Cornelius-Fritz Gradner geht am 01. Juli 2022 in den Ruhestand und blickt als Technischer Leiter des DBZ auf 37 Jahre im und für das Handwerk zurück.
Cornelius-Fritz Gradner geht am 01. Juli 2022 in den Ruhestand und blickt als Technischer Leiter des DBZ auf 37 Jahre im und für das Handwerk zurück. (Quelle: Dachdeckerhandwerk Baden-Württemberg)

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20. June 2022 | Teilen auf:

Aus Freude am Lehren

Cornelius-Fritz Gradner, Technischer Leiter des Dachdecker-Bildungszentrums Baden-Württemberg, blickt auf 37 Jahre im und für das Handwerk zurück.

Eigentlich war alles ganz anders geplant von Cornelius-Fritz Gradner nach seinem Abitur. Als Sohn einer Offiziersfamilie war es geradezu Ehrensache, bei der Bundeswehr eine Offiziersausbildung bis zum Fähnrich zu machen. Handwerk – was ist das?

Nach zwei Jahren bei der Bundeswehr startete Gradner in Köln das Studium der Geowissenschaften bis zum Ersten Staatsexamen. Sein Ziel: Lehramt. Doch erstens kommt es oft anders und zweitens als man denkt. Ein Einstellungsstopp für Lehramtsanwärter machte einen dicken Strich durch die Rechnung. Gut für Cornelius-Fritz Gradner und das Dachdeckerhandwerk, dass er sich über einen guten Freund in den Semesterferien auf den Weg nach „ganz oben“ machen konnte: Die Arbeit bei einem Dachdeckerbetrieb machte Gradner so viel Freude, dass er in Köln den Hörsaal mit der Baustelle tauschte und eine verkürzte Ausbildung als Dachdecker absolvierte. 1988 folgte dann in Mayen der Meistertitel im Dachdeckerhandwerk, fünf Jahre danach im niederbayerischen Landshut der Meisterbrief im Klempnerhandwerk.

Vom Rheinland an den Oberrhein kam Cornelius-Fritz Gradner dann über das Angebot eines Unternehmens für Bausanierungen dazu, eine Niederlassung mit eigener Dachdeckerabteilung in Karlsruhe zu gründen. „Ich bin dabei“, so der feste Entschluss von Gradner. Und damit war er auch gleich in der Dachdecker-Innung Karlsruhe mit dabei. „Hier wird die Dachdecker-Familie noch wirklich gelebt“. Beim Landesverbandstag der Dachdecker BW 1991 in Mannheim fragte ihn der Hauptgeschäftsführer des Landesinnungsverbands, Hans-Dieter Krüger, ob er sich denn vorstellen könnte, ein Dachdecker-Bildungszentrum in Karlsruhe zu gründen? Und ob er sich das vorstellen konnte. Schließlich galt der Lehre schon immer sein Herzblut.

Nach einem halben Jahr „Parallelbetrieb“ in der von ihm gegründeten Niederlassung des Handwerksbetriebs und im DBZ war für Cornelius Fritz Gradner klar: Hier bin ich und hier bleibe ich. Den Kontakt zur „Baustelle“ hat er in den über 30 Jahren im Bildungszentrum nie verloren: „Alte Freundschaften, neue Freundschaften zu Dachdeckern und die Verbindung zur Innung haben den Praxisbezug erhalten und gefördert“, ist sich Gradner sicher. Und dazu kamen mehr als 20 Jahre Engagement in Fachausschüssen wie dem Metallausschuss des ZVDH. Vom Ausbildungsmeister folgte 2005 der nächste Schritt auf der Dachdecker-Leiter zum Technischen Leiter des DBZ, nachdem er im gleichen Jahr die Fortbildung zum Technischen Betriebswirt absolviert hatte. Nach mehr als einer Generation Alltag mit dem Nachwuchs drängt sich die Frage auf: War die Jugend früher besser? „Haudegen gab es damals und es gibt sie heute“, lacht Gradner. „Die Meldungen aus dem Wohnheim sind eigentlich heute nicht anders als damals“.

„Doch, Moment – zwei Dinge sind tatsächlich anders", korrigiert er sich. Es gäbe jetzt die „digitale Demenz“ – kaum noch jemand kann sich etwas ohne sein Smartphone merken und beim Gang durch das DBZ herrscht Stille: „Alle sind am Daddeln anstatt miteinander zu kommunizieren“. Aber jede Generation hat andere Akzente – deshalb ist die Generation 2022 nicht schlechter als die Generation von vor 30 Jahren. Und – zum Glück  – hat sich noch etwas verändert: Immer mehr Mädchen und Frauen entdecken die Faszination Dachdeckerhandwerk für sich.

Mit welchen drei Argumenten würde der Offizier, Handwerksmeister, Ausbilder und Bildungszentrumsleiter Gradner heute Jugendlichen Appetit auf das Dachdeckerhandwerk machen? Da muss er nicht lange überlegen. „Das abwechslungsreichste Handwerk, die nahezu unbegrenzten Aufstiegsmöglichkeiten und mit dem Engagement für und in der Innung die Chance, ein Teil einer herzlichen Dachdeckerfamilie zu werden“.

Kommt für Cornelius-Fritz Gradner am 1. Juli 2022 die Ruhe im Ruhestand? „Mit neun Enkeln wird es wohl nie so ganz ruhig werden“, lacht  Gradner der sich künftig verstärkt in der Seelsorge engagiert. „Und wenn ich wirklich mal Ruhe haben will, freue ich mich auf meine alte Heimat im Allgäu und meine Jagdhütte dort“.

zuletzt editiert am 21.06.2022