Eine Gruppe von Menschen in traditioneller bayrischer Tracht, die fröhlich in einem festlich beleuchteten Zelt feiern.
Bayern dominierte optisch beim Landesverbandstag in Düsseldorf (Quelle: Dachdecker-Verband Nordrhein)

Markt 2024-10-11T07:05:42.524Z Visionen im Zirkuszelt

Düsseldorf: Im blau-weißen Ambiente fand dieses Mal der Landesverbandstag der Nordrheiner statt. Inhaltlich gab es Anregungen von Karl-Heinz Krawczyk, der seine Handlungsfelder für die Gegenwart und Zukunft der Dachdecker aufzeigte.

In einem neuen Ambiente fand der Landesverbandstag des Dachdecker-Verbandes Nordrhein Anfang September in Düsseldorf statt. Unter dem Motto „Information, Spaß, Geselligkeit“ trafen sich die Dachdeckerinnen und Dachdecker im Zirkuszelt Chapiteau. Der runde Einmaster bot einen schönen Rahmen. Viele Gäste kamen in blau-weißen Farben, was die Stimmung eines kleinen, vorgezogenen Oktoberfestes aufgriff. Dirndl und Lederhosen dominierten das Bild, und auch kulinarisch war Bayern diesmal das Vorbild. Für Unterhaltung, Spiel und Spaß sorgte neben einer Band und DJ der bayrische Jahrmarkt, der mit spannenden Attraktionen lockte.

Mehr Raum für Austausch

Ein Geschäftsmann hält eine Präsentation über Emojis für Unternehmer*innen.
Karl-Heinz Krawczyk beleuchtete anschaulich die aktuellen Herausforderungen der Branche. (Quelle: DDH)

Martin Weihsweiler, Vorsitzender des Dachdecker-Verbands Nordrhein, begrüßte rund 150 Gäste, unter anderem ZVDH-Vizepräsident Michael Zimmermann. Er dankte den Ehrenämtlern, dem Team vom Verband Nordrhein und den Sponsoren des Events. „Wir haben in der Vergangenheit vor allem technische und betriebswirtschaftliche Themen behandelt. Doch Veränderung bedeutet auch, Neues zu wagen und den Austausch zu fördern. Dafür möchten wir euch die passende Plattform bieten“, so Weihsweiler. Statt Vorträge und einer Podiumsdiskussion hatten sich die Nordrheiner inhaltlich für einen Keynote- Speaker aus den eigenen Reihen entschieden: Karl-Heinz Krawczyk, Landesinnungsmeister Baden-Württembergs. Seit Mai hat Krawczyk seinen Dachdeckerbetrieb übergeben und ist nun als Speaker, Podcaster und Coach in der Dachbranche tätig. In seinem Vortrag beleuchtete er anschaulich die aktuellen Herausforderungen der Branche und zeigte auf, welche Schwerpunkte für Unternehmerinnen und Unternehmer wichtig sind. Die von ihm identifizierten Handlungsfelder sind:

Ein Vortrag in einem festlich geschmückten Zelt, gefüllt mit Zuhörern an festlich gedeckten Tischen.
Aufmerksam lauschten die rund 150 Gäste den Ausführungen des Landesinnungsmeisters Baden-Württemberg. (Quelle: DDH)
  • Gesellschaftliche Transformation und politische Zeitenwende
  • Gesunde, ausgeglichene und erfolgreiche Unternehmer
  • Digitaler Wandel
  • Reorganisation der Berufsorganisation

Mut zur Veränderung

Krawczyks Vortrag umfasste Themen wie Preissteigerungen, den Klimawandel und den Fachkräftemangel. „Trotz der stark steigenden Preise und der eingeschränkten Materialverfügbarkeit sind dies immer noch gute Zeiten für uns Unternehmer. Allerdings wird der Neubau zunehmend teurer. Wir als Dachdecker müssen darauf achten, nachhaltiger zu bauen. Natürlich können wir die Welt nicht alleine retten, aber wir können ein Vorbild sein“, betonte er.

Das Nachwuchsproblem sieht Krawczyk auch als teilweise hausgemacht: „Wir können junge Menschen nur gewinnen, wenn wir zeigen, dass Arbeit und Freizeit miteinander vereinbar sind. Dafür brauchen wir eine gewisse Resilienz. Wenn wir selbst gesund und motiviert sind, können wir auch junge Menschen begeistern.“ Zur Work-Life- Balance äußerte er eine klare Meinung: „Die Vier-Tage-Woche funktioniert nur, wenn auch die Chefs sich ab und zu eine Auszeit nehmen. Das mag für viele Betriebsinhaber noch schwer vorstellbar sein, aber es ist machbar.“

Ein farbenfrohes Zelt auf einem Fest mit mehreren Personen, die an einem Wasserspiel teilnehmen.
Bei Haushaut konnten die Gäste auf einer Glasrutschbahn ihr Können testen. (Quelle: Dachdecker-Verband Nordrhein)

Nur wichtige Termine annehmen

Aufschlussreich zeigte der Podcaster auf, dass eine schlanke und effiziente Terminplanung nötig ist, um den Betrieb zukunftssicher aufzustellen: „Es liegt an uns, welche Aufträge wir annehmen. Dabei spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle. Leider gibt es bei Dachdecker-Softwaren noch zu wenige Schnittstellen“, erklärte er. In Sachen Büro-Orga riet er den Gästen: „Habt den Mut, die ständige Flut an Informationen von außen abzuschalten. Das muss man auch den Mitarbeitern vermitteln.“

Zum Thema Ehrenamt und Berufsorganisation zeigte er sich überzeugt: „Wir brauchen eine bessere Aus- und Weiterbildung für das Ehrenamt, am besten eine eigene Ehrenamtsakademie.“ Abschließend berichtete er von seinen positiven Erfahrungen bei der Betriebsübergabe: „Gute Mitarbeiter können sich die besten Betriebe aussuchen, und das gilt auch für Nachfolgerinnen und Nachfolger.“ Martin Weihsweiler ergänzte, dass sich Betriebsübergaben sehr wohl problematisch gestalten können. Beim Thema Vier-Tage-Woche zeigte er einen pragmatischen Ansatz: „Für unsere Mitarbeiter ist es wichtig, dass sie ihren Urlaub flexibel nehmen können. Das ist nicht immer einfach, aber besser als ein ständiges Hin und Her zwischen Vier- und Fünf-Tage-Woche.“

Nach so viel Input gaben Sohn Max und Geschäftsführer Thomas Schmitz dann gemeinsam den Startschuss für die „2. Halbzeit“, bei der die Gäste die Gelegenheit zum ausgiebigen Austausch nutzten. Im Anschluss ging es bei einem Dachdecker-Jahrmarkt um Geschicklichkeit, Spaß und Gewinne. Ob beim Maßkrug schießen, am Nagelbalken, beim Dartwerfen, Hau den Lukas oder dem Büchsenwerfen – die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich zu messen und bei der Sponsoren-Tombola tolle Preise zu gewinnen. Für bleibende Erinnerungen sorgte zudem eine Fotobox. Der gelungene bayerische Abend klang erst nach Mitternacht aus.

zuletzt editiert am 16. Oktober 2024
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