Gully mit Anstauelement mit Kiesumrandung in einem Gründach (Quelle: Sita)
Auf dem Notentwässerungsposten im Umkehrdach: ein Gully mit Anstauelement (Quelle: Sita)

Flachdach

02. December 2021 | Teilen auf:

Alles im Fluss

Das Gründach als Umkehrdach ist eine gute Alternative um Wasser zu speichern. Wir erläutern, was Sie beim Gefälle wissen müssen. Die exakt definierte Einbauhöhe spielt bei der Notentwässerung eine wichtige Rolle.

Wenn die Klimabedingungen Handlungsbedarf signalisieren, ist Umdenken gefragt. Ein Umkehrdach, bei dem der Dachaufbau, wie der Name schon sagt, umgekehrt ist, empfiehlt sich da als interessante Alternative zum klassischen Warmdach-Aufbau. Die Dämmung, die ein wasserresistentes Material voraussetzt, befindet sich hier oberhalb der Abdichtung, und das macht diese Konstruktion so interessant, aber auch so anspruchsvoll bei der Entwässerung. Bei der Planung und Ausführung der Entwässerungsbauteile für die Haupt- und Notentwässerung sind Besonderheiten zu beachten. 

Das Prinzip Umkehrdach

Ein Umkehrdach kann vieles sein: Eine genutzte Dachfläche, ein Gründach, ein Retentionsdach - immer hat es eine Auflast. Eine Dachterrasse oder ein Gründach, oder eine Kombination aus beiden, erschließt den durch das Gebäude versiegelten Bodenbereich in lichter Höhe neu und wird bepflanzt zu einer grünen Lunge. Immer häufiger finden wir hier genutzte Bereiche, Terrassen oder Urban Gardening. Ein Retentionsdach kann Starkregen zurückhalten und so dazu beitragen, überlastete Kanalisationen zu entlasten. So manche Überflutung im kommunalen Bereich wird so verhindert. Durch die aufliegende Dämmung wird die eigentliche Dachabdichtung geschützt, z. B. vor UV-Exposition, was den Alterungsprozess der Dachabdichtung verlangsamt. Aber wenn ein Feuchtigkeitsschaden auftritt, dann wird er schnell zum Alptraum des Dachdeckers. Die Ursachensuche gestaltet sich schwierig und bedingt oft den Abtrag der Auflast. Daher gelten bei der Ausführung von Abdichtung und Entwässerung höchste Ansprüche.

Hauptentwässerung mal drei

Generell gilt: Wie jedes Flachdach sollte auch ein Umkehrdach mit einem Mindestgefälle von 2 - 3 Prozent ausgeführt werden, um stehendes Wasser möglichst zu vermeiden. Gibt es beim Warmdach nur eine, bis maximal zwei Entwässerungsebenen für die Hauptentwässerung, so sind bei einem Umkehrdach bis zu drei Ebenen zu berücksichtigen. Neben dem Wasser, das oberflächlich über die Auflast in den Gully gelangt, ist auch das Regenwasser auf der Abdichtungslage unterhalb der Dämmung zu beachten - bei einem Gründachaufbau darüber hinaus auch noch der Wassereintrag über die eingebaute Drainageschicht. Um Stauwasser zu vermeiden, ist es wichtig, stets einen ungehinderten Abfluss sicherzustellen. Ein kurzfristiges Überstauen der Wärmedämmplatte gilt gemäß des Kommentars zur DIN 1986-100 als unbedenklich. Langfristiges Überstauen muss durch ein sorgfältig ausgelegtes Entwässerungssystem ausgeschlossen werden.

Die unterste Entwässerungsebene liegt direkt auf der Dachabdichtung. Hier wird das wenigste Wasser abgeführt, primär das, das zwischen den Fugen der Wärmedämmung einsickert. Hier kommt in der Regel ein Flächengully mit passendem Aufstockelement zum Einsatz. Beim Einbau muss zwingend darauf geachtet werden, dass der Dichtring zwischen Gully und Aufstockelement nicht eingebaut wird. Dies ist elementar wichtig, weil ansonsten die Entwässerung auf der Abdichtungslage versperrt ist. Die Gullys der Produktfamilie SitaTrendy eignen sich hervorragend für diesen Einsatzzweck. Wahlweise sind sie sowohl mit einer Wunschanschlussmanschette für die Abdichtungslage, als auch mit einer Schraubflansch-Konstruktion zum Einklemmen des Schutzvlieses am Aufstockelement ausgestattet.

Die zweite Entwässerungsebene befindet sich auf dem Dachvlies, also der Schutzlage zwischen Wärmedämmung und Auflast. Das Oberflächenwasser wird hier von dem Aufstockelement aufgenommen. Bei einem Kiesdach, das - im Vergleich zu einem Gründach - über ein vermindertes Wasserrückhaltevermögen verfügt, wird hier ein Großteil der Regenspende oberhalb des Dämmpaketes über das Aufstockelement in den Gully fließen.

Die dritte Entwässerungsebene liegt oberhalb der Auflast, also auf dem Plattenbelag, der Kiesschüttung oder der Begrünung. Versuche haben gezeigt, dass hier bei Starkregen die höchste Regenmenge abtransportiert wird, vor allen Dingen dann, wenn zum Beispiel die Vegetationsschicht bei Gründachaufbauten schon gesättigt ist. Hier gilt es, den ungehinderten Ablauf in das Entwässerungssystem sicherzustellen. Bei bepflanzten Aufbauten sichern Gründachschächte den freien Ablauf. Um ihre Funktion ungehindert erfüllen zu können, müssen sie stets freigehalten und vor Zuwachsen geschützt werden. 

Ablauf des Regenwassers der Hauptentwässerung auf drei Ebenen: Der senkrechte Gully wird geschützt durch den Gründachschacht. (Quelle: Sita)

Notentwässerung ganz normal

Kein Umkehrdach ohne Notentwässerung. So pragmatisch lassen sich die aktuellen Vorschriften zusammenfassen. Selbstverständlich muss auch hier eine Notentwässerung gemäß DIN 1986-100 ausgeführt werden. Bei einem Umkehrdach, das statisch schon höher belastet ist, ist sie sogar besonders wichtig. Im Fall eines Starkregenereignisses verhindert sie, dass die statischen Reserven der Dachkonstruktion überschritten werden. Und sie vermeidet, dass Regenwasser über Türen und Anschlüsse in das Gebäude gelangt.

Gullys für das Umkehrdach können mit gewünschter Stutzenlänge und wahlweise festen Losflanschhöhen individuell gefertigt werden. (Quelle: Sita)

Nicht zu hoch, nicht zu tief

Die exakt definierte Einbauhöhe spielt bei der Notentwässerung eine wichtige Rolle. Sind die Notabläufe zu niedrig platziert, springen sie auch bei Normalregen an. Dies führt zu einem Tröpfeln der Abläufe, das auf Dauer Spuren an der Fassade hinterlassen kann. Sind sie zu hoch eingesetzt, erhöhen sie die statische Belastung der Dachkonstruktion. Wärmedämm- und Dachaufbauten werden immer anspruchsvoller und immer höher. Anstauelemente müssen heute große Distanzen überbrücken können, um sicherzustellen, dass die Notentwässerung nur dann läuft, wenn dies auch erforderlich ist. Eine passende Problemlösung bringt hier der SitaTurbo Max Umkehrdach mit Anstauring. Sein 200 Millimeter langer Anstauring aus Polyethylen HD überbrückt mühelos jede noch so hohe Auflast. Bauseits kann er flexibel auf die erforderliche Stauhöhe gekürzt werden. Ein optional erhältlicher XPS-Dämmkörper sichert eine schnelle und zügige, aber ebenso saubere Verarbeitung ohne Fehlstellen und Wärmebrücken im Dämmpaket. Mit einer hohen Ablaufleistung im Speiereinsatz macht der robuste Attikagully aus Edelstahl seinem Namen Ehre.

Stauhöhen der Haupt- und Notentwässerung, hier bei einem Warmdach mit Gründachaufbau. (Quelle: Sita)

Grüne Alternative

Jedes Umkehrdach benötigt eine Auflast, um ein Abheben der Dämmplatten durch Windsog zu verhindern. Eine gute Alternative zur handelsüblichen Kiesschüttung ist eine Dachbegrünung, die in manchen Kommunen gezielt gefördert wird. In manchen Städten ist sie ab einer gewissen Dachgröße sogar vorgeschrieben. Angesichts zunehmender Flächenversiegelung avanciert das Gründach zu einer beliebten Variante der „grünen Lunge“

Vorausschauende Berechnung

Zur richtigen Bestimmung der Höhen für die Haupt- als auch die Notentwässerung gilt immer die Oberkante der Auflast - ab hier wird gemessen. Die Einlaufkante der Notentwässerung sollte unterhalb der Schwelle von Türen oder Notausstiegen liegen, um einer Überflutung vorzubeugen. Als Unterkante der Notentwässerung gilt die Oberkante der Wassersäule der Hauptentwässerung. Bei größeren Dachflächen kommt es auf das Zusammenspiel der Gullys an. Die Abstände der Gullys untereinander sollten nicht zu groß sein. Bei einer funktionsgerecht ausgelegten Planung gelten 20 Meter als Maximalabstand von Gully zu Gully. Die Anzahl der zu verbauenden Gullys hängt maßgeblich vom Gebäudestandort und den daraus resultierenden Niederschlagsdaten nach KOSTRA-DWD ab. KOSTRA-DWD steht für „Koordinierte Starkniederschlags-Regionalisierungs-Auswertung des Deutschen Wetterdienstes".

Christian Behr

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 15.2021.

zuletzt editiert am 02.12.2021