Mitten in Freistadt steht seit über 200 Jahren das imposante Brauereigebäude. Im Zuge der Sanierung wurde das rund 2.800 m² große Dach mit Sakral-Bibern neu gedeckt. Fotos: Creaton

Steildach

15. October 2020 | Teilen auf:

Vielfalt für Historie

108.000 Biberschwanzziegel, dazu 52° Dachneigung und eine schützenswerte Spezies unter dem Dach: Die denkmalgerechte Sanierung der Brauerei in Freistadt forderte von den Dachdeckern Fingerspitzengefühl. Drei Biberformate, individuell in Größe und Farbe, wurden bunt gemischt am Dach verlegt um das historische Deckbild zu wahren.

Fast so alt wie das Gesellschaftermodell der größten Brauerei des oberösterreichischen Mühlviertels ist das Brauhaus, das 1777 fertiggestellt wurde. Heute wird das historische Gemäuer unweit der tschechischen Grenze vor allem gastronomisch genutzt. Natürlich steht das historisch bedeutsame Gebäude seit langem unter Denkmalschutz. Deshalb setzte die Braukommune auf vertraute Partner, als die 120 Jahre alte Bedachung durch neue Ziegel ersetzt werden sollte: Die Firma Kapl Bau aus dem wenige Kilometer entfernten Bad Leonfelden gehört mit fast 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Region und wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach von der Brauerei beauftragt. Unter der Leitung von Bauleiter Markus Fleischanderl und Polier Christian Burgstaller haben sich ab März 2019 fünf Mitarbeiter daran gemacht, die Bedachung für die nächsten Jahrzehnte aufzubringen.

Originalgetreue Deckung

Der Denkmalschutz setzte in Bezug auf das zu verwendende Material natürlich Grenzen und auch den Eigentümern war eine möglichst originalgetreue Deckung wichtig. Aus diesem Grund entschied man sich in Freistadt für speziell für das Projekt hergestellte Biberschwanzziegel. Die 18 mm dicken „Sakral“-Ziegel in drei verschiedenen Längen, eigneten sich durch ihren Geradschnitt mit scharfen Ecken ideal, um den Charakter des Brauhauses bis hinauf zum First zu erhalten. Neben der Standardlänge von 38 cm kamen in diesem Fall außerdem jeweils zu einem Drittel Ziegel mit 36 und 40 cm zum Einsatz. Durch die aufgeraute Oberfläche, die das Denkmalamt vorgegeben hatte, sowie bewusst genutzte Farbunterschiede, passt sich die neue Bedachung nahtloser in die historische Umgebung an. Ausgeführt wurden die Arbeiten in Doppeldeckung, wobei es dem Zufall überlassen wurde, welche der drei verwendeten Ziegellängen jeweils zum Einsatz kam.

108.000 Ziegel verlegt

Insgesamt misst die Dachfläche über alle Gebäudeflügel und Nebengebäude etwa 2.800 Quadratmeter, die Neigung beträgt steile 52°. Eine solche Fläche lässt sich natürlich nur abschnittsweise bearbeiten: Stück für Stück entfernten die Dachdecker die alten Tonziegel sowie die Lattung. Jeden Abend wurde das Dach provisorisch abgedichtet, um Wassereintritt und entsprechenden Schäden am Gebäude vorzubeugen. Im Rahmen der Arbeiten nahm das Team von Kapl Bau auch den Dachstuhl genauer unter die Lupe. Trotz seines stolzen Alters von fast 250 Jahren war dieser in einem ungewöhnlich guten Zustand, lediglich die Aufschieblinge mussten erneuert werden. Sparren und Mauerbänke wurden nur vereinzelt verstärkt oder ergänzt. Der Dachaufbau hingegen blieb spartanisch: Sparren, Lattung und Ziegel inklusive Sturmsicherung bilden das belüftete Dach, das im nicht ausgebauten Zustand verweilt. Ein breiter Kupfer-Stehfalzstreifen an der Traufe hat hingegen recht praktische Gründe: Da eine Gerade entstehen musste, hätte jeder Ziegel konisch geschnitten werden müssen – ein riesiger Aufwand. Das Kupferblech löste dieses Problem. Etwa 108.000 Ziegel hat das Team um Fleischanderl und Burgstaller in Freistadt über einen Zeitraum von etwa drei Monaten hinweg insgesamt verlegt.

Michael Rieger

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 21/2020.