Porträt: Wie Dacharbeiten aussehen können, sieht man anschaulich beim Instagram-Kanal von Dachdecker Bolz. Auch seinen bisher einzigen Mitarbeiter hat Kevin Bolz über Social Media angelockt. Es läuft beim Dachdeckerbetrieb aus Bonefeld –
aktuell nervt vor allem die Bürokratie.
Auf seiner Website, bolz-dach.de, sieht man Kevin Bolz 2018 noch etwas zurückhaltend, aber stolz seinen Meisterbrief halten. Einige Jahre später sieht das auf Social Media schon ganz anders aus. Auf Instagram zeigt Dachdecker Bolz interessante und gut gemachte „Vorher-Nachher-Bilder“ seiner Baustellen. In vielen Dachdeckerbetrieben betreut ein Team die Social-Media-Kanäle, aber Kevin Bolz macht das alles alleine. „Mir ist es wichtig, meine eigenen Arbeiten zu zeigen, sei es auf der Webseite oder in Social Media. Dabei ist es mein Ziel, alle Generationen zu erreichen und zu zeigen, was alles am Dach möglich ist.“
Unterstützung durch Kurt Krautscheid
2021 war es für Kevin Bolz so weit: Endlich Unternehmer. Nach elf Jahren und anschließend bestandener Meisterprüfung gründete er in Bonefeld seinen eigenen Betrieb, zunächst allein: „Der Start war nicht so stressig, da ich im ersten Jahr die Firma als Nebengewerbe gegründet habe und so ein Jahr Zeit hatte, in die Aufgaben eines Unternehmers hineinzuwachsen.“ Ein weiterer Vorteil war die Unterstützung seines ehemaligen Arbeitgebers, DDM Kurt Krautscheid aus Neustadt/Wied, der ihn bei seinem Vorhaben immer zu 100 Prozent unterstützt hat. „Wir haben heute noch ein super Verhältnis und helfen uns gegenseitig.“
Alles fing in der Garage an
Zum Beispiel auch, als Bolz letztes Jahr einen Arbeitsunfall hatte und ein Neubau anstand. „Das war zum Glück kein Problem“, berichtet Bolz entspannt. Aber natürlich war das für den Jung-Unternehmer erst mal eine Katastrophe. Doch er lässt sich von solchen Rückschlägen nicht unterkriegen. Der Westerwälder ist bodenständig und geerdet. „Ich brauche keine Statussymbole und konzentriere mich lieber auf die wichtigen Dinge im Leben“, lächelt Bolz. Dazu passt, das er vor Jahren seinen Betrieb in einer Garage startete. In rund 30 Quadratmetern werkelt er an den Dach-Details, auf einer Zwischendecke lagern die großen Materialien, unten stehen Tafelschere und die neue Kantbank – Improvisation ist alles.
Eigenen Mitarbeiter online gefunden
Ein Dachdecker-Unternehmen allein zu führen, ist fast unmöglich. Zum Glück hat der Aufsteiger seit Juni 2024 endlich Verstärkung. Es hat etwa zwei Jahre gedauert, aber dann hat es geklappt. Seinen neuen Mitarbeiter hat Bolz tatsächlich über seine Aktivitäten auf Social Media gefunden. „Ihm haben die Arbeiten und Ausführungen gefallen – so sind wir zueinander gekommen. Auf ihn kann ich mich zu 100 Prozent verlassen. Wir legen beide großen Wert auf qualitativ gutes Handwerk“, so Bolz. Wenn sich das gut einspielt, möchte er im nächsten Jahr einen Auszubildenden einstellen.
Auf dem Land funktioniert der Kundenkontakt noch recht gut über persönliche Weiterempfehlungen, doch die Kunden sind anspruchsvoll und wollen gepflegt werden. So lässt der junge Dachdeckermeister sie schon im Vorfeld an der Planung teilhaben: „Wir legen großen Wert auf Persönlichkeit. Ich sehe mir selbst die Baustellen an, bringe Muster mit, erkläre den Kunden die angebotenen Leistungen und wozu die einzelnen Materialien dienen. Mit meinen Lieferanten stimme ich die Liefertermine so ab, dass unser kleines Lager mit der Werkstatt nicht aus allen Nähten platzt. Kleinmaterial kommt zum Lager und Großes direkt an die Baustelle“, berichtet er.
Bei der Materialauswahl und Bestellung ist ihm der Online-Katalog der DEG eine große Hilfe. Dieser stellt Materialstammdaten im Datanorm-Format zur Verfügung. Hier können Dachdecker aus allen Dachartikeln auswählen und mit ihren Kalkulationsprogrammen verknüpfen.
Sechs-Tage-Woche Standard
Aktuell hat Bolz Potenzial und Aufträge für weitere Mitarbeiter, im Grunde sind die Aufträge für 2024 schon alle da. Und wie bei vielen Startups ist bei Bolz die Sechs-Tage-Woche Standard. Oft bleibt nur noch der Sonntag zum Spazieren mit der Freundin oder selten mal eine Ausfahrt mit dem Motorrad. Mittlerweile hat er aber erkannt, dass Freizeit wichtig ist für den Ausgleich und Seelenfrieden. Bolz beschwert sich auch nicht, dafür ist er zu gerne Dachdecker auf der Baustelle. Neben dem Betrieb engagiert er sich auch im Meisterprüfungsausschuss.

Preissprünge erschweren die Kalkulation
Besorgt sieht Bolz immer noch die Preissprünge für Dachmaterialien der letzten Jahre. „Weil vieles teurer wird, gehen auch die großen Aufträge leider zurück.“ Die Kunden sind mit aufwändigen Sanierungen zögerlich: „Es wird viel öfter gefragt, ob man nochmal etwas reparieren kann, obwohl es eigentlich neu gemacht werden müsste – das zeigt mir, dass die Kunden oft immer noch verunsichert sind.“
Leider immer präsent: Zeitmanagement und Bürokratie
Auch für einen Zwei-Mann-Betrieb nimmt die Bürokratie viel Zeit in Anspruch: „Vorschriften, Richtlinien, Arbeitsschutz, Unterlagen für die Behörden – das belastet auch schon mit nur einem Mitarbeiter“, lacht der Dachdeckermeister. Zeitmanagement ist als Kleinbetrieb immer ein Problem – auch wegen des ständigen Wetterwechsels.
In Sachen Digitalisierung setzt Bolz auf verschiedene Programme, die ihm den Alltag erleichtern, wie zum Beispiel Apps für Materialbestände, Zeiterfassung oder Kalkulations-Software. Mit dem Tablet präsentiert er bei Kunden, wie Details aussehen können, und nutzt eine Drohne für Dach-Inspektionen. „Wobei die Aufmaß-Erstellung immer noch auf Papier erfolgt, um sicherzugehen, dass alles da ist, wenn mal die IT ausfällt“, ergänzt er.
Das Ziel: Eyecatcher am Dach
Durch den Klimawandel müssen Dachdecker verstärkt energetische und nachhaltige Maßnahmen anbieten, wie zum Beispiel Solaranlagen, komplexere Dachaufbauten oder Gründächer. Das möchte Bolz künftig auch anbieten. Gut gefallen ihm bisher die Gebäudeintegrierten Solarmodule der Dachziegel-Hersteller – „da sind die Solardachziegel schneller verlegt“. Wichtig ist ihm auf jeden Fall die permanente Weiterbildung, um neue Produkte fachgerecht einzubauen. Dennoch bleiben die klassischen Sanierungen am Dach sein Schwerpunkt. „Für mich gibt es kein bestes Projekt. Alle Projekte haben ihren eigenen Charme und ihre Vielfältigkeit. Wichtig ist, dass es nach Abschluss zum Hingucker wird. Ganz nach dem Motto: Geht nicht gibt es nicht.“