Linstow: Der 17. Landesverbandstag der Dachdecker Mecklenburg-Vorpommern präsentierte sich im neuen 2-tägigen Format. Nach der internen MItgliederversammlung gab es am Abend Gelegenheit zum Netzwerken auf dem Begegnungsabend. Eine sehr lebhafte Diskussion über die Demokratie komplettierte die Vorträge der öffentlichen Tagung am nächsten Morgen.
Andreas Knirk, Geschäftsführer des LIV Mecklenburg-Vorpommern, und Landesinnungsmeister Holger Luks, versprachen nicht zu viel, als sie einen Gastredner der Extraklasse ankündigten. Zuvor gab es Grußreden und Informationen rund um das Gewerk, moderiert von Medienunternehmer Thomas Böhm.
Traditionsgebunden, dennoch innovativ
In seiner Begrüßungsrede blickte Holder Luks auf die momentane politische Lage im Ausland und innerdeutsch. “Wir konsumieren unsere Substanz. Wir sind in der Krise. Wir wollen ein stabiles Land, in dem die Menschen Vertrauen und Zuversicht haben, aber dafür muss dem Abwärtstrend Einhalt geboten werden”, lautete der eindringliche Apell des Landesinnungsmeisters Mecklenburg-Vorpommerns. Wichtig ist die Arbeit eines gut aufgestellten Landesinnungsverbandes, denn die Gespräche mit den politisch Verantwortlichen sind schwieriger geworden. Populismus und mangelnde Verhandlungskompetenzen greifen um sich. Für Bürokratieabbau, steigende Material und Energiekosten und den Fachkräftemangel sind immer noch keine Lösungen in Sicht. Kaum ein Politiker lässt es sich nehmen, das Handwerk als Rückgrat und Seele der Wirtschaft zu bezeichnen, aber keiner weiß wirklich, wo uns der Schuh drückt, rügte Luks. Den Großen, den Aufsichtsräten und Vorstandsvorsitzenden, bedeutet der Verlust von 3000 Arbeitsplätzen nichts, für Dachdecker ist jeder Einzelne wertvoll. Dazu wird es von Jahr zu Jahr schwieriger geeignete Azubis zu finden, der Grund ist gesellschaftspolitisch verankert. Es sind keine notwendigen Grundkenntnisse in Deutsch und Mathematik vorhanden, ebenso wenig Leistungsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit. “Eine nachhaltige Verbesserung der gesellschaftspolitischen Entwicklung nur möglich, wenn notwendige Werte wieder vermittelt werden. "Wir müssen alles daransetzen, unser Handwerk und den Landesinnungsverband weiterzuentwickeln und zukunftsfähig machen. Wir müssen das Alleinstellungsmerkmal der dualen Ausbildung hervorstellen, das ist etwas ganz Besonderes”, appellierte Luks.
Gestiegene Ausbildungzahlen
ZVDH-Vizepräsident Jan Voges begann märchenhaft mit der Fabel vom Bären und vom Hasen. Die Moral: Je höher die Anforderungen und der Druck, desto wichtiger ist es aktiv zu sein. “Wenn Du in Aktion bist, bestimmst Du, wie es weitergeht”, resümierte Voges. Dachdecker spielen eine zentrale Rolle in der Energiewende. Die Gesellschaft zeigt eine große Zerrissenheit und muss wieder zusammengefügt werden. “Wir als Klimahandwerker können auch dazu einen großen Beitrag leisten. Ich rede von Energieautarkie und Lebensraumschaffung. Unter alten Dächern wird Wohnraum zum Wäschetrocknen benutzt, aber wir können ihn in exklusiven Wohnraum verwandeln." Aus der Bundesverbandsarbeit konnte Voges Positives vermelden, die gute Arbeit der Tarifkommission und steigende Auszubildendenzahlen. Gleichzeitig stellte Voges aber auch klar, dass in der GenZ Effektivität und Effizienz verloren gehen, da sie eine ganz andere Einstellung zur Arbeit haben als die Babyboomer. Jedoch muss das Image des Handwerks immer noch deutlich aufpoliert werden. “Es macht mich wütend, wenn eine Lehrerin zu meinem Sohn sagt, wenn Du DD wirst, schmeißt Du Dein Leben weg”. Eltern und Lehrer müssen ins Mitarbeiter-Marketing einbezogen werden.
Volksentscheid für Zufriedenheit
Mehrfach musste Mathias Brodkorb aufgrund der politischen Lage Änderungen an seinem Vortrag “Die Axt am Fundament der Demokratie?” vornehmen, wie der Ex-Minister und Publizist eingangs erklärte. “Ich werde keine Kommentare zur Landespolitik machen. Ich werde versuchen, zu erklären warum gerade passiert, was passiert”, machte er direkt deutlich. Es geht am Ende um die Angst der Volksvertreter vor dem Volk, so seine Meinung. Ursache für die Krise der Demokratie ist die Unzufriedenheit mit der Realität der Demokratie. Hier bildet die Differenz zwischen Wunsch und Wirklichtkeit eine Repräsentationslücke. Die Menschen fühlen sich nicht mehr vertreten. In der modernen Demokratie wurden Strukturen zusammen gebunden, die nur funktionieren, wenn die Medien mitspielen, was seit Internet nicht mehr funktioniert. Brodkorb plädierte für Volksentscheide, damit die Wähler mit direktem Mitbestimmungsrecht Entscheidungen beeinflussen können und sich die Politikverdrossenheit verringert.
Die anschließende Diskussionsrunde mit Voges, Luks, Brodkorb und Heiko Karmoll, Schornsteinfeger und Kommunalpolitiker, gestaltete sich sehr lebhaft. Einig waren sich die Teilnehmer, dass – wie Holger Luks formulierte – die Demokratie in einem schlechten Zustand ist, weil der Wählerwille nicht umgesetzt wird. Darüber, ob die von Brodkorb präferierten Volkentscheide Abhilfe am Verdruss der Bevölkerung schaffen, waren die Anwesenden nicht einig. Zustimmung und Applaus erhielt Jan Voges für sein Schlusswort: “Wenn man Dinge verändert, muss man die Verantwortung tragen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass gute Gesinnungen in Trotz umschlagen. Machen Sie es wie der Hase, seien Sie mutig und aktiv.”
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 05.2025.
