2009-09-15T00:00:00Z Wildwuchs statt Wartung

Undichtigkeiten an den Abdichtungslagen eines Umkehrdaches waren für die Hauseigentümerin Anlass, das Drei-Dachdeckerei-Team in Berlin zu beauftragen, die Ursache festzustellen und eine entsprechende Sanierung durchzuführen. An den innenseitigen Wangen der Lichtkuppeln eines Lebensmittelmarktes zeigten sich in gewissen Zeitabständen deutliche Wasserspuren, deren Ursache es zu bestimmen galt.

Es handelte sich um ein Umkehrdach mit extensiver Dachbegrünung. Die Höhe der Flachdachfläche betrug knapp drei Meter, die Neigung zu den Dacheinläufen etwa drei bis vier Grad. Starker Wildbewuchs auf dem Brandschutzstreifen ließ auf fehlende Wartungsarbeiten schließen. Um eine Beurteilung der darunter liegenden Kunststoffbahnen durchführen zu können, musste zunächst das komplette Schichtenpaket der extensiven Dachbegrünung vorsichtig abgetragen und zwischengelagert werden. Der Aufbau setzte sich aus:

-Sedumsprossen / Sedumteppich

-Dachgärtnererde, 7 cm

-Filtervlies

-Drainelement

-Speicherschutzmatte

Wärmedämmung aus Extruderschaumplatten mit Stufenfalz, 12 cm zusammen.

Ein Ausdiffundieren von Feuchtigkeit aus der Dämmplatte wurde durch die Speicherschutzmatte behindert. Hier hätte ein diffusionsoffenes Trenn- und Gleitvlies verlegt werden müssen. An sämtlichen Dachdurchdringungen und am umlaufend aufgehenden Mauerwerk war ein Brandschutzstreifen von circa dreißig Zentimeter Breite vorhanden. Diese waren jedoch infolge fehlender Wartung mit starkem Wildbewuchs überwuchert. Zwei innenliegende Dacheinläufe konnten erst bei den Abräumarbeiten lokalisiert werden. Sie waren - wie so oft - an den höchsten Punkten geplant und eingebaut, wodurch der freie Abfluss des Oberflächenwassers stark eingeschränkt war. Ein Gully wies einen daumenbreiten Spalt zwischen Kunststoffbahn und Flansch auf. Weiterhin befanden sich in der Dachfläche noch zwei Lichtkuppeln und drei Zinkdunstrohre. Bei letzteren war die Kunststoffbahn bis zur außenliegenden Sicke hochgeführt und versiegelt. An einer innen liegenden Gebäudeecke befand sich ein höher liegender Aufbau aus Stahlbeton. Nachdem der Gründach-Schichtaufbau geräumt war, zeigten sich vor den Aufsatzkränzen der Lichtkuppeln an der Kunststoffbahn große Wasserblasen. Um die Situation unterhalb der Bahn festzustellen, wurden diese an mehreren Stellen aufgeschnitten. Der Schichtaufbau setzte sich von unten nach oben wie folgt zusammen: Stahlbeton-Rohdecke, geringfügige Haftbrücke, Bitumenschweißbahn und eine bitumenverträgliche Kunststoffbahn. Am aufgehenden Mauerwerk aus Kalksandstein und am Übergang zur Flachdachfläche waren starke Zugkräfte (Horizontalkräfte) erkennbar. Daraufhin wurde dieser Bereich an mehreren Stellen aufgeschnitten. Hier konnte festgestellt werden, dass unterhalb der Kunststoffbahn zwar Verbundbleche vorhanden aber eine Verbindung zur Kunststoffbahn nicht mehr gegeben war. Am Mauerwerk zeigten sich Kiesnester; aufgebrochene Kanten wurden sichtbar. Bei der Überprüfung von Längs- und Querstößen der Kunststoffbahn in der Fläche und auch am Mauerwerk konnten Kapillareinschlüsse festgestellt werden. An etlichen Längsstößen waren Nachbesserungen mittels Heftpflaster vorgenommen worden. Innen- und Außenecken wurden handwerklich ausgebildet. Vorgefertigte Eckformteile waren an keiner Stelle eingebaut. An den Übergängen zum aufgehenden Mauerwerk waren bei genauer Betrachtung muldenartige Vertiefungen in der Kunststoffbahn zu erkennen.

Die Rücksprache mit dem Auftraggeber bestätigte die Vermutung, dass die Ausführung in den Wintermonaten durchgeführt worden war. Aufgrund der Witterungslage waren Verarbeitungsfehler vorprogrammiert. Feine Kapillare an den Nähten und winzige Leckagen ließen Oberflächenwasser im Laufe der Zeit unter die Kunststoffbahn eindringen. Die umlaufende Mauerabdeckung aus Aluminium war waagerecht und direkt befestigt. Unterhalb der Abdeckung befand sich die bereits beschriebene Kunststoffbahn sowie eine aufgedübelte Spanplatte, zwanzig Millimeter dick, die zum Teil nicht bündig mit dem aufgehenden Mauerwerk abschloss. Die Tropfnase der Alu-Abdeckung lag stellenweise bündig an der Kunststoffbahn an. Aufgrund der festgestellten, erheblichen Mängel empfahl der Meisterbetrieb eine sofortige Instandsetzung. Nach Ausarbeitung einer detaillierten Leistungsbeschreibung erhielt das Drei-Dachdeckerei-Team den Auftrag für die Instandsetzungsarbeiten. Nachdem alle Schichten bis auf die Rohdecke abgetragen waren mussten zunächst vorbereitende Arbeiten durchgeführt werden. Am umlaufenden, aufgehenden Mauerwerk wurden die Kalksandsteine angeputzt, um so eine glatte und ebene Wandfläche zu erhalten. Auf der Brüstung wurde eine trapezförmige Bohle befestigt. Unter- und oberhalb der Bohle wurde eine hochreißfeste Trenn- und Abdichtungslage aufgebracht. Nach der Montage der Dunstrohre und dem Austausch der Dachgullys wurde ein Bitumenvoranstrich auf die Stahlbetonfläche und am aufgehenden Mauerwerk vollflächig aufgetragen. Danach wurde eine Elastomerbitumen-Schweißbahn als Ausgleichs- und Dichtungsbahn als erste und eine weitere mit integriertem Durchwurzelungsschutz als zweite Abdichtungslage vollflächig aufgeschweißt. Dabei wurden die einzelnen Lagen parallel zueinander und im Versatz verlegt beziehungsweise verschweißt. Sämtliche bituminösen Wandanschlüsse wurden zweilagig mit integriertem Durchwurzelungsschutz im Rücklagenstoßversatz vollflächig auf die bereits montierte Trapezbohle aufgeschweißt und zusätzlich mechanisch fixiert.

Peter Blase

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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