Photovolaikanlage auf einem Flachdach (Quelle: Pilz/BLB NRW)
Finanzamt Bünde: Steuereinnahmen vom Bürger, Energiegewinn von der Sonne (Quelle: Pilz/BLB NRW)

Flachdach

28. September 2021 | Teilen auf:

Finanzbeamte unter Strom

Photovoltaik: Dachdeckermeister Lars Kammann sanierte das Dach des Finanzamts in Bünde. Eine neue Photovoltaik-Anlage erzeugt Strom, durchdringungsfrei montiert – ohne die Dachbahn zu verletzen.

Die Sonne scheint gleichermaßen auf alle Steuerzahler. Wo sie per Photovoltaik von diesem Potenzial Gebrauch machen, kassiert das Finanzamt normalerweise Einkommens- beziehungsweise Umsatzsteuer auf Solarenergiegewinne. Doch in Bünde produziert das Finanzamt selber Solarstrom. Als krönender Abschluss nach einer Dachsanierung wurde auf dem Flachdach eine Photovoltaikanlage mit 80 Modulen mit einer Gesamtleistung von 27 kWp installiert. Sie deckt rund 90 % des jährlichen Energiebedarfs unter dem Dach ab. Für das Finanzamt Bünde wurde 2013 ein Erweiterungsneubau errichtet, dessen Flachdach mit einer Kunststoffdachbahn abgedichtet und zur Lagesicherung bekiest wurde. Schon im verflixten 7. Jahr der Beziehung zwischen Gebäude und Dachabdichtung kam letztere ihren Pflichten nicht mehr nach. Eine Sanierung stand also an, und diesmal wollte man es richtig machen, das heißt nachhaltig.

Die Kunststoffabdichtung des Daches versagte schon nach sieben Jahren Liegezeit. (Quelle: BMI Icopal)

Gute Grundlage

Die Entscheidung fiel deshalb auf ein bituminöses System und damit auf Sicherheit im System von Grund auf. Die Lars Kammann Dachdecker GmbH aus Bückeburg erhielt den Auftrag zur Sanierung und entfernte als Erstes das defekte Dachschichtenpaket bis auf den Betonuntergrund. Dieser wurde gereinigt und mit dem Elastomerbitumen-Voranstrich Rapid Primer auf die weiteren Arbeitsschritte vorbereitet, so als erstes auf die Verlegung der Dampfsperrbahn. Dafür wählte der Dachdecker eine kombinierte Elastomerbitumen-Dampfsperr- und -Ausgleichsschweißbahn für einschalige, nicht belüftete Dächer mit hoher Beanspruchung.

Die Dampfsperre ist oberseitig mit einem rutschfesten Vlies kaschiert. (Quelle: BMI Icopal)

Gegen Kälte und gegen Feuer

Die Wärmedämmung erfolgte im ersten Schritt mit Flachdach-Dämmplatten aus extrudiertem Polystyrol-Hartschaum in einer Dicke von durchschnittlich 172 mm, aufgebracht mit einem PUR-Klebstoff. Die EPS-Dämmung verfügt über gute Dämmeigenschaften (λ = 0,035 W/mK), ist druckbelastbar (Druckfestigkeitsspannung 150 kPa), formstabil, unverrottbar und schnell zu verarbeiten. Nach der Flachdachrichtlinie wäre ein Mindestgefälle von 2 % erforderlich gewesen. An diesem Objekt wurde mit den gemäß Verlegeplan der BMI Anwendungstechnik vorgeschnittenen Gefälledämmplatten ein Gefälle von 3 % erreicht. Für den energetisch optimalen Abschluss der oberen Gebäudehülle sorgt das 2-in-1-System EPS-Sicherheitsdämmbahn dh/35 mit einer Dicke von 80 mm und einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,3 W/(m²K). Mit einem Klappelement werden 3 m² Dämmung und die erste Abdichtungslage, gleichzeitig Dampfdruckausgleichsschicht, in einem Arbeitsgang verlegt. Die Sicherheitsdämmbahn Polar-EPS dh/35 mit werkseitig aufgebrachter Elastomerbitumenbahn, mit Niveau-Ausgleich im Naht- und Stoßbereich sowie doppelter Sicherheitsnaht gilt schon mit dieser ersten Lage als Behelfsabdichtung.

Drei Arbeitsstadien auf einmal: Dampfsperre, EPS-Dämmung und EPS-Klappbahn (Quelle: BMI Icopal)
Die Oberlage verfügt über eine Brandschutz-Ausrüstung. (Quelle: BMI Icopal)
Auch die Punktentwässerung, die Notüberläufe, Lüftungsdurchdringungen und Kabeldurchführungen wurden komplett im Edelstahl-System ausgeführt. (Quelle: BMI Icopal)

Dank des easywave-Systems konnten die Dachdecker die 80 Module einfach montieren. (Quelle: Pilz/BLB NRW)

Montage ohne Haken

Hier kam ein neues Photovoltaik-System für Flachdächer mit einer maximalen Dachneigung von 5° zum Einsatz, das sich nicht nur durch seine Leistungsfähigkeit auszeichnet, sondern auch durch eine Montage, die das soeben sanierte Dachabdichtungssystem nicht beeinträchtigt. Denn das System PV wird einfach nur auf dem Dach aufgestellt, ohne die Oberlage „anzutasten“. So sind keine Durchdringungen abzudichten. Das Solarsystem ist leicht (nur 11 kg pro m²) und kann ohne Bohren schnell und einfach auf ein Schienensystem montiert werden. Es ist modular aufgebaut, besteht nur aus wenigen Komponenten und ist optimiert auf Flachdachsysteme auf Bitumenbasis. Dachdeckermeister Lars Kammann: „Die Montage war völlig unkompliziert und ging ebenso schnell wie einfach, nämlich ganz ohne Haken und Ösen, ohne Klemmen und Bohren.“

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 12.2021