2010-09-08T00:00:00Z Vorurteile ausgeräumt

Dachdecker testeten vier Monate den neuen Bosch-Druckluftnagler auf Praxistauglichkeit. Hält das Gerät, was der Hersteller verspricht? Wir berichten über die Erfahrungen der Holzspezialisten.

"Jeder Nagel sitzt" nach diesem Motto hatten wir im Sommer unseren Lesertest für Holzspezialisten ausgeschrieben. Drei Dachdecker konnten den aktuellen Bosch Druckluftnagler unter die Lupe nehmen und im Alltag einsetzen. Heft- und Nagelgeräte gibt es je nach Hersteller und Verbindungselementtyp in den verschiedensten Ausführungen. Was zeichnet den Druckluftnagler nach Herstellerangaben aus? Der Bosch GSN 90-34 DK Professional ist ein Nagler für den Holz- und Rahmenbau. Das Gerät ist laut Hersteller mit der innovativen "Full Force Technology" ausgestattet, diese soll starke Leistung für schnellen Arbeitsfortschritt bei einer sehr kompakten Bauform ermöglichen. Durch ein neues Ventilsystem wird die Größe des Druckkörpers verringert, ohne Einschlagenergie einzubüßen. Dadurch wird der Druckaufbau im Gerät beschleunigt und die Nägel können selbst bei hoher Schussfrequenz bündig eingetrieben werden.

Gute Verarbeitung, Verbesserungen bei der Flexibilität

Dachdecker Karl-Heinz Sachau aus Schneverdingen war von dem Gerät überzeugt: " Die Arbeit mit dem Druckluftnagler GSN 90-34 DK ist einfach prima. Der Nagler liegt sehr gut in der Hand, besser als bei anderen Herstellern, Maße und Gewicht stimmen, es ist nicht zu kopflastig. Die Handhabung ist sehr einfach, wir kamen ohne Gebrauchsanweisung klar". Verbesserungsmöglichkeiten sieht Sachau allerdings in der Flexibilität: "Optimal wäre, es, wenn man auch 100er Nägel damit schießen könnte. Als ich die Verpackung öffnete, war ich schon etwas verwundert, beim Einlatten sind 100er Nägel vorgeschrieben. So konnten wir den Nagler leider vor allem nur bei den Konterlattungen verwenden", so Sachau. Der Traditionsbetrieb besteht seit über fünfzig Jahren und ist Mitglied der Dachdeckerinnung Soltau/Fallingbostel.

Vorurteile ausgeräumt

Einige Vorbehalte hatte zunächst Dachdeckermeister Birk Schmidtchen aus Lucka in Thüringen als das Paket bei ihm ankam: "Die Verschalung von Dächern wird in unserer Firma zu achtzig Prozent mit Druckluftnaglern ausgeführt. Dabei werden größtenteils Rundmagazinnagler verwendet. Ursprünglich waren wir der Meinung: Streifennagler müssen wesentlich öfter mit Nägeln nachgeladen werden als Rundmagazinnagler, da eine Magazinfüllung über die Hälfte weniger ist. Das zweite Vorurteil war: Das Stangenmagazin ist sehr lang". In der Praxis zeigte sich jedoch: Die Vorurteile wurden nicht bestätig im Gegenteil: "Der Streifennagler überraschte durch seine Anwendungsfreundlichkeit. Verblüffender Weise ist der Nagler sehr ausgewogen und liegt sehr gut in der Hand. Das geringe Gewicht kommt der Handlichkeit sehr zu Gute", so Schmidtchen. Das gilt auch in Sachen Komfort und Bedienung: " Der Nagler kann ohne große Einweisung benutzt werden. Als geniale Kleinigkeit erwies sich der Haltehaken, mit dem man den Nagler immer irgendwo (z. B. am Sparren oder der Schalung) hingehängt werden kann", lobte Schmidtchen abschließend. Schmidtchen beschäftigt rund fünfzig Mitarbeiter und zählt damit zu einem der größten Arbeitgeber in Lucka und dem Altenburger Land.

Prädestiniert für den Test war Dachdeckermeister Michael Schilcher, aus Bad Heilbrunn, der als gelernter Zimmerer auch Holzbauarbeiten anbietet. Schilcher war jedoch nicht zufrieden, er bemängelte vor allem das Gewicht: "Der Druckluftnagler ist zu unhandlich und zu schwer, was spürbar auf Hände und Gelenke geht. Zweites großes Manko ist das System: Erst auf dem Holz auflegen und dann auslösen, und nicht wie gewohnt auf dem Auslöser bleiben, dass erscheint uns zu umständlich. Hier ist der Zeitaufwand einfach zu hoch, auch die Nagelmenge scheint um ein vielfaches geringer zu sein als bei herkömmlichen Naglern".

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 1910.

zuletzt editiert am 11. Dezember 2020
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