Zwei Entsorgungscontainer mit Restmüll (Quelle: DDH)
Zwei Entsorgungscontainer mit Restmüll (Quelle: DDH)

Arbeitssicherheit

13. December 2021 | Teilen auf:

Was kommt in die Tonne?

Entsorgung: Um die Rückführung von Bauresten zu recyclen, nutzen Dachdecker*innen oft den Service von Dienstleistern. Doch ganz unproblematisch ist die Abwicklung nicht. Wir berichten, was Sie bei der Abgabe und Berechnung beachten müssen.

Fast ein halbes Jahr die Probleme mit HBCD, die Untersuchungen in Sachen Bitumen und Asbest, die gestiegenen Rohstoffpreise und natürlich noch Corona: Viele Dachdecker*innen sind der Meinung, dass die Belastungen, trotz der guten wirtschaftlichen Lage, zunehmen. Und das hat wenig mit der eigentlichen Arbeit zu tun. Vielmehr sind es die permanenten "Störfeuer" von außen. Verordnungen und Dokumentationen fordern die Unternehmer*innen mehr als je zuvor.. Das betrifft auch die Nachweise in Sachen Recycling.
Mitglieder des IVPU, (Industrieverband Polyurethan-Hartschaum) und des IVH (Industrieverband Hartschaums) bieten eine bundesweiten Service für die Rückführung und Entsorgung von Sonderabfall-Resten ab. Diesen Bauabfall sollten Dachdecker*innen fachgerecht entsorgen lassen. Das geht recht einfach über das Online-Portal Ecoservice24.de. Der Unternehmer meldet sich an, kauft im Vorfeld die Säcke, sammelt die Reste, terminiert die Abholung und bezahlt diese im Vorfeld. Im Onlineshop können Dachdecker*innen zudem unterschiedliche Container, Sammelboxen oder Säcke bestellen oder mieten. Durch Wahl der PLZ können die Unternehmer*innen einfach den Kostensatz pro Anfrage ermitteln. So weit, so einfach.
Markus Schaldach kaufte vor einigen Monaten online Säcke, um die Polyurethan Reste des Dachdecker-Unternehmens aus Brandenburg fachgerecht zu entsorgen. "Wir haben uns auf die Menge von 10 cbm eingestellt, um möglichst kostengünstig zu entsorgen", berichtete Geschäftsführer Markus Schaldach. Als er die Rechnung von Ecoservice erhielt, war er über die Kostenexplosion überrascht: Die Kostensteigerung lag bei +367,8%, also absolut Netto +615,63 Euro.

Von Kostenexplosion überrascht

Ecoservice hat den Fehler mittlerweile eingeräumt. "Leider gab es in unserem System eine falsche Programmierung, wodurch zunächst ein wesentlich günstigerer Preis für die Container für PU-Hartschaum-Dämmplatten angegeben wurde. Dies haben wir sofort, nachdem wir es bemerkt haben, korrigiert, was zeitlich mit der ersten Bestellung der Firma Schaldach & Schröter Dachbau GmbH zusammen fiel. Die Firma Schaldach & Schröter Dachbau GmbH hat ihre erste Bestellung daher durch unseren Fehler deutlich unter Marktpreis erhalten. Wir bitte um Entschuldigung, sollte es aber dennoch durch den Vorgang zu Unannehmlichkeiten gekommen sein" sagt Susanne Jagenburg Rechtsanwältin, Pressesprecherin ALBA Group, zu der auch Ecoservice gehört.

Der IVPU ergänzt: "Der IVPU hat einen Rahmenvertrag mit ecoservice24 abgeschlossen. Der Vertrag bestimmt, dass IVPU-Mitglieder und deren Kunden einen Rabatt von 10% auf die im Webportal von ecoservice24 angezeigten Preise erhalten, wenn sie den Rabattcode eingeben. Darüber hinaus baut der IVPU ein Rücknahmesystem auf, um Zuschnittreste von Baustellen einem Recycling zuzuführen. Damit unterstützt der IVPU den Kreislaufgedanken, Die Rücknahme über ecoservice24 ist nach Erfahrung des IVPU in vielen, aber nicht allen Fällen eine kostengünstige Lösung", so Tobias Schellenberger, Geschäftsführer IVPU.

Die Grafik zeigt, welche PUR-Reste wie entsorgt werden dürfen. (Quelle: IVPU)

Vorsicht: Entsorgungspreise variieren je nach Region

Doch mit welchen Kosten müssen die Dachdecker künftig kalkulieren? "Die Preise für unseren Entsorgungsservice variieren nach Region und Verwertungsweg der eingesammelten Materialien. Nicht immer sind die nächsten fachlich geeigneten Verwertungsbetriebe in direkter räumlicher Nähe, weshalb wir mit unterschiedlichen Logistikkosten kalkulieren müssen. Zudem ist das Recyclinggeschäft – wie jedes Rohstoffgeschäft – ein recht volatiles. Die Kunden bestellen immer zum jeweils aktuell kalkulierten Preis, in der Regel ist dieser bis zu einem halben Jahr gültig", betont Jagenburg.

Wächst zusammen, was getrennt gehört

Mario Kunzendorf , Stellvertretender Vorsitzender des ZVDH-Fachausschusses Recycling und Entsorgung (Quelle: Kunzendorf)

Mario Kunzendorf, Obermeister Dachdecker-Innung Oberpfalz/Kreis Kelheim und Stellvertretender Vorsitzenden des ZVDH-Fachausschusses Recycling und Entsorgung fasst die Probleme mit der Entsorgung zusammen: "Es mangelt qualitativ und quantitativ an Verbrennungskapazitäten; qualitativ, weil bspw. Stoffe wie Bitumen oder EPS als Reinfraktionen die Heizlinien von MVA überfordern können – quantitativ, weil Flächen zur Zwischenlagerung und/oder Vermengung in MVA-Bunkern fehlen. Erschwerend hinzu kommt, dass mindestens die öffentlichen MVA sich im Zuge der Energiewende zu den künftigen Basislast-Erzeugern zählen, d.h. die Erzeugung von Strom und Wärme braucht stabile Brennleistungen, was wiederum ggbf. die Heizwert-Auswahl bei den zu verbrennenden Reststoffen beeinflusst.

Es mangelt an einer Einbindung der Herstellerindustrie. Für viele Industriebetriebe scheint das Thema Reststoffe gedanklich noch am eigenen Werkstor zu enden. Es werden Verbundstoffe auf den Markt gebracht, für die es aktuell keine Kreislaufwirtschaft gibt. Praktische Beispiele: Füllen von Ziegeln mit Dämmstoffen, Fertigelemente wie Kunststoff-Dachfenster mit Thermoholzkern und Verbundglas, Fertigelemente wie Autoteile oder Windradflügel mit neuen Fasern wie Carbon – oder neuerdings Zement mit Carbonfasern".

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 16.2021.

zuletzt editiert am 23.12.2021