Über 50 Dachhandwerker aus ganz Ostwestfalen-Lippe nahmen an der von der Bielefelder Dachdecker- und Zimmerer-Innung organisierten Fachtagung im Bielefelder Lenkwerk teil.
Anlässlich des Bielefelder Dachtags referierten Experten über die neuesten Entwicklungen im Dachbau. Die technischen Neuheiten stellen immer größere Herausforderungen an Bauherren und Planer. Kompetente Planung und Ausführung durch die beteiligten Gewerke spielen eine entscheidende Rolle für die nachhaltige Funktionalität und Lebensdauer von Gebäuden. Diese komplexen Zusammenhänge und praxisgerechte technische Lösungen wurden den Teilnehmern in den Fachvorträgen aufgezeigt.
Dipl. Ing. Martin Lang, stellvertretender Obermeister/FR Dachdecker, eröffnete den Bielefelder Dachtag und unterstrich: "Für unsere Branche ist es wichtiger denn je, betriebliche Abläufe zu hinterfragen und neue Impulse zu bekommen." Außerdem sei es wichtig sich fortlaufend über technische Neuerungen zu informieren.
Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, blickte in seinen Grußworten optimistisch in das Jahr 2012. "Während für die Gesamtwirtschaft ein Wachstum von 0,5 Prozent prognostiziert wird, gehen wir im Handwerk von 1,5 Prozent aus- ein gutes Zeichen auch für die anwesenden Dachhandwerker." Heesing unterstrich die Wichtigkeit solcher regionalen Fachtagungen, die auf Initiative der Bielefelder Dachdecker- und Zimmerer-Innung, ins Leben gerufen wurde.
Die Fachthemen im Einzelnen:
Mangel an Dampfsperre und Luftdichtheitsschicht
Dipl. Ing. Hans-Jürgen Bentrup, Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk sowie langjähriger ehemaliger Obermeister der Bielefelder Innung, berichtete in seinem Fachvortrag aus der Gutachterpraxis. Bentrup ging besonders auf Feuchteschäden durch nicht sachgerechte Ausführung von Abdichtarbeiten ein. Beim Anblick von gravierenden Fehlern seitens der ausführenden Gewerke ging ein schockiertes Raunen durch das Fachpublikum.
Luftdichtung in der Praxis: Wege der Feuchtigkeit
Dipl. Ing. Martin Großekathöfer, Anwendungstechniker von ProClima, erläuterte, wie Schadensfälle durch erhöhten Feuchteeintrag vermieden werden. Durch den Einsatz modernster Materialien und der fachgerechten Anwendung lassen sich Bauschäden verhindern. Hauptaugenmerk lag beim Thema "Intelligente" Dampfbremsen. Diese ändern (im Gegensatz zu konventionellen Dampfbremsen) ihren Dampfdiffusionswiderstand in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit. D.h. bei geringer relativen Luftfeuchte im Winter sind sie stark diffusionshemmend und bei hoher relativen Luftfeuchte im Sommer sind sie hoch diffusionsoffen. Letzteres bietet ein hohes Rücktrocknungspotential.
Betriebshaftpflicht im Dachdeckerhandwerk
Das Thema Existenzsicherung für Handwerks-Unternehmen ist Kernthema von Jürgen Mielke, Fachmann der Signal Iduna Versicherungen. Die zeitgemäße Absicherung von Haftpflichtschäden, z.B. durch Brände bei einer Flachdach-Sanierung, ist für ein Dachhandwerksunternehmen existenziell wichtig. Besonders wichtig ist es für jeden Handwerks-Unternehmer, sein Versicherungspaket regelmäßig im Hinblick auf eine drohende Unterversicherung zu überprüfen, um eventuelle Anpassungen vorzunehmen.
Das senkrechte Dach: Die Fassade
Ein immer wichtigeres Thema für Dachdecker-Betriebe wird die Fassadengestaltung. Eine gut gedämmte Fassade bietet enorme Möglichkeiten effizient Energie einzusparen. Denn neben dem Dach und hochwertigen Fenstern ist sie das wichtigste Bauteil in der Gebäudehülle. Bekanntlich bietet Eternit ein umfangreiches Produktprogramm für die Energie-Einsparfassade an. Gerhard Hruschka, Fachmann der Eternit AG, hielt ein Plädoyer für hinterlüftete Fassaden als Alternative zu den populären Wärmedämmverbundsystemen. Die Einsatz- und Gestaltungsbeispiele stießen bei den Zuhörern auf positive Resonanz.
Brand- und Explosionsschutz auf Dachbaustellen: Der sichere Umgang mit Flüssiggas
Brandschäden ein Horrorszenario für jeden Dachdecker! Die vielfältigen Gefahrenquellen, wie z. B. Funkenflug, Wärmeleitung und -strahlung und der nicht fachgerechte Umgang mit Flüssiggas werden oftmals von Dachhandwerkern unterschätzt. In seinem Vortrag gab Oliver Hanslik, Aufsichtsperson der BG Bau, viele praktische Tipps zur Vermeidung von Gefahren.
Gute Gespräche gute Geschäfte
Die Teilnehmer des 10. Bielefelder Dachtag nutzten gern die Gelegenheit für kollegialen Erfahrungsaustausch und knüpften neue Kontakte. Namhafte Industriepartner präsentierten sich vor Ort, die regionalen Ansprechpartner standen für Beratungsgespräche zur Verfügung.
Das Veranstaltungs-Fazit von Martin Lang viel dementsprechend positiv aus: "Das Veranstaltungsformat hat sich bewährt. Der Bielefelder Dachtag wird auch 2013 ein fester Termin im Innungskalender sein."