Nach einer coronabedingten Pause im vergangenen Jahr hat Anfang März im Harz zum 21. Mal das BFW-Seminar für Führungskräfte im Dachdeckerhandwerk stattgefunden. Und das mit einigen Neuerungen: Außer dem frischen Namen für die Veranstaltung, die bisher Unternehmens-Führungsseminar hieß, hat sich das Berufsförderungswerk des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen und Sachsen-Anhalt e. V. ein neues, zeitgemäßes Branding gegeben.
Die Anmeldung zum Seminar war erstmals online möglich. Und zum ersten Mal wurde der neue BFW-Award verliehen, mit dem besondere Verdienste um das Dachdeckerhandwerk ausgezeichnet werden.

In seiner Begrüßung zeigte sich Rudolf Behr, 1. Vorsitzender des Berufsförderungswerks, besonders erfreut über die 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die trotz der Pandemie ins niedersächsische Bad Lauterberg gekommen waren – deutlich mehr als erwartet. „Dieser Zuspruch freut uns auch deshalb, weil er uns in der Annahme Recht gibt, dass dieses Format wichtig ist und Bedarf für ein Wiedersehen und den Austausch mit Kollegen, Partnern und Freunden besteht“, so Behr. Für die finanzielle Unterstützung bei der Ausrichtung des Seminars dankte er insbesondere den Dachdeckereinkaufsgenossenschaften Ost und Nord-West sowie dem Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen. An der Organisation hatte wieder die Vereinigung ehemaliger Dachdecker-Fachschüler St. Andreasberg e. V. (VESTA) mitgewirkt.
Erste Preisträger des BFW Award sind die Dachdeckermeister Heiner Lüpkemann und Mike Janetzko, die beiden Jugendbeauftragten des Landesinnungsverbandes. In seiner Laudatio hob Obermeister Oliver Dröse, Vorstandsmitglied des BFW, ihre Verdienste um die Gewinnung von Nachwuchs für das Dachdeckerhandwerkt hervor. Insgesamt haben Lüpkemann und Janetzko seit ihrer Bestellung 2014 179 Veranstaltungen besucht und 3575 Stunden darauf verwandt – zusätzlich zu ihrem Beruf. Die Entscheidung, gezielte Nachwuchswerbung auf Berufsmessen und Schulveranstaltungen zu betreiben, sei zu einem Erfolgsmodell geworden, lobte Dröse, und dankte den Jugendbeauftragten für ihr ehrenamtliches Engagement.

Die Vorträge, die das Berufsförderungswerk zusammengestellt hatte, boten ein breites Spektrum an Themen. Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Biermann informierte unter anderem über neue Entwicklungen im Baurecht und über wichtige Unterschiede zwischen Kauf- und Werksvertrag. Sicherheitsingenieur Dr.-Ing. Christian Zentgraf führte die Anwesenden auf neue Wege durch den Gesetzes-„Dschungel“ der Arbeitssicherheit. Im Mittelpunkt standen Arbeitsschutzregelungen, Bestimmungen zu Gefahrstoffen, die neuen Rahmenbedingungen der Abfallentsorgung und Unterweisungen im Zuge der Digitalisierung.
Wie wir in einer Flut von Informationen unsere Entscheidungen am besten im Zusammenspiel von Verstand und Intuition treffen, erklärte anschaulich Prof. Dr. med. Volker Busch. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war für viele der Teilnehmer mit Sicherheit der Vortrag von TV-Moderator, Autor und Schauspieler Ralph Caspers, bekannt aus „Die Sendung mit der Maus“, „Quarks“ und „Wissen macht Ah“. Er zeigte, wie er komplexe Themen so aufbereitet, dass sie für jeden verständlich werden – wertvoller Input für jeden Fachvortrag. Abschließend stellte Michael Zimmermann, Vizepräsident des ZVDH, effiziente Werkzeuge für die Digitalisierung im Dachdeckerhandwerk vor.
Thementische boten in den Pausen des Seminars die Möglichkeit, miteinander über Fragen der Abfallentsorgung, des Arbeitsrechts, der Fachregeln, der Arbeitssicherheit, Gefährdungsbeurteilung und betrieblichen Gesundheitsförderung ins Gespräch zu kommen. Am Ende der anderthalb gemeinsamen Tage empfanden wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die einleitenden Worte von Rudolf Behr nach: wie wichtig es war, dass der „Familienzusammenhalt“ unter den Dachdeckern gestärkt worden war und die „Familie“ sich endlich wiedergesehen hatte.