Seit 100 Jahren liefert das Dachziegelunternehmen Laumans Produkte nach Berlin. Diese langjährige Verbundenheit ist bis heute nicht abgerissen. Das Jubiläum feierte das Unternehmen mit Branchenpartnern an der TU Berlin.
Seit 1896 produziert die Gebr. Laumans GmbH & Co. KG im niederrheinischen Brüggen-Bracht Dachziegel aus Ton. Das Datum markiert den Beginn der industriellen Ziegelherstellung in der für ihre besonderen Tone bekannten Region. Nur so ließ sich der enorme Bedarf für die rasant wachsenden Städte in Deutschland befriedigen. 1911 ging der erste Ringofen an den Start, der die Produktivität des Unternehmens schlagartig mehr als verdoppelte. Im selben Jahr lieferte man die ersten Ziegel vom niederrheinischen Stammsitz ins 600 Kilometer entfernte Berlin: Der Beginn einer intensiven, erfolgreichen und nun seit 100 Jahren bestehenden Geschäftsbeziehung. Möglich machte es ein besonderer Bezug zu Berlin: im Jahr 1900 half die Continentale Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft beim Aufbau der Infrastruktur in Bracht. Dies war im Grunde die Voraussetzung für die Lieferung der Ziegel nach Berlin. In die Peter-Behrens-Halle des Fachgebiets Bauphysik und Baukonstruktionen der TU Berlin hatte Laumans langjährige Geschäftspartner und zahlreiche weitere Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Dachdeckerhandwerk eingeladen. Diese erwartete ein abwechslungsreiches Programm mit Fachvorträgen, Besichtigungen der Labore und Prüfstände des Fachgebiets Bauphysik und Baukonstruktionen sowie ein festliches Abendprogramm, zu dem Laumans Vertreter der Innung und insbesondere Reiner Crolow, Ehreninnungsmeister der Landesinnung des Dachdeckerhandwerks Berlin, begrüßen konnte.
Auch heimlich wurde geliefert
Im Zentrum des Nachmittags standen bereits drei Fachvorträge: Hausherr Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank U. Vogdt, vom Fachgebiet Bauphysik und Baukonstruktionen der TU Berlin leuchtete in seinem Vortrag den Berliner Sanierungsmarkt und die Chancen der energetischen Ertüchtigung des Gebäudebestands für das Dachdeckerhandwerk aus. Über die Anforderungen an Dachziegel unter dem Einfluss anerkannter Regeln der Technik referierte Architekt Dipl.-Ing. Jürgen Tischner, freier Berater und ehemaliger Produktmanager von Laumans. Ein für Ziegelhersteller, Planer und Dachhandwerker gleichermaßen spannendes Thema: Unterliegt doch das Regelwerk gerade in der jüngsten Vergangenheit einem stetigen Wandel, wie bereits durchgeführte oder bevorstehende Änderungen in der Fachregel für Metallarbeiten, in den Merkblättern für die Bemessung von Entwässerungen und für Solartechnik, in der Fachinformation "Windlasten" und der Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen dokumentieren. Aus architektonischer Perspektive präsentierte Architekt Dipl.-Ing. Heinz Zanger, ehemaliger Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach e.V., die Berliner Dachlandschaft. Dass er dabei auf manches Objekt stieß, das mit Laumans-Ziegeln gedeckt ist, kommt nicht von ungefähr. Denn der niederrheinische Ziegelhersteller lieferte bereits vor dem 2. Weltkrieg pro Jahr rund eine bis eineinhalb Millionen Ziegel, nahezu zehn Prozent der Jahresproduktion, über die Firma Wenzel, Charlottenburg, in die Hauptstadt. Und auch wenn der Neuaufbau nach 1945 schwierig war, ließ man die Berliner nie im Stich. So rollten die ersten Ziegel nach dem Krieg noch ohne Genehmigung der Militärregierung unter Heu und Stroh versteckt per LKW Richtung Spree. "Wir sind stolz darauf, die enge Verbundenheit zu Berlin bis heute pflegen zu dürfen, das Bild der Stadt ein wenig mitgeprägt, den direkten Kontakt zu Planern, Denkmalschützern, Baubehörden und Wissenschaftlern vor Ort nie verloren zu haben und unseren Partnern in Handel und Handwerk stets mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können", betonte Unternehmenschef Gerald Laumans.
Elke Herbst
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 22/2011.