Ein Vortragender spricht vor einem Publikum in einem Konferenzraum.
Ende Januar begrüßte BBZ-Geschäftsführer Rolf Fuhrmann rund 150 Unternehmerinnen und Unternehmer auf der Mayener Meisterwoche 2025. (Quelle: DDH)

Markt 2025-03-05T13:58:35.531Z Ohne Fehlerkultur kein Fortschritt

Mayen: Den Solarausbau weiter vorantreiben, Arbeitssicherheit und Aktuelles aus der Fachtechnik – die Mayener Meisterwoche lieferte wertvollen Input. Außerdem erfuhren die Teilnehmer, dass eine offene Fehlerkultur im Handwerk mittlerweile dazugehört.

Auch wenn das Thema aktuell von anderen Diskussionen überlagert wird – der Ausbau der Solarenergie in Deutschland ist ein Erfolg. Die Zahlen der Bundesnetzagentur belegen dies eindrucksvoll: Der Zubau der Solarleistung lag 2024 bei 16,2 Gigawatt und übertraf damit das Vorjahresniveau erneut. Besonders Dachdecker tragen maßgeblich zu diesem Wachstum bei. Diese zentrale Rolle wurde auch bei der Mayener Meisterwoche deutlich, die sich intensiv mit dem Thema Photovoltaik (PV) befasste.

Nach der Begrüßung durch die Moderatoren Johannes Lauer, Vorsitzender des Berufsbildungswerks des Deutschen Dachdeckerhandwerks, und Artur Wierschem, Ehrenvorsitzender des Vereins ehemaliger Mayener Dachdecker-Fachschüler, gaben ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk und Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx einen Überblick über die aktuellen und künftigen Veröffentlichungen im Dachdeckerhandwerk. Konkret ging es dabei um die digitale Anwenderhilfe zu nachweisfreien Bauteilen, den Leitfaden für Dämmstoffe sowie die Fachregel Reet, das Produktdatenblatt Reet und die Flachdachrichtlinie. Auch eine gemeinsame Verbändeinformation mit dem ZVSHK zum Thema PV auf Metalldächern ist geplant. Außerdem macht der Verband Fortschritte dabei, KI-Anwendungen in das Regelwerk zu implementieren. „Unsere Ziele sind hohe Sicherheitsstandards, die Vermeidung von Halluzinationen und nachvollziehbare Quellenangaben zur Verifizierung von Antworten“, sagte Marx.

Wie die Zusammenarbeit zwischen Gebäude-Energieberatern und Dachdeckern optimiert werden kann, erläuterte Klempnermeister und Gebäude-Energieberater Frank Meyer. Der Dozent am BBZ Mayen verdeutlichte den Sanierungsfahrplan und brachte Klarheit in die Themen Energieausweise und Förderübersichten für effiziente Gebäude. Sein Fazit: „Jeder Gebäude-Energieberater kennt das Handwerk sehr gut, umgekehrt ist das leider nicht der Fall.“

Ein älterer Mann mit Brille und Mikrofon lächelt freundlich in die Kamera.
Führte, gemeinsam mit Johannes Lauer durchs Programm: Artur Wierschem. (Quelle: DDH)

Rechtliche Unterschiede bei PV

„Ich kenne keinen, der die Frage ‚Wer darf PV installieren?‘ besser beantworten kann als Rolf Fuhrmann.“ Mit dieser Empfehlung gab Artur Wierschem am Donnerstagmorgen das Wort an den BBZ-Geschäftsführer und stellvertretenden ZVDH-Hauptgeschäftsführer. Fuhrmann erläuterte die komplexen rechtlichen Unterschiede bei der Installation von Solaranlagen. Der bisherige Abgrenzungsleitfaden von DHKT und DIHK legte fest, dass die reine Montage von Aufdachsystemen ohne Eingriff in die Dach- oder Fassadenkonstruktion nicht als handwerkliche Tätigkeit galt.

Dies führte dazu, dass solche Arbeiten von jedem durchgeführt werden konnten, ohne eine Eintragung in die Handwerksrolle. Nach intensiven Verhandlungen und der Demonstration zahlreicher Schadensfälle konnte der ZVDH erfolgreich Einfluss nehmen – der betreffende Passus wurde gestrichen. Damit fällt die Montage von PV-Anlagen nun in die Zuständigkeit des Dachdecker-, Klempner- und teilweise auch des Zimmererhandwerks.

Ein Mann in einem Anzug gießt Pflanzen während einer Konferenz.
War nicht vortragsrelevant, aber dennoch eine schöne Geste: Michael Zimmermann zeigt die vom BBZ selbst gefertigten Blumenkästen. (Quelle: DDH)

Offene Fehlerkultur gehört dazu

Trotz aktuell guter Ausbildungszahlen ist die Nachwuchssuche für viele Betriebe anspruchsvoll. ZVDH-Vizepräsident Jan Voges hat die nächste Generation der Dachdecker seit Jahren fest im Blick. In seinem Vortrag zeigte er anschaulich, warum ein gezielter Onboarding-Prozess für die Generation Z entscheidend für den Unternehmenserfolg ist. „Gute Kommunikation erfordert eine emotionale Bindung – insbesondere bei der heutigen Jugend, die sich stark auf Selbstverwirklichung fokussiert“, betonte Voges.

Ein Mann mit Hut spricht in ein Mikrofon während einer Versammlung in einem Konferenzraum.
Diskussion erwünscht: Lebhaft begleiteten die Dachdecker die Referenten und Themen. (Quelle: DDH)

Nachhaltigkeit bedeutet – neben ökologischer Verantwortung – auch vorausschauende Planung, insbesondere in Bezug auf die Betriebsnachfolge. Dennoch zögern viele Unternehmer zu lange und finden keinen Nachfolger. Dachdeckermeister Karl-Heinz Krawczyk, der 2024 seinen Betrieb übergeben hat, teilte seine Erfahrungen. „Abgeben können, Zeitpläne machen, Neues wagen – das sind die Werkzeuge für ein positives Mindset“, erklärte Krawczyk. Abschließend stellte er das neue Portal meistersuche24.de vor, das Handwerksbetriebe bei der Nachfolgersuche unterstützt.

Zwei Männer stehen sich in einem Raum gegenüber und führen ein Gespräch.
Jan Voges (links) im Gespräch mit Bernd Redecker. (Quelle: DDH)

Verständnis für die Generation Z

Einen humorvollen Blick auf die Merkmale der verschiedenen Generationen bot Sven Eßwein. „Das Smartphone ist für die Generation Z ein Körperfortsatz im Dauereinsatz. Deshalb erreicht man sie nur dort, wo sie sich ohnehin aufhalten – ob uns das gefällt oder nicht“, betonte der Unternehmensberater.

Ein Mann mit Mikrofon spricht vor Publikum.
Weiß wofür die jeweilige Generation steht und unterhielt die Teilnehmer gekonnt: Sven Eßwein. (Quelle: DDH)

Mit der Installation von PV-Anlagen und Gründächern ist das Dachdeckerhandwerk für junge Menschen interessant. ZVDH-Vizepräsident Michael Zimmermann hob die Bedeutung multifunktionaler Dächer hervor – etwa durch Solaranlagen, temporäre Wasserspeicher und bifaziale Module. „Uns wird die Arbeit nicht ausgehen. Gemeinsam mit den SHK-Betrieben sind wir die Klimahandwerker Nummer 1 – dafür erhalten wir sogar politische Unterstützung. Dennoch sollten wir die Synergieeffekte zwischen Gründächern und Solaranlagen weiter im Blick haben“, forderte Zimmermann.


Die Fortsetzung des Themas Betriebsübergabe übernahm Ulrich Lippe, Berater der HWK Düsseldorf. Er zeigte, das die Betriebsnachfolge eine ganzheitliche Herausforderung ist, erläuterte das Phasenmodell der Nachfolge und wies auf die Risiken sowie rechtlichen Aspekte einer Übergabe hin. „Ein überzeugender Businessplan mit aussagekräftigen Unterlagen ist entscheidend. Einen objektiv richtigen Kaufpreis gibt es allerdings nicht", betonte Lippe. Weitere Infos hierzu auf www.nexxt-change.org/

Zwei Männer stehen nebeneinander bei einer Präsentation. Einer hält ein Tablet in der Hand.
Neues vom Arbeitsschutz präsentierten André Büschkes (links) und Michael Kirsch. (Quelle: DDH)

Keine Cowboys auf der Baustelle 

Den Auftakt zum abschließenden Tag der Meisterwoche bildete das Thema Arbeitsschutz. André Büschkes, ZVDH-Vizepräsident und Mitglied im Vorstand der BG BAU, stellte gemeinsam mit BG BAU-Hauptgeschäftsführer Michael Kirsch aktuelle Kampagnen und neue Daten zum Thema vor. Die konnten nur bedingt zufriedenstellen. Dem positiven Trend sinkender Unfallzahlen in der Bauwirtschaft stehen konstante Zahlen bei Schwer- und Schwerstunfällen gegenüber. Auch verzeichnet das Dachdeckerhandwerk weiterhin circa 50 Todesfälle, häufig durch Abstürze nach innen.

Aktuelles aus der Fachtechnik 

Aktuelles aus der Fachtechnik stellten Jan Redecker, Geschäftsführer Technik, und Bernd Redecker, Referent Technik beim ZVDH, in mehreren Vorträgen vor. Bernd Redecker fasste Aktuelles zu den Themen wasserdichte und regensichere Unterdächer zusammen, stellte Dachneigungen als Gliederungsprinzip für die erforderlichen Zusatzmaßnahmen bei Unterschreiten der Regeldachneigung vor und riet beim Thema Entwässerung dazu, die Herstellerangaben mithilfe des Merkblatts in Bezug auf die jeweilige Baustellensituation zu überprüfen. Es gelte dabei, keine Angst vor Formeln zu haben und zumindest die Plausibilität grob zu überprüfen. Bei Unklarheiten helfe ein Fachingenieur weiter. 

Gut aufgestellt für neue Gefahrstoffverordnung 

Welche Änderungen bringt die neue Gefahrstoffverordnung, die im Dezember 2024 in Kraft trat? Dieser Frage ging ZVDH-Bereichsleiter Messe & Marketing Philip Witte nach, der auch zuständig für den Fachausschuss Arbeitssicherheit ist. Im Mittelpunkt dieser Frage steht für das Dachdeckerhandwerk das Thema Asbest, der sich nicht nur in Asbestzementplatten befindet, sondern auch in alten Bitumenbahnen und Bitumenvoranstrichen, in Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern. 

In seinem Impulsvortrag zum Thema Regensicherheit stellte Jan Redecker die vermeintlich einfache Frage in den Raum, wie sie konkret zu beschreiben sei und wie man sie überprüfen könne.

Klimarelevant und Rohöl-lastig 

Den Abschluss der Mayener Meisterwoche bildete der Vortrag von DDM Michael Schaaf, Dozent am BBZ Mayen. Schaaf ging der Frage nach, wie nachhaltig das Dachdeckerhandwerk baut. Mit der Installation von PV-Anlagen, Wärmedämmungen und Gründächern darf sich das Dachdeckerhandwerk zwar zu den klimarelevanten Gewerken zählen.

Die nächste Mayener Meisterwoche findet vom 27. bis 30. Januar 2026 statt. Zuvor, am 29. August dieses Jahres, feiert das BBZ seinen 100. Geburtstag mit einem großen Tag der offenen Tür.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 03. 2025.

zuletzt editiert am 05. März 2025