News 2010-12-02T00:00:00Z Winterwetter in Deutschland

Schneechaos stoppt Autos und Bahnen. Aufgrund des Winterwetters ist es in ganz Deutschland erneut zu vielen Unfällen und Verkehrsbehinderungen gekommen.

Allein in Nordrhein-Westfalen gab es bis zum frühen Samstagmorgen 300 durch das Wetter bedingte Unfälle. Der Gesamtsachschaden belief sich auf rund 1,32 Millionen Euro. Bei einem Verkehrsunfall auf der eisglatten Autobahn 61 bei Bedburg kam ein Mensch ums Leben. Die A1 Richtung Köln musste in Höhe Bad Münstereifel nach einem Lkw-Unfall wegen Bergungsarbeiten gesperrt werden. Die A33 wurde wegen Eisglätte zwischen den Anschlussstellen Paderborn-Sennelager und Schloss Holte-Stukenbrock gesperrt. Auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn kam es wetterbedingt zu Verspätungen.

Verkehr im Norden bricht teilweise zusammen

Besonders betroffen war der Norden Deutschlands. In Mecklenburg-Vorpommern führten Schneefälle und Verwehungen zu schwierigen Straßenverhältnissen. Das Landeslagezentrum in Schwerin schätzte die Auswirkungen "Kezibans" stärker ein als die Folgen des Sturmtiefs "Daisy" Anfang Januar. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) liegt momentan in dem nördlichen Bundesland mehr Schnee als in Bayern. Die Deutsche Bahn stellte den Verkehr auf vielen Strecken in dem Bundesland komplett ein. Im Tagesverlauf gingen beim Landeslagezentrum immer mehr Meldungen über unpassierbare Straßen und liegengebliebene Fahrzeuge ein.

Unwetterwarnung für Ostseeküste

Im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns türmten sich meterhohe Schneewehen auf, Hunderte Autofahrer steckten mit ihren Fahrzeugen fest. Der Winterdienst sei nicht in der Lage, die Verkehrswege freizuhalten, es komme auf Straßen aller Größenordnungen zu Staus und Sperrungen, sagte ein Sprecher. Auch in Stralsund und auf Rügen kam der Verkehr zum Erliegen. Die Ostseeinsel Hiddensee ist nach dem Ausfall des letzten eisbrechenden Fährschiffs vom Festland und von Rügen abgeschnitten. Mehrere Landkreise und kreisfreie Städte an der Ostseeküste beriefen Krisenstäbe ein.

Es erging die Aufforderung, das Auto nur in dringenden Fällen zu benutzen. Das Fußballspiel der Zweiten Bundesliga, FC Hansa Rostock gegen FC Union Berlin, wurde abgesagt. Auch viele andere Sport- und Kulturveranstaltungen fallen aus. Im Laufe des Tages spitzte sich die Lage weiter zu, die Wetterstationen kündigten noch mehr Schnee an und gaben Unwetterwarnungen für die Ostseeküste heraus.

Behinderungen in Schleswig-Holstein und Hamburg

In Schleswig-Holstein verunglückte ein Lastwagen und blockierte die Autobahn 21. Nach Angaben der Polizei geriet das Fahrzeug zwischen Bad Segeberg und Schwissel ins Schleudern und brach durch die Leitplanke. Das querstehende Fahrzeug musste in einer mehrstündigen Aktion geborgen werden. Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand. In Teilen des Bundeslandes musste der öffentliche Nahverkehr zum Teil eingestellt werden. Betroffen hiervon war nach Polizeiangaben unter anderem die Region um Ratzeburg. Auf der Insel Fehmarn waren Straßen nicht befahrbar.

In Hamburg war der Winterdienst seit Freitagnachmittag im Dauereinsatz, in der Nacht waren bis zu 170 Fahrer mit Schneepflügen sowie weitere 1000 Einsatzkräfte zum Streuen unterwegs, wie die Stadtreinigung mitteilte. Auf dem Flughafen Lübeck waren zeitweise keine Starts und Landungen möglich. In Lübeck wurden alle Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr mit Schneeketten ausgerüstet.

Schneeverwehungen und Unfälle im Osten

Die größten Behinderungen in Brandenburg gab es auf der Autobahn Dresden-Berlin und der A24 Hamburg-Berlin. Die A13 wurde in Richtung Berlin teilweise komplett gesperrt, nachdem ein Lkw mit Holz verunglückt war. Nach den erneuten Schneefällen in Sachsen warnte das Autobahnamt vor Verwehungen. Autofahrer gerieten ins Schleudern, Lastwagen stellten sich quer, wie das Autobahnamt in Dresden mitteilte. Bei zwei Unfällen auf der Autobahn 9 in Thüringen wurden zwei Menschen tödlich und fünf zum Teil schwer verletzt. Zwischen Hermsdorfer Kreuz und der Anschlussstelle Bad Klosterlausnitz waren fünf Lastwagen ineinander gefahren. Rund zehn Kilometer weiter kam es zu einem Unfall mit drei Lastwagen und zwei Pkw. Die Fahrbahn in Richtung Berlin war stundenlang gesperrt.

Unfälle auch im Süden

Auch auf den schneebedeckten Autobahnen und Bundesstraßen in Bayern ging zeitweise nichts mehr. Wetterbedingt gab es etliche Unfälle, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. Beide Fahrer waren mit entgegenkommenden Autos zusammengestoßen. Vereiste Nebenstrecken mussten komplett gesperrt werden, Gefahrguttransporter wurden gebeten, den nächsten Rastplatz anzusteuern. Räumdienste waren pausenlos im Einsatz.

Bei bis zu 20 Zentimeter Neuschnee mussten auch Bahn- und Flugreisende massive Einschränkungen hinnehmen. Verwehungen verursachten Weichenstörungen, die nahezu im gesamten Regional- und Fernverkehr zu Verspätungen und Zugausfällen führten, wie die Bahn mitteilte. Gleiches galt für den Münchner S-Bahn-Verkehr, wo es teilweise zu Verspätungen von bis zu 50 Minuten kam. Am Münchner Flughafen mussten 60 Flüge annulliert werden. In weiten Teilen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kam es gestern Abend und in der Nacht zu Unfällen auf schneeglatten Straßen. Auf dem Feldberg ging am Nachmittag eine Schneebrett-Lawine ab und verletzte zwei Menschen schwer. Das Schneebrett hatte sich in einem offen zugänglichen Bereich gelöst und die beiden Skifahrer mitgerissen. Dabei wurden sie gegen Bäume geschleudert.

Quelle: tagesschau.de

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
Newsletter