Dachdecker bei der Sanierung (Quelle: DDH)
Dachdecker sollten Hauseigentümer über die zahlreichen Fördermittel informieren. (Quelle: DDH)

Markt

27. January 2022 | Teilen auf:

Experte für Fördermittel

Betrieb: Die derzeitige Förderung der KfW für energieeffiziente Gebäude ist mit sofortiger Wirkung gestoppt. Das Wirtschaftsministerium verspricht eine zügige Neuaufstellung.  Dennoch lohnen sich die bestehenden Sanierungsprogramme, die der Dachdecker kennen sollte.

Die neue Bundesregierung hat angesichts einer Antragsflut und drohender Mehrkosten in Milliardenhöhe staatliche Förderungen für Neubauten gestoppt. Dabei geht es um Programme für mehr Energieeffizienz (Effizienzhaus 55). Begründet wird dies mit einer „Fehlsteuerung“ beim Klimaschutz. „Aktuell fördern wir das Falsche, und dieses Geld fehlt dann bei tatsächlich wirksamen Klimaschutzmaßnahmen, beispielsweise bei der so wichtigen Gebäudesanierung. Das kann nicht so weitergehen“, sagt Energiestaatssekretär Patrick Graichen. Der Stopp löste Proteste der Wohnungswirtschaft aus.

Anfang 2022 stieg die CO2-Bepreisung von 25 auf 30 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2), nach planmäßiger Erhöhung wird der Preis 2025 bei 55 Euro liegen. Darüber hinaus ist mit weiter steigenden Abgaben zu rechnen. Dachdecker sollten sich nun vermehrt darauf konzentrieren, Hauseigentümer hinsichtlich energetischer Sanierungsmaßnahmen zu beraten: Denn die Umstellung auf ein energieeffizienteres Eigenheim schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.

Entlastung durch Steuerbonus §35c EStG

Energetische Sanierungsmaßnahmen durch Fachunternehmen wie Dachdeckerbetriebe lohnen sich derzeit mehr denn je. Hauseigentümer können dabei auf unterschiedliche staatliche Fördermittel zurückgreifen. Seit dem 1. Januar 2020 kann für energetische Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutzten eigenen Wohngebäuden der Steuerbonus nach §35c EStG in Anspruch genommen werden. Dieser Bonus gilt für Baumaßnahmen, die nach dem 31. Dezember 2019 begonnen haben und bis zum 1. Januar 2030 abgeschlossen sind. Gewährt wird der Steuerbonus nur bei Gebäuden, die zum Zeitpunkt der Sanierungsmaßnahmen mindestens 10 Jahre alt sind. Für die energetische Sanierung ihrer Immobilie können die Hauseigentümer eine Förderung in Höhe von 20 % erhalten. Für den Steuerbonus ist folgende zeitliche Staffelung vorgesehen: In den ersten 2 Jahren können jeweils 7 % der Aufwendungen von der Steuer abgesetzt werden, was eine maximal mögliche Steuerermäßigung von 14.000 Euro ergibt. Im 3. Jahr ist eine Steuerentlastung von 6 % der Aufwendungen, das heißt maximal 12.000 Euro, möglich. Innerhalb dieser 3 Jahre können somit maximal 40.000 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Die Steuerentlastung kann erstmals in dem Kalenderjahr beansprucht werden, in dem die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen wurden.

Studie veranschaulicht zusätzliche finanzielle Belastung

Welch wichtige Rolle die Beratung hinsichtlich der energetischen Sanierung in Zukunft spielen wird, verdeutlicht eine neue Studie, welche im Oktober 2021 für das Bundesumweltministerium und das Bundesumweltamt durchgeführt wurde. In ihr wurde ermittelt, welche zusätzliche finanzielle Belastung durch die Nutzung von fossilen Brennstoffen in Zukunft auf Hauseigentümer zukommen könnte, wenn sie ihre Immobilie nicht energieeffizient modernisieren lassen. Veranschaulicht an einem Beispiel heißt dies für Eigentümer eines 150 Quadratmeter großen Altbaus mit einem Verbrauch von 3.000 Litern Heizöl, dass für sie in den nächsten 20 Jahren Mehrkosten in Höhe von 26.000 Euro entstehen. Auch mit einer Gasheizung im Haus lägen die zusätzlichen Kosten durch die CO2-Abgabe noch bei rund 21.000 Euro. Dies haben Fachleute von Zukunft Altbau, einem durch das Umweltministerium Baden-Württemberg geförderten neutralen Marketing- und Informationsprogramm, errechnet.

Hoher staatlicher Zuschuss für Photovoltaikanlagen möglich

Das Informationsprogramm Zukunft Altbau weist darauf hin, dass Hauseigentümer, die im Zuge der energetischen Sanierung eine Photovoltaikanlage auf dem Dach errichten lassen, einen staatlichen Zuschuss von bis zu 50 % erhalten können. Grundlage hierfür ist die im Juli 2021 in Kraft getretene zweite Stufe der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Sie stellt eine attraktive Alternative zur Einspeisevergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) da. Um die BEG für die Errichtung einer Photovoltaikanlage in Anspruch nehmen zu können, muss durch die Sanierungsmaßnahmen ein bestimmter energetischer Standard des Wohngebäudes erreicht werden. Einzelne Maßnahmen reichen im Normalfall nicht aus. Außerdem kann nur eine der beiden Förderungen beantragt werden. Entscheiden sich Hauseigentümer für die BEG, fällt dadurch die monatliche Einspeisevergütung durch das EEG weg. Gerade bei diesen Entscheidungen ist die Beratung durch einen Experten wichtig.

Überblick behalten im Fördermittel-Dschungel 

Neben der BEG können Hauseigentümer auch auf weitere staatliche Fördermittel für energetische Sanierungsmaßnahmen zurückgreifen. Welche Fördermittel zu den Sanierungsmaßnahmen eines Hauseigentümers passen, sollte in jedem Fall individuell und in Abstimmung mit einem Fachunternehmen entschieden werden. Dafür ist es wichtig, den Überblick über die derzeit vom Staat angebotenen Fördermittel zu behalten. Im Folgenden wurden die wichtigsten Punkte zu den einzelnen Förderungen für energetische Sanierungsmaßnahmen, der Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM), dem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) und dem KfW-Programm 262 zusammengefasst.

  • Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM)
    Förderfähig sind alle Maßnahmen, die die Energieeffizienz eines Gebäudes verbessern. Zuschüsse für förderfähige Einzelmaßnahmen können seit dem 1. Januar 2021 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Gewährt wird beispielsweise ein Zuschuss von 20 Prozent für Maßnahmen an der Gebäudehülle. Wie hoch der Zuschuss letztendlich ausfällt, ist davon abhängig, wie energieeffizient die Immobilie nach der Sanierung ist und wie hoch die förderfähigen Kosten sind. Wird eine Effizienzhaus-Stufe erreicht, fördert der Staat die Sanierungsmaßnahmen bis zu einer Höhe von 120.000 Euro förderfähigen Kosten. Diese können maximal auf 150.000 Euro steigen, wenn die Immobilie zusätzlich die Kriterien für eine Erneuerbare-Energien-Klasse erreicht. Der maximale Zuschussbetrag für ein Effizienzhaus liegt damit bei 75.000 Euro, das heißt 50 % der förderfähigen Kosten. Die Auszahlung der Förderung erfolgt erst nach der Fertigstellung der Sanierungen. Um die Förderung in Anspruch nehmen zu können, wird ein Mindestalter von 5 Jahren des zu sanierenden Gebäudes vorausgesetzt. Zusätzlich muss ein Energieberater mit der Überprüfung der geplanten Maßnahmen beauftragt werden. Der Antrag für den Zuschuss muss vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen beim BAFA beantragt werden.
  • Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)
    Das iSFP ist ein softwaregeschütztes Tool, welches Hauseigentümern einen konkreten, maßgeschneiderten Überblick über die Sanierungsschritte im Gebäude gibt. Unter anderem werden darin die Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien, die dafür notwendigen Investitionen sowie Heizkosten- und CO2-Einsparungen ausgewiesen. Hauseigentümer, die eine empfohlene Sanierungsmaßnahme aus dem individuellen Sanierungsfahrplan innerhalb von 15 Jahren umsetzen, können zusätzlich zum normalen Zuschuss des BAFA einen Bonus in Höhe von 5 % erhalten.
  • KfW 262 – Kredite und Tilgungszuschüsse
    Das Programm umfasst die Durchführung von Einzelmaßnahmen am Gebäude, die zu weniger Energieverbrauch führen, wie beispielsweise eine bessere Wärmedämmung des Dachs. Immobilienbesitzer können bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Kredite und hohe Tilgungszuschüsse für diese Sanierungsmaßnahmen erhalten. Hauseigentümer werden mit einem Kredit bis zu 60.000 Euro pro Kalenderjahr und einem Tilgungszuschuss zwischen 15 und 50 % des Kreditbetrages unterstützt. Auch für die staatliche Unterstützung der KfW wird das Mitwirken eines Energieeffizienz-Experten, der gemeinsam mit den Hauseigentümern das energetische Gesamtkonzept entwickelt und für die Fachplanung zuständig ist, vorausgesetzt. Der Antrag für einen KfW-Kredit muss vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen beantragt werden.
  • Die Bundesregierung plant, die Förderung für besonders effiziente  KfW-40-Häuser und Sanierungen nun doch fortzusetzen. Auch wer preiswert  vermietet, könnte noch Geld erhalten, das ist der Stand Anfang Februar 2022.
  • Zu den Förderprogrammen von Bestandsimmobilien.
zuletzt editiert am 03.02.2022