Die Aufnahme des Reetdachdeckerhandwerks in das deutsche Verzeichnis für immaterielles Weltkulturerbe ist beschlossene Sache: gute Werbung in eigener Sache und eines der Themen, die beim 13. Landesverbandstag des Dachdeckerhandwerks Mecklenburg-Vorpommern in Crivitz diskutiert wurden.
Nicht sparen, investieren!
Am zweiten Tag gab Landesinnungsmeister Thomas Schulrath nach der Begrüßung direkt das Wort an Helmut Holter, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Landtag. Trotz seines engen Terminplans ließ Holter es sich nicht nehmen, den Dachdeckern seine kleine Abrechnung mit der Landesregierung zu präsentieren. „Meine Fraktion war nicht begeistert davon, dass ich als Linker die Einführung des Mindestlohns kritisiert habe“, bekannte er. Natürlich sei er für gerechte Entlohnung, aber nicht für dieses neu geschaffene Bürokratiemonster. Warum man nicht einfach einen Monatsmindestlohn einführe, fragte er, gelte es doch, Fachkräfte auch durch adäquate Bezahlung zu sichern. Handlungsbedarf sehe er beim Nachwuchs. Die Abbrecherzahlen in Schule und in der Ausbildung seien zu hoch. „Warum führt man das Instrument der frühen Berufsorientierung nicht wieder ein? Schüler müssen Gefühl und Kenntnis von beruflichen Abläufen erlangen!“, forderte Holter. Er kritisierte, dass im Bildungsbereich vom Geld her gedacht werde – umgekehrt wäre richtig: erst Bildung, dann Finanzierung. Man benötige Interessenten mit Mut zur Selbstständigkeit, schließlich suchten schon heute 1.900 Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern einen Nachfolger. „Ein Imagewandel in der Gesellschaft ist notwendig. Der Firmeninhaber verdient Hochachtung und Anerkennung, er ist nicht mehr der mit der dicken Zigarre!“ Das Land müsse mehr Unterstützung leisten. 1 Milliarde Euro Rücklage habe Mecklenburg-Vorpommern. „Das ist viel zu viel“, so Holter „Sparen um jeden Preis und das Aussitzen der Probleme können nicht das Ziel sein.“ Einen Großteil des Geldes solle man jetzt in Bildung und den Ausbau des digitalen Datennetzes investieren.
Dachdecker als Weltkulturerbe
Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Schwerin Edith Brüggert schlug in eine ähnliche Kerbe. Die Dachdecker seien gut aufgestellt und hätten eine gute Auftragslage, die größte Herausforderung bilde die Nachwuchswerbung: „Mit dem Basteln von Vogelhäuschen lockt man keinen Jugendlichen hinter dem Smartphone hervor.“ Sie lobte die Imagekampagnen und forderte auf, die bereitgestellten Hilfsmittel auch zu verwenden: „Kleben Sie Flyer auf Ihre Autos, machen Sie sich als Dachdecker kenntlich, nutzen Sie die Werbemittel!“ Werbewirksam wird sich der Eintrag des Reetdachdeckerhandwerks in das deutsche Verzeichnis für immaterielles Weltkulturerbe auswirken, den Frau Brüggert stolz verkünden konnte. Dazu sprach sie der hiesigen Reetdachdecker-Innung ihren Glückwunsch und besonderen Dank aus.
Brigitte Latsch-Weber
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 08.2015