Mayen: Die Fachtechnische Tagung des ZVDH bündelt das Praxiswissen aus Betrieben, Ausschüssen und Beratung. In diesem Jahr stand das Regelwerk im Mittelpunkt – und die Frage, wie Struktur, Prozesse und digitale Werkzeuge seine Nutzung im Betriebsalltag weiter verbessern können.
Die Entwicklung der Fachregeln im Dachdeckerhandwerk ist Produkt eines lebendigen Austauschs von Fachleuten aus dem Gewerk. Nirgendwo wird das so deutlich wie bei der jährlichen Fachtechnischen Tagung, wenn die Expertinnen und Experten aktuelle Themen diskutieren, Entwicklungen und Neuerungen einordnen und ihre Prozesse auf den Prüfstand stellen. Und wer die Gespräche der diesjährigen Tagung in der Aula des Mayener Bundesbildungszentrums (BBZ) verfolgen konnte, erlebte sie als Resonanzraum für Praxiswissen. Denn die Diskussionen – wie auch die Arbeit in den Ausschüssen des Verbandes – sind wesentlich geprägt von den Erfahrungen beispielsweise aus den fachlichen Beratungsangeboten der verbandlichen Ebenen, auf die organisierte Dachdeckerbetriebe zurückgreifen.

Begrüßt vom gastgebenden Geschäftsführer des BBZ, Rolf Fuhrmann, und ZVDH-Vizepräsident Jan Voges, der die Zuständigkeit für den Bereich Fachtechnik kürzlich übernommen hat, stiegen die Teilnehmenden in das umfangreiche Tagungsprogramm ein. Im Mittelpunkt stand dabei zunächst das Regelwerk als zentrales Ergebnis der kontinuierlichen Arbeit. Die übergreifende Fragestellung: Wie können Struktur, Zusammenarbeit bei der Entstehung neuer Inhalte und Technologie beim Ziel unterstützen, das Regelwerk für alle Dachdecker als nützliches und maßgebliches tägliches Hilfsmittel zu verbessern?
Nachlese Flachdachrichtlinie
Jan Redecker, Geschäftsführer Technik im ZVDH, fasste zunächst rückblickend die wesentlichen Änderungen und Schwerpunkte der neuen Flachdachrichtlinie vor. Im Zentrum: die Anpassungen zum Thema Gefälle, die Überführung barrierefreier Übergänge von Sonder- in Standardkonstruktionen sowie die neuen Abbildungen. Sie dienen zur Erläuterung des Textes, der die eigentliche Regel darstellt. Änderungen an den Abbildungen sind somit zukünftig rein redaktioneller Natur. In der anschließenden Diskussionsrunde wurden aktuelle Fragestellungen aus dem Kreis der Teilnehmenden diskutiert.
Update KI im Regelwerk
Anschließend schilderte Jan Redecker den aktuellen Stand des Projektes „KI im Regelwerk“. Die aktuelle Beta-Version des KI-Fachassistenten wurde der Fachöffentlichkeit zur DACH+HOLZ International 2026 in Köln erstmals präsentiert. Redecker erläuterte, wie Vertreter aus dem Dachdeckerhandwerk in die Entwicklung einbezogen wurden, unter anderem bei einem „Hackathon“, in dem das System ausführlich getestet und Feedback gegeben wurde.
Redecker stellte die weiteren Entwicklungsschritte auf dem Weg zum offiziellen Launch des KI-Fachassistenten vor und appellierte an alle Regelwerk-Nutzer, den Assistenten auszuprobieren und von der integrierten Feedback-Funktion Gebrauch zu machen.
Struktur des Regelwerks
Ergänzend führte Jan Redecker in die Diskussion um die künftige Struktur des Regelwerks ein. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie bestimmte Regelwerksinhalte abgegrenzt und gekennzeichnet und wie Planungshilfen, FAQ und Berechnungshilfen in das Gesamtwerk eingeordnet werden können.
Ebenfalls zur Diskussion gestellt wurde, ob Begriffsdefinitionen zentral, dezentral oder hybrid strukturiert werden sollten. Das Plenum sprach sich für eine grundsätzlich stärkere Abgrenzung von Kern- und ergänzenden Inhalten sowie für eine zentrale Bündelung von Begriffen aus, um eine Verschlankung und bessere Übersichtlichkeit zu erreichen.

Aktuelles zum Arbeitsschutz
Philip Witte, Leiter Messe und Marketing beim ZVDH und Experte für Entsorgung, Recycling, Arbeits- und Umweltschutz, brachte die Teilnehmenden auf den aktuellen Kenntnisstand der Entwicklungen und Neuerungen im Bereich Arbeitsschutz. Dazu gehört die neu erschienene DGUV Information 201-056 „Schutzmaßnahmen gegen Absturz auf Dächern“, die Planungsgrundlagen zur Auswahl von Absturzschutzsystemen auf Dächern zusammenfasst. Grundsätzlich hat die Information einen empfehlenden, nicht bindenden Rechtscharakter, ihre Einhaltung gilt im Zuge eines Unfalls jedoch als Indiz für sicheres Arbeiten.
Zum Thema Asbest gab Witte einen Überblick über die Anpassung der TRGS 519 und zeigte das neue modulare System, das die jeweiligen Rollen der Akteure ins Verhältnis setzt zur Exposition mit dem Gefahrstoff und den erforderlichen Kenntnissen. Dargestellt wurden auch die Themen Probenahme und Berufsgenossenschaftliches Testverfahren (BT-Verfahren).

Sarah Heise, Referentin Technik im ZVDH, erläuterte im Zusammenhang mit der DIN EN 17235 wichtige Aspekte zu dauerhaften Anschlageinrichtungen sowie Sicherheitsdachhaken. Die DIN-Norm ist seit Januar 2025 als europäische Norm veröffentlicht und befindet sich bis Februar 2027 in einer Koexistenzphase, bis dahin sind andere nationale Verwendbarkeitsnachweise weiterhin gültig. Die Akkreditierung der Prüfstellen sowie das Infoblatt zum Umgang mit den neu klassifizierten Produkten stehen noch aus.

Themen aus dem Netzwerk
Tag 2 der Tagung wurde eröffnet von Bernd Redecker, Referent Technik beim ZVDH, mit Themen aus dem Netzwerk, die im Vorfeld aus dem Kreis der Teilnehmenden gesammelt worden waren. Vorgestellt und diskutiert wurden unter anderem die Themen Dachbegrünung auf geneigten und hinterlüfteten Dachkonstruktionen, die Befestigung von Mörtelfirsten, die Einbaudokumentation für Leiterhaken und Sekuranten sowie der Einsatz von Nageldichtbändern bei Unterdächern der Klasse 2.
Netzwerk und Nachweisfreiheit
Bernd Redecker stellte die Vertiefung des Netzwerks Fachtechnik zur Diskussion. Angedacht ist dabei, Community-Aspekte des Netzwerks unter anderem mit Hilfe neuer Kommunikationskanäle wie WhatsApp zu verstärken. Dies soll auch die Geschwindigkeit des Austauschs befördern.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 07. 2026