Regelwerk: Frag die KI statt den Ordner: Mit smarter Technik wird die Navigation durch das Dachdecker Regelwerk deutlich einfacher, schneller und sicherer. Marco Remy berichtet, wie der KI-Fachassistent seinen Betrieb nach vorn bringt.
Viele Dachdecker-Betriebe wollen es umsetzen – Marco Remy hat den Schritt zum papierlosen Büro bereits seit drei Jahren vollzogen. Seit 2022 arbeitet sein Team nahezu komplett digital. Statt der altbekannten Baustellenmappen werden sämtliche Baustelleninformationen zentral in einer digitalen Plattform verwaltet. Das Familienunternehmen aus Wesel beschäftigt aktuell 30 Mitarbeiter, darunter sechs Auszubildende. Diese denken und arbeiten ohnehin eher digital. Der papierlose Ansatz erstreckt sich auf alle Bereiche des Betriebs: Von der Planung bis zur Baustelle haben auch die Bauleiter Zugriff auf die digitalen Regelwerke per Smartphones und Tablets.
Schon immer war das Dachdecker-Regelwerk fester Bestandteil des Unternehmens. Die Nutzung erfolgt mittlerweile fast immer online, meist per Handy. „Da kann ich auf der Baustelle noch schnell mal ein paar Daten checken. Wir haben unsere Prozesse so optimiert, dass mittlerweile auch Regelwerksinformationen fast ausschließlich digital abgerufen werden können. Trotzdem steht der Ordner noch bei mir im Büro – für den Fall der Fälle“, berichtet der Dachdeckermeister.
KI-Fachassistent: Startschuss auf der DACH+HOLZ
Dachdecker, die die Online-Anwendung des Regelwerks im Browser nutzen, haben seit rund einem halben Jahr die Möglichkeit, die neu entwickelte KI-Integration (RM Engine) in der BETA-Version zu testen. Sie ermöglicht es, noch einfacher mit dem Regelwerk zu arbeiten: Mit Hilfe eines KI-Assistenten werden konkrete Fragen sofort beantwortet. Die Anwendung entspricht der gängigen Nutzung von Dachdeckern mit Software-Lösungen: Sie möchten schnell zum Ziel kommen. So wie Marco Remy.
Das funktioniert denkbar einfach: Nach dem Login tippt der Dachdeckermeister einfach einen Begriff oben rechts in das Suchfeld. Schon spuckt die Datenbank die gefundenen Ergebnisse aus. Wichtig in diesem Kontext: Als Wissensbasis für die Antworten werden ausschließlich die Inhalte des Regelwerks verwendet. Alle Antworten sind mit Quellenangaben zum Regelwerk versehen. „Ich empfinde es als großen Vorteil, dass wir Dachdecker so ein sicheres System wie den KI-Fachassistenten nutzen können und uns gerade nicht auf irgendwelche Angaben aus öffentlichen KI-Anwendungen verlassen. Denn die Ergebnisse aus Chat-GPT oder Google sind keine sicheren Datenquellen“, betont Remy.
Besonders für Aufgaben, die Detailfragen oder präzise Entscheidungen erfordern, nutzt Marco Remy seit rund einem halben Jahr gezielt den KI-Fachassistenten. Auf der letzten DACH+HOLZ informierte er sich über den aktuellen Stand der Anwendung, seitdem will er diese Hilfe im Dachdecker-Alltag nicht mehr missen: „Zum Beispiel, wenn es um die erforderlichen Zusatzmaßnahmen bei einer Unterschreitung der Regeldachneigung nach den Fachregeln geht: Solche Fragestellungen lassen sich mit dem KI-Fachassistenten schnell und präzise beantworten und beschleunigen den Arbeitsprozess erheblich. Die Screenshots der Antworten werden anschließend in unserer Baustellendokumentation MemoMeister hinterlegt und stehen dort allen Mitarbeitern gezielt für ihre Arbeit zur Verfügung", sagt Remy.
Anwendungsfälle: Attika, Wärmeschutz und Oberlagen
Die Stärke des KI-Fachassistenten zeigt sich bei technischen und normativen Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag. „Eine der Fragen war beispielsweise, welchen Mindestwärmeschutz ich bei einer Attika auf einer waagerechten Fläche aus Stahlbeton einhalten muss und welche Dämmstoffe aus PIR oder PUR ich dafür wählen sollte und warum“, erklärt der 43-Jährige.

Darüber hinaus eignet sich der KI-Fachassistent hervorragend, um innerhalb des umfangreichen Dachdecker-Regelwerks schnell Querverweise zwischen verschiedenen Regelwerksteilen, Merkblättern und Hinweisen zu finden. Gerade bei komplexen Fragestellungen führt die KI gezielt zu den relevanten Regelwerksstellen und Verweisen. Diese schnelle und präzise Navigation durch das Regelwerk spart im Arbeitsalltag wertvolle Zeit. Dafür gibt es dann schon mal einen Daumen hoch, berichtet er.
Perspektive: Zusätzlicher Nutzen für das Team
Der Einsatzbereich des Fachassistenten ist momentan vorwiegend Chefsache, doch das könnte sich im Unternehmen ändern. Aktuell befindet sich die Anwendung in der Beta-Phase. Dennoch sieht Remy die großen Potenziale für eine breitere Nutzung innerhalb seines Teams. „Wenn ich überzeugt bin, dass das System stabil läuft, kann ich es mir gut vorstellen, auch meine Vorarbeiter, Gesellen und Azubis aktiv einzubeziehen. Das könnte die Arbeit für uns alle entlasten“, sagt er.
Obwohl der KI-Fachassistent eine Vielzahl an Vorteilen bietet, sieht Marco Remy noch Raum zur Optimierung. Eine seiner wichtigsten Forderungen: die Einführung einer Sprachsteuerungsfunktion. „Gerade auf der Baustelle mit dem Handy wäre das Gold wert. So könnte man schnell etwas eingeben und direkte Antworten erhalten“, erklärt er.
Lassen Sie Ihre KI nicht unbeaufsichtigt
Remy sieht in der Digitalisierung eine große Chance für das Dachdeckerhandwerk. Die Nutzung von Tools wie dem KI-Fachassistenten im Regelwerk hat nicht nur die Effizienz in seinem Unternehmen gesteigert, sondern auch die Verlässlichkeit wichtiger Informationen verbessert. „Dank des KI-Fachassistenten kann ich schneller reagieren und die Qualität meiner Arbeit verbessern – sei es als Unternehmer oder als Sachverständiger. Aber dennoch gilt für mich immer noch der Satz von ZVDH-GF-Technik Jan Redecker: "Lassen Sie Ihre KI nicht unbeaufsichtigt‘“, resümiert er.