Marketing 2012-09-12T00:00:00Z Zünftig oder modern?

Auch heute mögen es viele Dachdeckerbetriebe bei ihrer Kleidung traditionell,setzen auf klassische Cordkleidung mit Zunftcharakter. Daneben haben sich längst neue Gewebe etabliert.Wir vergleichen die Vorzüge der Materialien.

Schön zünftig in schwarzem Cord. So sieht Dachdeckermeister Toni Hübner sich und sein Team am liebsten. Der Profi aus Rheinzabern im südpfälzischen Landkreis Germersheim zeigt sich traditionsbewusst. "Immerhin ist es ein altes Handwerk. Und darauf sind wir stolz." Auch wenn der Meisterbetrieb sich den neuen Anforderungen im Dachdeckerhandwerk gerne stellt, heute auch Photovoltaik oder Dachbegrünung zu seinem Leistungsspektrum gehören bei seinem Outfit mag es Hübner lieber klassisch. Und legt dabei großen Wert auf das ordentliche und saubere Aussehen seiner 10 Mitarbeiter, darunter auch ein Auszubildender. "Der gute Auftritt vor dem Kunden und eine einheitliche Kleidung sind für mich sehr wichtig", so Toni Hübner. Eine Einstellung, die in jüngster Zeit immer mehr Betriebe teilen. "Das gesamte Team soll stets ordentlich und sauber aussehen, es hat ja viel Kundenkontakt. Und es soll vor allem auf den ersten Blick zu erkennen sein, dass wir Dachhandwerker sind. Und keine Elektriker oder Monteure. Das ist ein wichtiger Grund, warum ich mich für die klassische schwarze Cordkleidung entschieden habe. Die repräsentiert unser Handwerk eindeutig auf den ersten Blick - und das finden wir hier alle gut."

Zunftkleidung - und der gute alte Cord

Hinter dieser Vorliebe steckt eine lange Geschichte. Der Weg der Zünfte als Interessenvertretungen des Handwerks reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die Historie des Handwerks in Deutschland ist geprägt von Zusammenschlüssen, Zünften, Gilden und Innungen. Ausdruck der Zusammengehörigkeit waren Wappen und Fahnen - und immer auch die Berufsbekleidung. Obwohl die Zünfte heute längst durch Innungen ersetzt sind, ist die alte Handwerkstradition - insbesondere auch der Dachdecker - hierzulande weiterhin sehr lebendig. So hat (fast) jedes Gewerbe seine eigenen Farben und Zeichen durch die Jahrhunderte gerettet und dabei steht die schwarze Zunftbekleidung auch heute noch für Holz verarbeitende Berufe. Das Material der Kluft? Natürlich Cord. Dabei war dieser Stoff noch im 18. Jahrhundert einzig etwas für die Reichen. Doch die französischen Landarbeiter benötigten ebenso wie die englischen Bergwerkarbeiter anstelle von repräsentativer Zunftbekleidung einen besonders strapazierfähigen Stoff, etwas Handfestes, Raues. So wurde auf den Webstühlen bald ein stabiler Cord mit 3-fach gezwirnten Kettfäden hergestellt, der äußerst reißfest war.

Solche Zunfthosen aus robustem Cord vermittelten dem Träger Schutz und das tun sie bis heute. Toni Hübner: "Wir schätzen nicht nur, dass unsere Hosen zeitlos aussehen, sondern auch, dass sie durch das Material sehr robust sind. Die halten bei der Arbeit auf dem Dach einiges aus, schützen uns gegen Hitze und Kälte. Dazu gibt es noch die passende Weste. Mit dem aufgestickten Firmenlogo und dem Innungszeichen verbindet das hervorragend unser traditionelles Handwerk mit einem modernen Auftritt." Gut findet der Dachprofi auch die zeitgemäßen Details. "Auch hier gibt es ja moderne Kniepolstertaschen mit Haftverschluss. Das erleichtert uns die Arbeit auf den Knien."

Moderne Multifunktionskleidung kann mehr

Die physikalischen Eigenschaften moderner Berufskleidung kann das Material Cord heute allerdings kaum erreichen. "Zeitgemäße Berufskleidung hat viele Funktionen", erläutert Guido Vandervelt, Geschäftsführer der D+W-Service GmbH, einer Tochtergesellschaft des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). "Sie stiftet nicht nur berufliche Identifikation, sondern ist auch Schutzausrüstung und Witterungsschutz - und sie soll gleichzeitig für angenehmen Tragekomfort sorgen. Hier haben die modernen Textilien mit ihren Klimamembranen schon enorme Vorteile gegenüber der traditionellen Berufskleidung."

Silke Vogten

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 18.2012.

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
Newsletter