8 Personen, Ausrichter und Referenten des digitalen Dachtages des Dachdeckerverbandes Rheinland Pfalz Quelle: Landesinnungsverband Rheinland-Pfalz
Sichtlich gut gelaunt präsentierten sich die Referenten und Protagonisten des Digitalen Dachtages des Dachdeckerverbandes Rheinland-Pfalz 2021. Quelle: Landesinnungsverband Rheinland-Pfalz

Markt

12. July 2021 | Teilen auf:

Digitaler Dachtag RLP

Hafen Düsseldorf: Die rote Hölle mausert sich zum Eldorado der digitalen Dachdecker-Wissensvermittlung. Die Vertreter des Landesinnungsverbandes Rheinland-Pfalz hatten sich auf den Weg ins Nachbarland gemacht, um ihren Dachtag mit gewohnt hochkarätigen Vorträgen von dort zu streamen.

Landesinnungsmeister Johannes Lauer startete mit der Begrüßung aus der Enke-Hölle, hier ganz besonders Ehren-Landesinnungsmeister Karl-Heinz Stein. Der Vater des Rheinland-Pfälzischen Dachtages Herbert Gärtner, technischer Referent des LIV, verdingte sich erneut als Moderator.

Bushaltestelle außen vor

Digitalprofi Michael Zimmermann, Vizepräsident des ZVDH, begann mit der Bedeutung des Regelwerks für das Tagesgeschäft: „Es reicht heute nicht aus, ein guter Handwerker zu sein, man muss seine Regeln kennen, und zwar besser als die, für die wir unterwegs sind. Das sind 1.690 Seiten Lesespaß und 400 Normen, die zu beachten sind“, sagte Zimmermann. Wenn der Dachdecker sich ans Regelwerk halte, dazu noch an das GEG, könne nichts passieren. So sei auch die Mindestdachneigung nicht verhandelbar, es sei denn, es handelt sich um ein untergeordnetes Gebäude oder eine Bushaltestelle. Zimmermanns Rat: dem Kunden Hinweise oder Regelauszüge an die Hand geben. Ausführungstipps mit Fotos von Beispielen aus der Praxis, z.B. der leicht vertiefte Einbau von Anschlussblechen bei Pfannendächern oder die Ausführung von Zusatzmaßnahmen am Ortgang, rundeten den Vortrag ab.

Digitalprofi Michael Zimmermann: "Ich habe noch kein sechsteiliges Mainzelmännchen für den Korrosionsschutz der Bögen gefunden." Quelle: Screenshot DDH

Hieb und gerade Kante

Enno Tremmel, Regionalvertriebsleiter Süd-West bei Rathscheck, gab Einblicke in die Firmengeschichte und in die Produktionsstätten in Spanien. Man sei gut aufgestellt, allerdings sei der Verlust der eigenen DNA mit Schließung der Bergwerke in Mayen ein großer Wermutstropfen. Der Hersteller verknüpfe nun die Tradition und die Moderne. So habe man Monumentum für historische Bauwerke in altdeutscher Deckung erschaffen: drei verschiedene Hiebe, Steinhöhen im Zentimeterraster, Breitenvarianten bis 7 cm. Die Herstellung erfolge in Spanien, die Kommissionierung in Mayen. Für die Moderne stehe das neue Dachsystem mit geradlinigem rechteckigem Deckbild, so Tremmel. Dazu gab Herbert Gärtner den wichtigen Hinweis, dass zurzeit für diese Ausführung noch eine sondervertragliche Vereinbarung nötig ist, da sie noch nicht in der Fachregel verankert sei. Diese solle der Dachdecker jedoch nicht selbst aufsetzen. „Vielleicht können hier die Rechtsanwälte der Hersteller behilflich sein“, regte der Moderator an.

Abdichtungstechnik vs. Barrierefreiheit

Kein Anschlussprodukt sei für komplexe Geometrien so geeignet wie Flüssigkunststoff und somit natürlich auch für Türanschlüsse, erklärte Tobias Backaus, Dachdeckermeister und B.E. bei Enke. Die Verbindung unterschiedlicher Baustoffe auch bei geringem Arbeitsraum, keine Notwendigkeit von Heißarbeiten, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und farbliche Anpassung seien die Vorteile des Materials. Hierfür biete der Hersteller drei Produktsysteme an, die nur an den zertifizierten Fachhandel und dann an den Fachhandwerker weitergegeben würden. Backaus: „Für uns gibt es keinen Platz im do it your own. Wir bieten den Dachdeckern Schulungen jetzt sehr flexibel digital an. Bitte sprechen Sie uns an.“

Die Mittagspause nutzte der Verband, um mit einem Einspieler die eigene Kampagne „Zukunft Dachdecker“ vorzustellen.

Wieviel Pfütze ist normal?

Herbert Gärtner, Dachdeckermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk, Vorsitzender des Fachausschusses des LIV Rheinland-Pfalz, erklärte, was wirklich im Regelwerk steht bezüglich der Pfützenbildung auf Flachdächern. Stehendes Wasser auf Flachdächern sei üblich und somit normal, stehe geschrieben. Auch sei dort und in der Norm verankert, dass Abläufe alle sechs Monate zu warten seien. Ungünstige Konstruktionen, die nicht immer der Dachdecker zu verantworten habe, seien oft die Ursache. Grundsätzlich solle man natürlich ein Gefälle anstreben, um Pfützen zu vermeiden. Das Regelwerk enthalte absichtlich keine Quantifizierung von Pfützen, bis 5 % Gefälle seien sie aber hinzunehmen. Der durch technische Fehler, etwa beim Einbau von Gullys, verursachte Wasseranstau sei allerdings anders zu bewerten. Ein gewerkeübergreifendes Merkblatt sei zum Thema in Arbeit. „Aber viele Köche brauchen lange, rechnen Sie nicht in Kürze mit der Fertigstellung“, prognostizierte Gärtner abschließend.

Der Vater des Dachtages, Herbert Gärtner, weiß: "Auf 1.000 Besserwisser kommt ein Bessermacher." Quelle: Landesinnungsverband Rheinland-Pfalz

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der neuen Ausgabe DDH 09.2021.