Ausbildung: Ab November 2026 bietet der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Baden-Württemberg erstmalig einen Klempnermeisterkurs im Bildungszentrum Karlsruhe an. Dachdecker- und Klempnermeister Steffen Kurzer erläutert die Details.
Herr Kurzer, das Dachdecker-Bildungszentrum Karlsruhe bietet erstmals einen Klempnermeisterkurs an. Warum haben Sie sich entschlossen, diese Ausbildung zu starten?
Steffen Kurzer: Die Klempnerei ist ein wesentlicher Teil unserer Dachsanierungen. Gerade bei Dachdeckerbetrieben, die Rinnen, Gauben oder Kaminverwahrungen einbauen, wird immer häufiger ein Klempner benötigt. Gleichzeitig gibt es Probleme: Es werden immer weniger Klempner, und Betriebe berichten oft davon, dass es schwierig ist, Fachkräfte zu finden. Das brachte mich auf die Idee, diese Qualifikation im Haus anzubieten. Damit können unsere Betriebe selbst ihre Fachkräfte ausbilden und gewinnen.
Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dem Kurs an? Gibt es spezielle Anforderungen an die Teilnehmer?
Wir richten uns an Dachdeckermeister und Gesellen, die ihre Fachqualifikation erweitern möchten. Früher mussten Teilnehmer einige Gesellenjahre vorweisen, um sich für die Meisterprüfung anmelden zu können. Heute geht das auch direkt nach der Gesellenprüfung, wobei ich sagen muss: Praktische Erfahrungen als Geselle sind definitiv von Vorteil.
Die Handwerkskammer hat übrigens die Zulassung erweitert, sodass auch Gesellen ohne Dachdeckermeistertitel teilnehmen können, wenn sie die Teile 3 und 4 der Meisterprüfung bereits absolviert haben.
Wie ist der Klempnermeisterkurs strukturiert? Worauf können sich die Teilnehmer einstellen?
Wir haben den Kurs auf 16 Wochen Vollzeit angelegt. Der Ablauf startet mit Theorie: Fachmathematik, Regelwerk und Fachzeichnen. Gerade die ersten vier bis fünf Wochen sind theorielastig, bevor wir in die Praxis übergehen. Hier vermitteln wir die Grundbearbeitungsschritte und steigen langsam in die Dachtechnik ein. Der Kurs ist bewusst auf das Regelwerk des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks ausgerichtet, da dies im direkten Zusammenhang mit der Dachdeckerausbildung steht.
„Wir haben uns bewusst für eine geringe Teilnehmeranzahl entschieden, denn nur in einer kleinen Gruppe ist eine hochwertige und individuelle Ausbildung möglich“.
Steffen Kurzer
Wie viele Teilnehmer planen Sie für den Kurs? Ist die Nachfrage schon spürbar?
Unser Ziel ist es, kleinen Gruppen eine hochwertige und persönliche Ausbildung zu bieten. Wir haben uns auf maximal zwölf Teilnehmer festgelegt. Jetzt, ein Jahr vor dem Start, haben wir bereits die ersten Anmeldungen, und ich bin optimistisch, dass wir die Plätze füllen werden.
Findet der Kurs in der Heinrich Hübsch Schule in Karlsruhe statt?
Nein, der Kurs wird in Karlsruhe in der Bildungsakademie der Bauwirtschaft stattfinden, da unsere reguläre Lehrlingsausbildung und die Dachdeckermeisterkurse weiterhin im Bildungszentrum ablaufen. Wir haben dort eine eigene Halle und einen Lehrsaal organisiert, in denen auch die Prüfungen stattfinden werden. In Zukunft planen wir, alle diese Bereiche zusammenzuführen, aber für den Moment bleibt es getrennt.
Wie viel kostet der Meisterkurs und gibt es Fördermöglichkeiten für Teilnehmer?
Der Kurs kostet 7.950 Euro, wobei zusätzliche Gebühren für die Anmeldung und die Prüfung anfallen. Wer schnell ist und sich bis Ende des Jahres anmeldet, bekommt noch einen Nachlass von 10 Prozent. Ich denke, das ist ein guter Anreiz. Natürlich besteht immer die Möglichkeit, das sogenannte Aufstiegs-BAföG zu beantragen – allerdings gilt dies nur, wenn man sich auf seinen ersten Meistertitel vorbereitet. Für Teilnehmer, die bereits einen Meistertitel haben, etwa als Dachdeckermeister, ist eine Förderung durch BAföG leider nicht mehr möglich.
Was bedeutet der neue Klempnermeisterkurs für Sie persönlich?
Ich musste selbst feststellen, dass diese Qualifikation hier in Baden-Württemberg fehlt. Das war einer der Gründe, warum ich den Stein ins Rollen gebracht habe. Aus diesem Gedanken heraus habe ich selbst den Klempnermeister absolviert und den Kurs geplant. Dank unseres engagierten Teams und der Unterstützung durch Vorstand und Geschäftsführung bin ich zuversichtlich, dass wir den Teilnehmern eine qualitativ hochwertige Ausbildung bieten können.
