Markt 2010-03-30T00:00:00Z Zwei passen ins Konzept

Unter den Transportern und Lieferwagen hat DDH den Erdgas-Sprinter von Mercedes Benz und den Ford Tourneo Connect ausgesucht und für einen Fahrbericht unter die Lupe genommen. Gehen Sie mit auf Testfahrt und erfahren Sie auf diesen Seiten, was die beiden Nutzfahrzeuge auszeichnet und was nicht.

Sich alternativ für ein Erdgasfahrzeug zu entscheiden, war lange Zeit kaum zu empfehlen. Das hat sich mittlerweile verändert, denn derzeit sind bereits mehr als die Hälfte der bis 2007 geplanten 1000 Tankstellen errichtet. Zusätzlichen Rückenwind erhalten Erdgasfahrzeuge durch die Feinstaub-Debatte, denn im Gegensatz zu den meisten Selbstzündern kann der ohnehin stark emmissionsreduzierte Gasantrieb auch hier punkten: Ein Russfilter ist nicht erforderlich, weil solche Partikel nicht ins Gewicht fallen. Warum sollte es überhaupt ein Erdgasfahrzeug sein? Tanken zum halben Preis? Vorsicht bei diesem Slogan: Nur bei sehr moderater Fahrweise kann ein gasgetriebener Ottomotor dieser Aussage gerecht werden. Wird Leistung abverlangt, entpuppt sich ein gasgetriebener Ottomotor oftmals als Schluckspecht, wie sich in der Praxis offenbart. Für ein Erdgasfahrzeug sollte man sich zumindest dann entscheiden, wenn ein Marketingkonzept eines umweltbewussten Dachdeckerbetriebes dahinter steht.

Sprinter im sechsten Jahr

Bereits Anfang 2000 zeigte der Mercedes Sprinter mit neuem Front-Design ein zeitgemäßes Erscheinungsbild. Seit diesem Generationswechsel hat sich für den Sprinter-Fahrer eine Menge getan: Vor der ergonomisch gestalteten Armaturenanlage mit Drehzahlmesser hat selbst ein 190 Zentimeter langer Fahrer Platz. Angenehm fällt das kleine Lenkrad auf, das ebenso handlich zu bedienen ist wie die in die Mittelkonsole integrierte Joystick-Schaltung. Vorbei die Zeiten, in denen man beim Sprinter unbeabsichtigt den Rückwärtsgang einlegen konnte, denn zunächst muss eine Sperre manuell betätigt werden. Der Erdgas-Sprinter hat ein Fünf-Gang-Getriebe. ABS und ESP sind serienmäßig.

Zur Motorisierung: Neben einem breiten Angebot an Dieselmotoren gab es alternativ stets einen Ottomotor, der auch die Basis für die NGT-Version bildet (Natural Gas Technologie). und mit erdgasoptimierter Motorsteuerung 95 kW/129 PS leistet. Es ist ein monovalentes Antriebskonzept, das ohne eine Benzinreserve auskommen muss, dafür aber als besonders schadstoffarm eingestuft wird. An Gasvorräten lassen sich mehrere Tanks bei Kasten und Kombi mit mittlerem und langem Radstand im Unterflurbereich anbringen oder bei den Pritschenmodellen seitlich am Rahmen. Zu diesen mindestens 120 Litern Erdgas kann beim Kastenwagen werkseitig noch ein weiterer 80-Liter-Tank stehend vor der Trennwand montiert sein. Das Maximum ist empfehlenswert, denn das bringt die Gesamt-Reichweite je nach Fahrweise über die 250-Kilometer-Distanz. Von der Leistung reicht dieser Erdgasmotor zwar nicht an einen modernen Common-Rail-Diesel heran, doch selbst bei dem kleinen nutzbaren Drehzahlbereich unterhalb von 3200 Umdrehungen kann man passabel unterwegs sein. Für Stadt und Land reicht dies allemal, Autobahnfahrten bei maximal 140 Kilometer pro Stunde werden durch Dröhnen begleitet und zehren merklich an der Gasfüllung.

Ford Tourneo Connect: Flexibel bleiben

Die Markteinführung des Connect richtete sich 2003 eindeutig an die Interessenten aus Handwerk und Handel. Zunächst war nur ein Kastenwagen mit Hochdach und langem Radstand zu haben, denn er vermochte die Distanz zu schließen zwischen dem typischen kleinen Lieferwagen mit etwa drei Kubikmetern an Laderaum und den kompakten Transportern der 2,8-Tonnen-Klasse, die meist ein Plus von weiteren zwei Kubikmetern Fassungsvermögen besitzen. Auch wenn es hier im speziellen um die fünfsitzige Version Tourneo Connect mit Pkw-Zulassung und langem Radstand geht, soll grundsätzlich vermerkt sein, dass der Frachtraum ein Ladevolumen von mindestens 3,5 Kubikmeter erreichen kann. Sogar über vier Kubik können drin sein, wenn der Beifahrer-Spacesitz nach vorne geklappt und die Rückenlehne raumsparend in Richtung Fahrzeugboden abgesenkt wird.

Vorbild-Charakter und Gefahrenquelle

Eine Heckklappe ist nur beim kurzen Radstand verfügbar. Die Flügeltüren der getesteten Langversion mit 180-Grad-Öffnungswinkel weisen zur Überwindung der 90-Grad-Rasterung Drucktasten auf, die Vorbild-Charakter haben. Die Rasterung der Schiebetür dagegen lässt sich ohne Aufwand überwinden und wird bei einem Stellplatz mit Gefälle zur Gefahrenquelle. Optional gibt’s auch eine Schiebetür für die linke Seite. Sowohl Heck- als auch Schiebetüren reichen bis zum Dachansatz und werden durch solide Führungen gehalten. Ist der Tankdeckel geöffnet, begrenzt ein Riegel das Zurückschieben, um eine Kollision zu vermeiden. Der Fahrerarbeitsplatz mutet ein wenig nüchtern an, ist aber recht funktional gestaltet. Das unterstreichen zahlreiche Ablagen bis hin zum Alkoven oberhalb der Stirn. Selbst für eine 190 Zentimeter lange Person gibt es genügend Kopf- und Kniefreiheit. Große Front- und Seitenscheiben sollen die Verwandtschaft zum Ford Transit unterstreichen. Auch die Außenspiegel sind ausreichend dimensioniert, verfehlen jedoch mit den starren Weitwinkelsegmenten ihren Zweck, weil sie nicht jedem das gewünschte Blickfeld widerspiegeln können.

Thomas Dietrich

zuletzt editiert am 24. Februar 2021
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