Die Projektpartner am Dach des Standorts in Klagenfurt, wo ein Prüfstand eingerichtet ist.
Die Projektpartner am Dach des Standorts in Klagenfurt, wo ein Prüfstand eingerichtet ist. (Quelle: Gilbert Waldner)

News 2021-04-12T11:46:39.745Z Mit KI zu langlebigen Dächern

Fraunhofer Austria und die FP-Unternehmensgruppe forschen gemeinsam an digitalen Methoden, die Feuchte in Dächern zu messen.

Künstliche Intelligenz erlaubt Prognose

Viele Faktoren beeinflussen, wann die Feuchtigkeit unter dem Dach kritisch wird: Flachdächer reagieren anders auf die Witterung als Steildächer, begrünte Dächer anders als nicht begrünte, Dächer mit Photovoltaikanlagen anders als Dächer ohne solche Anlagen. Durch kontinuierliche Messungen auf ihrem Prüfstand und unter realen Bedingungen via 2.000 Messpunkte in allen relevanten Bereichen unterschiedlichster Dachtypen hat die FP-Unternehmensgruppe nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren Erfahrungen und Messdaten gesammelt. Diese Daten sollen nun systematisch durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Fraunhofer Austria analysiert und mittels Künstlicher Intelligenz zur Diagnose und Prognose verwendet werden. Ziel ist, eine verlässliche Bewertung und eine kontinuierliche Überwachung des Zustands herzustellen, um entscheiden zu können, ob die Feuchtigkeit unter einem Dach schon den kritischen Punkt überschritten hat oder die Dachkonstruktion noch – wie Experten sagen – „rücktrocknen“ kann. Davon hängt dann letztlich ab, ob und wann Sanierungsmaßnahmen nötig sind oder gar ein Abriss des alten Dachs droht.

„Bauen ist immer ein Kampf gegen das Wasser“, erklärt Otmar Petschnig, Geschäftsführer der FP-Unternehmensgruppe. „Im Zweifelsfall hat man bisher immer für den Abriss entschieden, wenn der Verdacht bestand, dass die Feuchtigkeit den Kampf gewonnen haben könnte. Das ist eine unglaubliche Verschwendung. Der Bau ist mittlerweile die Branche, die den meisten Müll erzeugt. Im Fall von Dachkonstruktionen wird leider oft abgerissen, weil man keine objektive Beurteilung kritischer Größen der Feuchtigkeit hatte. In unserem Forschungsprojekt haben wir diese kritischen Größen für alle Dämmmaterialien bestimmt. Sie bilden die Grundlage zu einer messtechnischen und nicht bloß gefühlten Beurteilung des Zustands der Dachkonstruktion sowie ihrer Fähigkeit zur Rücktrocknung. Das spart also nicht nur Kosten, es nützt auch der Umwelt.“

Photovoltaik ohne Risiko

Für all jene, die über die Errichtung einer Photovoltaikanlage nachdenken oder diese bereits installiert haben, sollen die Ergebnisse ebenfalls höchst relevant sein. „In unserem Vorlaufforschungsprojekt hat sich gezeigt, dass auch die Verschattung von Dächern ein großes Problem darstellt. Photovoltaikanlagen führen zu Schatten und dieser zu einem anderen Temperaturverlauf, sodass ein an sich dichtes Dach plötzlich Probleme bekommen kann“, erklärt Otmar Petschnig.

zuletzt editiert am 06. Juli 2021
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