2012-03-28T00:00:00Z Vielseitige Beratung

Er wirkt eher im Verborgenen: Manfred Gunkel, der technische Berater des ZVDH. Dabei weiß der dreifache Meister, wovon er spricht: Zum Glück für die Dachdecker.

Manfred Gunkel weiß wovon er redet. Das merkt man, das ist ihm wichtig. "Wenn mir Dachdecker ihre Probleme auf der Baustelle schildern, habe ich sofort die Bilder vor Augen und kann meistens einen Tipp geben. Zum Glück bin ich nicht nur am Schreibtisch groß geworden, sondern habe als Dach-Unternehmer gearbeitet", sagte Gunkel. Bei seiner Beratung kommt dem gebürtigen Thüringer seine Vielseitigkeit zugute, die Mischung aus Theorie-Interesse und Praxiswissen. Gunkel hat ursprünglich Mathematik und Physik auf Lehramt studiert, danach ein Studium als Hochbauingenieur absolviert, anschließend einen Dachdeckerbetrieb gegründet und drei Meistertitel (Dachdecker/Zimmerer/Klempner) erworben. Das klingt zunächst nach Titelsammlung. Doch der bescheidene Thüringer hat einfach viel ausprobiert: "Ich will immer noch wissen, wie die Dinge funktionieren", sagt er leise aber bestimmt.

Nach seiner Ausreise aus der DDR 1989 und einer zweijährigen Odyssee durch Deutschland verschlug es ihn und seine Familie wieder nach Thüringen, wo Gunkel einen Dachdeckerbetrieb gründete. "Ich wollte praktisch arbeiten", so seine Begründung. In Kassel machte er seinen Dachdecker- und Zimmerermeister, in Konstanz den Klempnermeister. Nach einiger Zeit erfuhr Gunkel, dass die Dachdeckerschule in Eslohe einen Ausbilder suchte. Dort baute er die Klempnerabteilung auf und las im DDH ein Stellengesuch des ZVDH. Gunkel stellte sich vor, wurde genommen und arbeitet seit fast 5 Jahren beim ZVDH.

Fachregel einzigartig im Handwerk

Beim Verband für die technische Beratung zuständig, verbessert Gunkel das Fachregelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks, momentan arbeitet er an der Aktualisierung des Merkblatts"Einbauteile". Dieser Bereich wächst ständig und das Anforderungsniveau ändert sich. "Hier kommen zum Beispiel Schneeschutzsysteme oder Solarhalter dazu, die wir herstellerunabhängig klassifizieren müssen", so Gunkel. Die Arbeit am Regelwerk schätzt er vor allem wegen dessen Einzigartigkeit: "Das Regelwerk bietet dem Dachdecker eine ideale Handlungsanweisung und Rechtssicherheit, die andere Gewerke gar nicht kennen. Leider weiß der Planer um diese anerkannten Regeln oft zu wenig", bedauert Gunkel, der sich besonders für den Bauklempnerbereich interessiert. "Dachdecker haben einen vielseitigen aber auch anstrengenden Beruf, der vor allem von älteren Mitarbeitern körperliche Fitness erfordert". Selber hält sich der 57-jährige beim Skifahren oder Inline-Skaten mit seinem Sohn fit. Auch zieht er sich gern mal am Wochenende mit alten Physikbüchern zurück oder knobelt an Mathematik-Aufgaben. Einmal Techniker, immer Techniker. "Ich würde mich schon als wissensdurstig bezeichnen", sagt Gunkel. Die technischen Zusammenhänge haben ihn schon früh fasziniert und sind bis heute sein Steckenpferd geblieben.

Johannes Messer

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
Newsletter