Die Referenten und Gastgeber des BaukonjunkturMeetings 2023
Die Referenten und Gastgeber des BaukonjunkturMeetings 2023 gaben interessante Perspektiven auf die aktuelle Lage der Baubranche. (Quelle: Heinze GmbH)

News 2023-10-10T09:21:05.566Z BaukonjunkturMeeting: Ausblick auf das Baujahr 2024

Seit 25 Jahren am Puls der Zeit: Das diesjährige Heinze BaukonjunkturMeeting informierte über aktuelle Entwicklungen und gab fundierte Ausblicke auf das „Baujahr“ 2024.

Vom 14. bis zum 19. September 2023 informierten die Marktforschungsexperten der Heinze GmbH im Rahmen des BaukonjunkturMeetings über den Zustand und die Stimmungslage in der Baubranche. Die statistische Basis hierfür bildeten umfassende Befragungen unter Baustoffherstellern, Architekt:innen und Studierenden. Darüber hinaus lieferten Referenten wie Dr. Philipp Deschermeier vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hölker, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel e. V. BDB, sowie Prof. Dr. Udo Mantau, Inhaber und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Infro interessante Einblicke und Perspektiven. Als Experte für demographische Entwicklung und den Wohnungsmarkt richtete Dr. Deschermeier das Augenmerk auf ein zunehmend drängendes Problem. „Das aktuelle Angebot an barriere-reduzierten Wohnungen ist viel zu gering für die schnell alternde Bevölkerung. Nur jede 40. Wohnung in Deutschland entspricht heute diesen Anforderungen. Im Jahr 2035 gehen wir von rund zwei Millionen fehlenden altersgerechten Wohnungen aus“, so Deschermeier. Er fordert Anreize und Förderung: „Die KfW-Förderung speziell für Umbaumaßnahmen sollte verstetigt und ausgebaut und Vergleichbares für den Neubau etabliert werden.“ Darüber, wie solche Forderungen seitens des Baustoff-Fachhandels unterstützt werden, informierte anschließend Michael Hölker vom BDB. Der jährlich in Berlin stattfindende Wohnbautag mit den wichtigsten Vertretern aller Parteien sei dabei ein wichtiger Baustein in der politischen Kommunikations des Verbandes.

Die Zinswende als Zeitenwende im Wohnbau

Dass insbesondere die Zinswende eine Art Zeitenwende in der Baubranche mit fundamental geänderten Rahmenbedingungen eingeläutet, bestätigte auch Volkswirt Prof. Dr. Udo Mantau. „Der Traum von 400.000 fertig gestellten Wohnungen ist ausgeträumt. Der Alptraum von weniger als 200.000 Wohneinheiten wird allerdings auch nicht eintreten. Doch selbst bei einer realisierten Zahl von 300.000 Einheiten bleibt Wohnen in Deutschland ein wachsendes politisches Problem“, so Prof. Mantau. Dennoch gäbe es aus seiner Sicht Faktoren, die optimistisch stimmen: Nachlassende Knappheiten an Vorprodukte und freiwerdende Kapazitäten sorgen für leichte Entspannung.

Genehmigte Wohneinheiten im Wohnbau dargestellt als Statistik
Genehmigte Wohneinheiten im Wohnbau dargestellt als Statistik (Quelle: Heinze GmbH)

Über die sich wandelnden Strukturen speziell im Nichtwohnbau informierte Christopher Kramp von der Heinze Marktforschung. Die Zeiten, in denen vor allem Warenlager und Handelsgebäude die treibende Kraft hinter den Genehmigungszahlen für gewerbliche Bauprojekte waren, sind vorbei. Außerdem sei die Nachfrage nach Verwaltungs- und Bürogebäuden spürbar zurückgegangen, da sich in vielen Branchen Homeoffice durchsetzen konnte. "Eine Ausnahme bildet hier noch der öffentliche Neubau, der Zuwachsraten zu verzeichnen hat.", so Volkswirt Christopher Kramp. Betrachtet man den Hochbau insgesamt, so machen Modernisierungsprojekte aktuell 66 % des Bauvolumens aus. Damit entwickeln sich Neubau- und Modernisierungsvolumen prinzipiell gegensätzlich zueinander. „Eine Entwicklung, die sich 2024 fortsetzen wird.“, berichtet Kramp.

Studie der Heinze Marktforschung zur Modernisierung im Wohnbau
Studie der Heinze Marktforschung zur Modernisierung im Wohnbau (Quelle: Heinze GmbH)

Trübe Aussichten für 2024

Von vielen Teilnehmenden mit Spannung erwartet wurden die Ergebnisse der von der Heinze Marktforschung durchgeführten Hersteller-Befragungen. Hierfür sind zweimal jährlich Führungskräfte aus der Bauindustrie aufgerufen, ihre Geschäftslage für insgesamt vier Quartale im Detail zu bewerten. Das Ergebnis der diesjährigen Befragung: „Die schlechteste Lagebewertung seit Beginn der Umfragen im August 2015“, so Thomas Wagner. „Jeder zweite Hersteller bewertet die aktuelle Lage als schlecht. Noch schlimmer: Nur neun von 100 sehen für diesen Herbst und Winter eine Verbesserung, 52 % gehen sogar von einer Verschlechterung aus. Ein Hauptgrund für die schlechte Stimmung ist die desaströse baukonjunkturelle Lage: 91 % der Entscheider beurteilen diese als schlecht oder sehr schlecht. Und auch hier erwartet die große Mehrheit der Befragten eine weitere Verschlechterung in den kommenden Monaten. Diese Lage spiegelt sich auch in den tatsächlichen Absätzen wider: Zwei Drittel der Befragten klagen über einen Absatzrückgang gegenüber dem Vorjahr – und das in zweistelliger Prozenthöhe! Für 2024 rechnen 44 % der Unternehmen mit weniger Absatz.“

Quelle: Heinze GmbH

Die Bedeutung fundierter Marktkenntnisse nimmt aus Sicht von Thomas Wagner damit weiter zu. „Nicht nur die missliche Lage macht das Wissen um seine Zielgruppen und deren Bedürfnisse besonders wichtig. Auch Aspekte wie die Nutzung verschiedener Social-Media-Kanäle, die Gewinnung von Fachkräften oder der Einsatz Künstlicher Intelligenz stellt die Hersteller vor große Herausforderungen.“ Etwas positiver sehen die befragten Architektinnen und Architekten die Stimmungslage. Fast die Hälfte der 240 befragten Büros bewertet die aktuelle Situation als gut (35 %) oder sehr gut (13 %), immerhin 10 % bewerten sie als mangelhaft beziehungsweise als ungenügend (8 %). Tendenziell sehen die Befragten sich verschlechternde Marktbedingungen, wobei hier insbesondere Bürokratismus und eine zunehmend schwierige Zusammenarbeit mit Bauämtern als Gründe genannt wurden. Von großem Interesse sei auch die Befragung des Architektur- und Bau-Nachwuchses gewesen. Als Hauptmotivation für die Berufs- beziehungsweise Studienwahl wurden der Wunsch nach kreativem Arbeiten und die Verbesserung von Wohn- und Lebensbedingungen genannt. Insbesondere Nachhaltigkeitsaspekte waren für viele Befragte von großer Bedeutung.

zuletzt editiert am 15. November 2023
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