In Verbindung mit der jährlichen Mitgliederversammlung der Bundesfachgruppe Reetdachtechnik im ZVDH wurde erstmals ein „Tag des Reetdachdeckers“ veranstaltet.
Zu den Teilnehmern gehörten neben den Mitgliedern der Bundesfachgruppe Reetdachtechnik auch erstmals Nichtinnungsmitglieder, die sich in ihrem Betrieben schwerpunktmäßig mit der Reetdachtechnik befassen. Da grundlegende Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der Bundesfachgruppe die Zugehörigkeit zu der örtlichen Dachdeckerinnung ist, sollen mit dieser nun grundsätzlich offenen Veranstaltungsform auch Nichtinnungsmitglieder an die Berufsorganisation herangeführt werden.
Alles was Recht ist
Rund 80 Teilnehmer kamen zu der Premierenveranstaltung, darunter knapp 15 Nichtinnungsbetriebe. Ihnen allen wurde ein voll gepacktes Fachprogramm geboten. Nach einer kurzen Begrüßung durch ZVDH-Vizepräsident Stephan Eickhoff übernahm Dipl.-Ing. Thomas Schneider, Technischer Berater des LIV Schleswig-Holstein und dort u.a. Ansprechpartner für die Reetdachtechnik, die Moderation. Über die aktuelle Rechtsprechung zum Bauvertragsrecht, dem auch Reetdachdeckerarbeiten unterliegen, informierte einleitend Rechsanwalt Lennart Moebus aus Neumünster. BGB-Vertrag wie auch der VOB-Vertrag und dessen Auswirkungen standen im Mittelpunkt. Mit zahlreichen praktischen Beispielen verdeutlichte der Referent in anschaulicher Weise die Bedeutung der Thematik. Auf der Baustelle hart erwirtschaftete Erfolge können durch einen unsachgemäßen Umgang mit dem Bauvertragsrecht sich schnell in das Gegenteil umkehren. So nahmen die Tagungsteilnehmer wertvolle Anregungen und Tipps für die tägliche Betriebspraxis mit.
Holzschutz gleich Feuchteschutz
Tiere im Dach
„Reet sollte frei von Insekten, Larven und sonstigen Tieren sein....“ und „....sind bei einer Lieferung und beim fertig gedeckten Dach kleinere Mengen von Insekten und Larven nicht zu vermeiden....“ heißt es unter anderem im Produktdatenblatt für Reet, welches die Anforderungen an das Naturprodukt Reet als Dachdeckungsstoff beschreibt. Und in der Tat finden sich immer wieder Insekten verschiedenster Art in und auf den Reetdächern. Das führt dann häufig zu Kundenreklamationen. Dipl. Biologe Kai Schütte vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg berichtete hierzu über den aktuellen Stand der Forschungen zu dieser Thematik, welche den Reetdachdeckern bereits seit längerer Zeit bekannt ist. Er machte deutlich, dass Tiere immer auch Reetdächer „nutzen“ werden.
Neues Produkt: Reetplatten
Eine Produktinnovation stellte Tom Hiss von Hiss-Reet in Bad Oldesloh vor: Aus Reet vorgefertigte Reetplatten, die überdeckend auf Lattung oder einer vorhandenen Reetdeckung verlegt werden. Sie sind nicht unbedingt als preiswerte Alternative zu einer traditionellen Reetdeckung, sondern eher als zeitliche begrenzte Übergangslösung gedacht. So kann zumindest vorübergehend zum Beispiel bei denkmalgeschützten Gebäuden der Charakter der Reetdachdeckung gewahrt bleiben, weil womöglich momentan die finanziellen Mittel für eine vollständige Reetdachdeckung nicht verfügbar sind.
Artur Wierschem
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 08.