Die Grafik zeigt die Entwicklung des Baukonjunktur-Klimas von 2021, untersucht von Heinze. (Quelle: Heinze GmbH)
Entwicklung des Baukonjunktur-Klimas (Quelle: Heinze GmbH)

Markt

07. October 2021 | Teilen auf:

Von Viren und dem Klima in die Zange genommen

Klimawandel, Rohstoffknappheit und Nachhaltigkeit waren die Themen des 23. Baukonjunktur-Meetings.

Das 23. Baukonjunktur-Meeting fand in diesem Jahr erstmals als Hybrid-Veranstaltung statt. Am 22. September gaben die Heinze Marktforscher live in Düsseldorf Einblicke in die derzeitigen Marktentwicklungen der Bauwirtschaft, referierten über die künftigen Herausforderungen – auch hinsichtlich des Themas Klimawandel – und beantworteten Fragen der ca. 30 Teilnehmer vor Ort bzw. ca. 120 Teilnehmer im Netz.

Davor referierten Thomas Wagner, Leiter der Heinze Marktforschung und Christian Blanke, sowie Prof. Dr. Udo Mantau von INFRO, der das Baukonjunktur-Meeting mit Blick auf die aktuellen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen begann, die die Baubranche betreffen: Klimawandel, Rohstoffknappheit, Nachhaltigkeit, Corona-Pandemie und Naturkatastrophen. „Zur Prognose des Marktberichtes gehört heute die Viruskonjunktur ebenso sehr dazu wie die Klimakonjunktur, denn die Baukonjunktur wird - 2 - 0221.004 191106 von den kleinsten Teilchen, den Viren, bis hin zu den größten Faktoren, dem Klima, in die Zange genommen“, so Professor Mantau.

Den Marktbericht 2021 begann Professor Mantau mit den monetären Rahmenbedingungen der Bauherren. Derzeit steigen die Baukosten zwar stärker als die Mietpreise, die Modellrechnung für die monatliche Belastung zur Finanzierung von 250.000 Euro im Basisjahr zeigt aber, dass die sinkenden Zinsen die steigenden Baupreise mehr als kompensieren.

In Zukunft werden sich beide Indikatoren in die gleiche Richtung bewegen und verstärken, während sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt fortsetzen und das Beschäftigungsbarometer kräftig ansteigen wird. Die langfristige Nachfrage wird sich laut der Haushaltsvorausberechnung 2020 und der Fortschreibung des Wohnungsbestandes wie folgt entwickeln: Bei gleichbleibenden demographischen Zahlen, wird sich der Wohnungsmarkt bis 2030 entspannen. In der Tendenz sinken die Zahlen der Bedarfe an Wohnungen unter die Zahl des verfügbaren Wohnbestandes. Die Nachfrage wird also geringer sein als das Angebot. Wenn die Zinsen steigen, wird der Effekt noch verstärkt, dass Investoren ihr Geld lieber auf der Bank sehen als in der Immobilie, also Häuser verkaufen.

Auszug aus der Bauherrenbefragung. (Quelle: Heinze GmbH)

Bedrohung durch Preisentwicklung

„Wir sind in einer tollen Branche. Wir sind besser durch die Krise gekommen als andere. Das hat uns aber auch viel abverlangt.“, weiß Thomas Wagner zu berichten. In seinem Vortrag beleuchtet er die Sicht der Hersteller: 50 % der EntscheiderInnen sind zufrieden mit dem aktuellen Geschäftsjahr, die Note lag im April bei 2,6.

56 % der Managerinnen stufen im ersten Quartal ihre Situation fast so gut wie vor der Pandemie ein. 40 % der Bauprodukt-Hersteller erwarten in diesem Jahr einen höheren Umsatz als im Vorjahr. Mehr als ein Viertel der EntscheiderInnen ist in der Pandemie produktiver geworden. Der Termindruck habe nachgelassen. Trotz gestiegener Arbeitszeit und „Isolation“ im Homeoffice fühlen sich mehr als zwei Drittel der ManagerInnen in der Bauindustrie im „grünen Bereich“. Zudem wollen 29 % der EntscheiderInnen die Produktionskapazität und ein Viertel möchte den Personalbestand erhöhen. Gelitten hat hingegen der persönliche Austausch und das Networking, was bei 37 % der Befragten zu Unzufriedenheit führt. 60 % der ManagerInnen gaben außerdem an, seit der Pandemie weniger Sport zu machen und weniger Zeit für Erholung zu haben. Bedrohlich wirke zudem die Preisentwicklung: 72 % der EntscheiderInnen in der Bauindustrie beurteilten die Preisentwicklung auf dem Beschaffungsmarkt als schlecht ein. Insgesamt erwarten - 8 - 0221.004 191106 Abb. 7: Prioritäten der Hersteller (8 von 12 Kriterien) über 50 % der Hersteller, dass die Geschäftslage unverändert bleibt im vierten Quartal. Ein Viertel rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäftslage und ein Viertel mit einer Verbesserung.