinition in der Konsequenz werden die Managementaufgaben der Frauen nicht richtig wahrgenommen und unterbewertet.

Heike Waldhoff-Koch

www.waldhoff-koch.de

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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