Interdisziplinäres Forscherteam der Technischen Universitäten Braunschweig und Darmstadt sowie der Humboldt-Universität zu Berlin gewinnen interessante Praxiserkenntnisse im Vergleich zu den theoretischen Annahmen und Berechnungen des modernisierten Siedlerhauses.
Hohe Wohnzufriedenheit und eine gute Performance von Gebäude und Technik dies sind die wichtigsten Ergebnisse der ersten vier Monate des auf zwei Jahre angelegten, wissenschaftlich begleiteten Wohnexperiment im Velux LichtAktiv Haus. Damit bestätigt die in dieser Form erstmals durchgeführte interdisziplinäre Untersuchung eines als Nullenergiehauses konzipierten Gebäudes die theoretischen Planungen und Berechnungen des von Velux im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg modernisierte typische Siedlerhaus aus den 50er Jahren.
So lagen die regenerativen Energieerträge durch die Photovoltaik-Module und Solarthermie-Kollektoren über den Erwartungen. Auch Wohnkomfort und Raumklima überzeugen: Die behaglichen Raumtemperaturen sowie das viele Tageslicht und die frische Luft im Haus werden von allen Mitgliedern der im Dezember eingezogenen Testfamilie als äußerst positiv empfunden. Einzig der Energieverbrauch der Anlagentechnik zur Wärmebereitstellung liegt bislang noch über den kalkulierten Werten, was darauf zurückzuführen ist, dass sich das System noch in der Justierungsphase befindet. Sobald die Justierungs- und Optimierungsphase abgeschlossen ist, wird der Energieverbrauch zurückgehen. Damit zeigt das in Hamburg Wilhelmsburg gelegene LichtAktiv Haus, dass attraktiver Wohnraum in Verbindung mit nachhaltiger Energieversorgung und optimale Klimatisierung nicht dem Neubau vorbehalten ist und CO2 neutrales Wohnen auch im modernisierten Siedlerhaus möglich ist.
Wohnexperiment verbindet quantitative und qualitative Forschungsmethoden
Das LichtAktiv Haus ist der deutsche Beitrag zum europaweiten Velux Experiment Model Home 2020, in dessen Rahmen das Unternehmen Erkenntnisse darüber gewinnen will, wie eine umweltverträgliche Wohnlösung konzipiert sein sollte, die seinen Bewohnern gleichzeitig ein gesundes Raumklima und besten Wohnwert bietet. So erzeugt das als Nullenergiehaus konzipierte Gebäude die benötigte Energie inklusive des Haushaltsstroms vollständig durch erneuerbare Energien selbst. Gleichzeitig unterstützen solare Energieeinträge durch die von 18 auf 93 Quadratmeter erweiterte Fensterfläche die Heizung und in den tageslichtdurchfluteten Räumen kann auch an trüben Tagen meist auf künstliche Beleuchtung verzichtet werden. Darüber hinaus spielen die Dachfenster eine zentrale Rolle bei der Be- und Entlüftung des Gebäudes. In der aus energetischen Gründen luftdichten Bausubstanz steuert die intelligente Gebäudetechnik nicht nur das gesamte Energiemanagement, sondern sie öffnet und schließt darüber hinaus je nach Temperatur, CO2-Konzentration und Luftfeuchtigkeit vollautomatisch die Fenster und Sonnenschutzelemente und gewährleistet durch diese natürliche Belüftung ein gesundes Raumklima.
Mit dem Einzug von Christian und Irina Oldendorf mit ihren beiden Söhnen Lasse und Finn hat im Dezember 2011 der entscheidende Teil des Experiments begonnen. Als Testfamilie stellen sie das Velux LichtAktiv Haus zwei Jahre auf die Probe. Ziel ist es herauszufinden, wie das modernisierte Siedlerhaus im täglichen Betrieb funktioniert und ob die theoretischen Planungen und Berechnungen den tatsächlichen Lebensgewohnheiten einer vierköpfigen Familie standhalten.
Begleitet wird dieses Wohnexperiment durch ein umfassendes wissenschaftliches Monitoring der Technischen Universitäten Braunschweig und Darmstadt sowie der Humboldt-Universität zu Berlin, dessen Konzept erstmals quantitative und qualitative Untersuchungsmethoden verbindet. So werden nicht nur das Außenklima und die entsprechenden Innenraumwerte quantitativ erfasst und dokumentiert, sondern durch eine qualitative Untersuchung auch ein Bezug zum persönlichen Wohn- und Wohlfühlgefühl der Testfamilie hergestellt.
Fazit
Obwohl bislang erst vier Monate des auf zwei Jahre angelegten, wissenschaftlich begleiteten Wohnexperiments im Velux LichtAktiv ausgewertet worden sind, scheinen die bisher vorliegenden Ergebnisse die theoretischen Berechnungen und Planungen des modernisierten Siedlerhauses grundsätzlich zu bestätigen. Die hohe Wohnzufriedenheit der Testfamilie und die gute Performance von Gebäude und Technik zeigen, dass sich höchster Wohnwert bei optimale Nutzung erneuerbarer Energien auch bei der Modernisierung von Bestandsgebäuden verwirklichen lässt.
In den kommenden 18 Monaten wird das interdisziplinäre Forscherteam aus Architekten und Soziologen sowie Gebäude- und Solartechnikern der Technischen Universitäten Braunschweig und Darmstadt sowie der Humboldt-Universität zu Berlin die qualitativen und quantitativen Aspekte der Untersuchung noch stärker miteinander verzahnen.
"Bei der in dieser Form erstmals durchgeführten interdisziplinären Untersuchung eines Nullenergiehauses mit ausschließlich natürlicher Belüftung betreten die beteiligten Forschungseinrichtungen wissenschaftliches Neuland", erklärt Tim Bialucha von der TU Darmstadt. So sollen die gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, die grundsätzliche Frage zu beantworten, was in Bezug auf zukünftige Wohnqualität wirklich wichtig und wie sich die zukünftigen Anforderungen an die Energieeffizienz eines Gebäudes bei maximaler Nutzerfreundlichkeit erfüllen lassen. "Die Evaluation des Wohnexperiments LichtAktiv Haus bewegt sich an der Schnittstelle der vier Disziplinen Architektur, Ingenieurwesen, Soziologie und Psychologie und wird mit seinen einmaligen Ergebnissen wertvolle Rückschlüsse für die Forschung und Lehre in der Architektur erlauben."
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