Das Ziegeldach des neuen Freizeitbads "Badeparadies Schwarzwald" am Titisee sprengt alle Maße. Regionaltypische Schnee- und Eismassen stellten außergewöhnliche Anforderungen an den ausführenden Dachdeckerbetrieb Rudi Metzler GmbH.
Der Titisee zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Schwarzwald. Mehr als eine Millionen Gäste zieht es jedes Jahr hierher. Für noch mehr Abwechslung sorgt seit 2011 das Badeparadies Schwarzwald. Die Anlage ist in drei Bereiche unterteilt. Unter den großen Dächern findet jeder Besucher seine Art des Freizeitvergnügens. In der sogenannten "Schwarzwald Galaxy" sorgen darüber hinaus 18 hochmoderne Rutschen besonders bei der Jugend für Spaß und "Action". Das im Grundriss T-förmige Bauwerk besteht aus einem von außen sichtgeschützten Glaspavillon mit aufschiebbarem Panoramadach, einem langen Ziegeldach mit auskragenden Glasgiebeln und mittigem Lichtband sowie einem weiteren Ziegeldach, das den Eingangsbereich überspannt. Mit dem hier traditionellen und bewährten Dachdeckungsmaterial Tondachziegel fügt sich das modern XXL- Objekt gut in die Schwarzwaldlandschaft ein. Die Dimensionen der Dächer fordern jedoch auch die Umsetzung spezieller technischer Lösungen.
Große Dachlösung mit Reformziegeln
Als Dachdeckung kamen Reformziegel zum Einsatz. Diese Art von Dachziegel ist in der Region weit verbreitet und wurde vom Bauherrn auch wegen der ruhigen, flächigen Optik gewählt. Die Rudi Metzler GmbH aus Hinterzarten verbaute an diesem Dach rund 43.000 rot engobierte Flächenziegel, 750 linke und rechte Ortgangziegel, 704 Firstanschluss-Lüfterziegel, 368 Flächenlüfter, 170 Pultfirstziegel, 60 Firstziegel und weitere 40 Formteile aus Keramik. Die Detaillierung der großen Dächer wurde im Dialog zwischen dem Planer, den beteiligten Handwerksunternehmen sowie der Fachberatung von Wienerberger entwickelt. Ziel war ein ästhetisches wie haltbares Dach, das den hohen bauphysikalischen, aber auch statischen Anforderungen gerecht wird, die aufgrund der in dieser Region möglichen Schneemassen resultieren. Die Notwendigkeit einer winterfesten Ausführung in dieser schneereichen Region stand dabei im Vordergrund.
Leimbinder für Rutschparadies
Das mit rund 4.000 m² Fläche größte und im Detail schwierigste Dach krönt das Rutschenparadies Galaxy. Die trapezförmige Dachkonstruktion aus Leimholzbindern trägt hier nicht nur die Lasten des Daches, sondern auch große Teile der an den Bindern abgehängten Rutschen. Über den Leimholzbindern kommen vom Zimmerer vorgefertigte großflächige Holzdämmelemente zum Einsatz. Diese basieren auf speziellen Dreischichtplatten, die als aussteifende Dachscheiben bzw. Windverband eingesetzt werden dürfen, wodurch die gesamte Untersicht des Daches ohne Windverbände auskommt. Die vorgefertigten Dachelemente enthalten oberhalb der Dampfbremse waagerecht integrierte Pfetten und dazwischen 24 cm Mineralwolle. Oberseitig sind die Elemente mit einer Vollholzschalung beplankt und mit einer diffusionsoffenen Schalungsbahn abgedeckt. Darauf sind alle 70 cm Konterlatten und die Dachlattung befestigt.
530 cm² Hinterlüftung
Das ZVDH-Merkblatt "Wärmeschutz bei Dach und Wand" fordert in Tabelle 4.1 (Mindestlüftungsquerschnitte) einen Hinterlüftungsquerschnitt in der Fläche, an der Traufe und am Pult von ≥ 2 ‰ der dazugehörigen Dachfläche. Daraus errechnen sich bei Sparrenlängen von rund 23,5 m, 470 cm² Hinterlüftung pro laufenden Meter Dach. Die 6 × 8 cm großen Konterlatten liegen alle 70 cm und sichern damit einen Hinterlüftungsquerschnitt von 600 cm²/m, minus anteiligem Konterlattenquerschnitt (1/0,7 × 48 cm²) = 67,2 cm². Es bleibt ein freier Hinterlüftungsquerschnitt von (600 cm² 67,2 cm²) rund 530 cm²/m. Berücksichtigt man die hohe Dachneigung von 42°, kann die Hinterlüftung als überaus großzügig bezeichnet werden. Gleiches gilt für die Hinterlüftungsöffnungen an Traufe und First. An den Traufen sind die rund 20 cm langen Konterlattenüberstände komplett mit Insekten-Schutzgittern belüftet. Am Pultfirst addieren sich die Lüftungsquerschnitte der Flächenlüfter (2 × 18 cm²), der Firstanschluss-Lüfterziegel (160 cm²/m) und der Hinterlüftung des Pultfirstes (ca. 300 cm²/m) zu einem Gesamtlüftungsquerschnitt von rund 500 cm²/m. Der obigen Berechnung liegen die Parameter des für das Badeparadies Schwarzwald verarbeiteten Reformziegel Cosmo 13 zu Grunde. Im Rahmen einer Produktoptimierung wurde dieser Ziegel Anfang 2012 durch den Cosmo 13 S ersetzt. Der neue Reformziegel verfügt als 17. Koramic-Modell im Vergleich zum ehemaligen Cosmo 13 über das integrierte Befestigungssystem Sturmfix, eine optimierte Verfalzung (Regeldachneigung jetzt 25° statt 30°), einen auf fast sieben Zentimeter vergrößerten Verschiebebereich sowie eine größere Deckbreite (12,1 bis 14,9 Dachziegel/m²).
Christian Kriemelmeyer und Gerard Halama
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 09.2012.