Menschenandrang auf einer Messe
Gut besucht: Das 2. Heinze Klimafestival fand am 23. und 24. November 2023 in Berlin statt. (Quelle: OFFscreen/Ziebe)

News 2023-12-05T09:27:47.342Z Klimafestival-Referent:innen fordern Umstellung des Bausektors

Bestandsbauten erhalten, Abrisse vermeiden und Ressourcen schonen – das waren die Kernbotschaften auf dem diesjährigen Klimafestival für die Bauwende. Rund 3500 Gäste besuchten das 2. Heinze Klimafestival in Berlin.

Unterschiedliche Referent:innen riefen eindringlich dazu auf, den Bausektor umzustellen. „Wir müssen künftig in Bezug auf die eingesetzten Baustoffe mit weniger Material bauen“, erklärte Prof. Dr. Werner Sobek in seinem Vortrag. „Dies bedeute einen maximalen Einsatz von Sekundärbaustoffen“, um transportbedingte Emissionen zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Denn: „Innerhalb von zwei Generationen hat sich unser Ressourcenverbrauch fast vervierfacht“, legte Sobek dar. „Mit weniger Materialaufwand könnten wir bessere und nachhaltigere Lösungen hinbekommen“, sagte auch Dr. Christine Lemaitre in ihrem Vortrag „Gemeinsam für die Bauwende“ zur Eröffnung des Klimafestivals. Die Geschäftsführende Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) sprach sich dafür aus, die derzeit gängigen Systeme zu vereinfachen. Aber: „Nicht jeder will diese Transformation, denn es ist ein gutes Geschäftsmodell, aufwendig zu bauen“. Es gebe eine starke Lobby, die gezielt versuche, das Thema komplex zu halten. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker forderte die Etablierung einer „Klimaaußenpolitik“. „Wir müssen konsequent von fossiler auf erneuerbare Energie umsteigen.“, so von Weizsäcker.

Der italienische Architekt Stefano Boeri zeigte in seinem Vortrag zum Abschluss des Klimafestivals, wie sich Natur und Urbanität durch innovative Architektur vereinen lassen. Sein Konzept des „vertikalen Waldes“ setzt an drei Punkten an: „Städte sind für 75 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich“, führte Boeri aus. „Gleichzeitig sind sie die ersten Opfer des Klimawandels, denn bereits 70 Prozent der Städte leiden an den Folgen, zum Beispiel durch Überhitzung. Durch urbane Begrünung und eine nachhaltige Politik könnten Städte jedoch der wichtigste Motor werden, um den Klimawandel zu bekämpfen. Boeri rechnete vor, dass seine mit Bäumen und Sträuchern begrünten Hochhauskomplexe bis zu 30 Tonnen CO2 im Jahr einsparen, die Biodiversität in Städten fördern und Staubpartikel aus der Luft absorbieren würden. Weltweit gibt es bereits zwölf „Vertical Forest“-Towers, 40 weitere seien in Planung, so Boeri. In Deutschland gebe es entsprechende Planungen für den Standort Göttingen.

zuletzt editiert am 19. Dezember 2023
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