Markt 2009-11-12T00:00:00Z Zehn Prozent nur durch den Fahrstil

Allein für Treibstoff wenden Handwerksbetriebe 65 Prozent der Fuhrpark-Betriebskosten auf. Unser Autor prüfte beim Eco-Training für Nutzfahrzeuge, wie sich die Fahrweise auf den Verbrauch auswirkt. Ergebnis: Zehn Prozent Ersparnis sind kein Problem

Die beste und modernste Technik hilft nur begrenzt, wenn der Nutzer sie nicht richtig anwendet. Neueste Motoren in Transporter und Lieferwagen, die der Euro5-Norm entsprechen, halten nicht nur verschärfte Abgasgrenzwerte ein, sie sind auch weniger durstig. Nochmals ein Liter weniger auf 100 Kilometer gegenüber der Euro4-Version sind keine Seltenheit. Umfangreiche Ingenieur-Teams brauchen Jahre, um dieses ehrgeizige Ziel unter der Motorhaube zum Erfolg zu bringen. Aber wie erfolgreich münzen Fahrer dies in verlängerte Laufleistungen ihrer Fahrzeuges um? "Modernste Technik mit einer Fahrweise von vorgestern passt nicht zusammen", sagt Klaus Buhl. Er hat vor 15 Jahren mit den Mercedes-Fahrsicherheitstrainings begonnen und ist mit einer speziellen Fahrerschulung für effizientes Fahren Eco-Training genannt auf der Höhe der Zeit. Denn die Minimierung des Kraftstoffverbrauchs leistet den preiswertesten Beitrag zur CO2-Reduzierung. Vor allem Flottenbetreiber mit Tausenden von Kilometern an Fahrleistungen pro Monat interessieren sich für Einsparpotenzial im Tank. Doch auch im Fuhrpark eines Handwerksbetriebes dürfte von Interesse sein, ob ein Transporter 12 oder 15 Liter auf 100 Kilometer frisst. Je nach Fahrweise lassen sich durch ein paar Effizienz-Regeln 10 oder 20 Prozent an Sprit sparen. Wie eindrucksvoll sich dies in der Praxis demonstrieren lässt, davon konnten sich Anfang Oktober Motor-Journalisten überzeugen.

Runter mit der Drehzahl, rauf mit der Last

Im eintägigen Eco-Training ist ein "Aha-Erlebnis" vorprogrammiert. Konsequent gilt es, sich mit dem Grundsatz "Runter mit der Drehzahl, rauf mit der Last" vertraut zu machen. Die erste Fahrt wird im bisherigen Fahrstil absolviert. Der Instruktor auf dem Beifahrersitz gibt keine Kommentare, sondern überwacht lediglich die Messtechnik, die Kraftstoffverbrauch, Anzahl der Schaltungen, Drehzahl und die Fahrzeit protokolliert. Im Anschluss werden theoretische Grundlagen vermittelt, wie angewandte Fahrphysik, Verbrauchskennfelder, Leistungskurven, Getriebeübersetzungen und vieles mehr. Prinzipiell braucht ein Motor für gleiche Fahrleistungen bei niedriger Drehzahl im hohen Gang weniger Kraftstoff als bei höherer Drehzahl in einem niedrigeren Gang, auch wenn das Fahrpedal dann weiter durchgetreten werden muss.

Unter den zehn wichtigsten Tipps darf der Reifendruck nicht fehlen. Immerhin sind rund dreißig Prozent aller Fahrzeuge mit zu niedrigem Luftdruck unterwegs, sodass erhebliches Einsparpotenzial auf lange Sicht auch hier begründet liegt.

Das frühe Schalten ist ungewohnt

Vor der zweiten Verbrauchsfahrt, bei der Fahrzeug und Strecke identisch sind, teilt der jeweilige Instruktor dem Teilnehmer mit, was er während der ersten Testrunde als Verbesserungspotenzial erkannt hat. Fast immer gehört das frühzeitige Schalten dazu. Beispielsweise ist beim neu entwickelten Sprinter-Motor OM651 auf ebener Strecke der Punkt für den Gangwechsel bei 1200 Umdrehungen bereits erreicht. Kennt der Fahrer die Zusammenhänge nicht und verlässt sich auf sein Gehör, bleibt das Potenzial niedriger Drehzahlen ungenutzt und der nächste Gang wird erst bei 1600 Touren gewählt. Das ist zwar immer noch "gehört" eine moderate Fahrweise, doch in Sachen Effizienz nur die halbe Miete.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kraftstoffabschaltung im Schubbetrieb des Motors etwa auf einer Gefällstrecke. Sie funktioniert bei modernen Motoren allerdings nur, wenn ein Gang eingelegt und die Gaspedalstellung "auf Null" ist. Die etwas Sprit verbrauchende Leerlauf-Drehzahl wäre hier nicht günstiger, gibt der Instruktor zu verstehen. Das Herunterschalten auf einer leichten Gefällstrecke bringt wenig, lautet ein weiterer Rat. Es ist ein Schaltvorgang mehr, der Motor dröhnt und verzögert nicht in dem Maß, wie man sich dies erhofft. Statt dessen gilt es, rechtzeitig vor einer Senke bereits wieder im hohen Gang Vollgas zu geben, um möglichst effizient Schwung mitnehmen zu können. Gesagt, getan: Der Transporter quittiert dies mit sehr moderater Drehzahlerhöhung und einem Momentanverbrauch, der bei 15 Litern liegt, statt (wie des öfteren vorher) für Sekunden 30 Liter oder mehr anzuzeigen.

Bremsen heißt "Energie vernichten"

"Mit Weitblick fahren" bedeutet, nicht häufig zwischen Gasgeben und Bremsen zu pendeln. Es sind verblüffend wenige Sekunden an Fahrtzeit, die selbst bei einer Tour von zwanzig Kilometern "auf der Strecke bleiben", wenn man sich für eine defensive Fahrweise entscheidet. Auf der Teststrecke in Münsingen betrug der Zeitunterschied etwa eine halbe Minute zwischen der moderaten Fahrweise der ersten Tour und dem noch etwas verhalteneren Stil der zweiten.

Kommt eine rote Ampel in Sicht, können neuzeitige Fahrzeugkonzepte erhebliches Einsparpotenzial ausspielen: Frühzeitig vom Gas gehen bedeutet Null-Verbrauch durch die Schubabschaltung. Ist eine Start-Stop-Automatik aktiviert, wird nach dem Anhalten ausgekuppelt. Nach drei Sekunden geht der Motor aus. Bevor Grün kommt, kann (ohne Kupplung) bereits der erste Gang eingelegt werden. Zum Losfahren gilt es lediglich die Kupplung zu treten, der Motor springt in diesem Modus sofort an und weiter geht’s. "Im Dauereinsatz der City kann sich diese Option durch viele rote Ampeln leicht amortisieren, denn oftmals läuft der Motor mindestens für dreißig Sekunden nutzlos", gibt Instruktor Klaus Buhl zu bedenken.

Nach der zweiten Fahrt unter Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse und Instruktionen sind die Test-Kandidaten in aller Regel davon beeindruckt, wie sich das neu Erlernte direkt auf den Verbrauch ausgewirkt hat. Auch beim Autor: Mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,9 Liter pro 100 Kilometer konnte sich der erste Testdurchgang zwar durchaus sehen lassen, doch in Runde 2 galt es auf viele Schaltvorgänge zu verzichten. Der Zeitpunkt des Gangwechsels lag dank Instruktor etwa 400 Touren niedriger und die Start-Stopp-Automatik wurde wann immer möglich genutzt.

Fazit: Zehn Prozent Einsparung ist kein Kunststück

Trotz verhaltener Fahrweise während der ersten Testrunde ließ sich im zweiten Durchgang der Verbrauch um weitere zehn Prozent senken. Bei anderen Kollegen brachte das Plus an Effizienz sogar eine 25-prozentige Reduzierung der eingesetzen Energie ohne dabei bemerkenswert langsamer das Ziel zu erreichen.

Den kompletten Artikel mit Tipps vom Spritspar-Instruktor lesen Sie in DDH 21.2009.

Thomas Dietrich

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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