Seit 25 Jahren treffen sich die Innungsobermeister der Dachdecker aus Niedersachsen und Bremen zum Obermeistertag in St. Andreasberg. Ihr Leitthema hätte nicht aktueller sein können. Der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen (LIV) wird in diesem Jahr 100 Jahre jung. Und seit 25 Jahren lädt er stets im Januar zum Obermeistertag in das Ausbildungszentrum (ABZ) nach St. Andreasberg im Harz. Am 19. und 20. Januar war es wieder soweit. Aus ganz Niedersachsen und Bremen reisten die Innungsobermeister an. Ihr Schwerpunktthema hätte nicht aktueller sein können: Nachhaltigkeit, und das auf verschiedenen Ebenen.
Dass das Leitthema im Dachdeckerhandwerk gelebt wird, zeigt das Engagement in Sachen Nachwuchsgewinnung, -ausbildung und -qualifizierung. Um dieses Engagement Jugendverständlich zu kommunizieren, berufen die Dachdecker ihre Jugendbeauftragten. Die Neue im Amte ist Dachdeckermeisterin Sina Klein aus dem Landkreis Celle. „Ich finde es unfassbar wichtig, den Leuten zu zeigen, wie toll Dachdecker sein kann, und was alles dazu gehört“, sagte sie den Obermeistern in einer Videobotschaft.
Präventive Nachhaltigkeit – Der Fünf-Punkte-Plan gegen Unfälle
Was hat Nachhaltigkeit mit Unfallprävention zu tun? Nun, André Büschkes aus Euskirchen in Nordrhein-Westfalen brachte das als Gastreferent mit einem Fünf-Punkte-Präventions-Plan auf den Punkt. Büschkes ist Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und seit Oktober 2023 ehrenamtlich im Vorstand der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU).
Seine Fünf-Punkte-Präventionszauberformel: Erstens: die Selbstbewertung in den Betrieben, sozusagen die Bestandsaufnahme in Sachen Arbeitsschutz. Zweitens: die Einbindung der Mitarbeiterschaft. „80 Prozent aller Unfälle sind verhaltensbedingt“, so der Referent. Drittens: der ZVDH-Ordner. Es geht um die Planung von Baustellen, Gefährdungspotenzial definieren, Ersthelfer benennen und so weiter. „Standards“, wie er meinte. Viertens: die Unterweisung des Teams in Sachen Sicherung, Anschlagen und Einhaken und so weiter. Und fünftens: Damit eins bis vier in Fleisch und Blut übergehen, müssten sie alle in den Alltag eingebunden werden.
Gelebte Nachhaltigkeit – Das Dach wird zur grünen Lunge
Prävention ist also durchaus nachhaltig. Wie Nachhaltigkeit auf dem Dach aussehen kann, klärte Jörg Ewald in seinem Vortrag. Der Dachdeckermeister aus Hannover lebt das Thema Klimaschutz in aller Konsequenz. Warum also nicht anderen davon erzählen? Bitteschön: Es geht um viel, um Wärmedämmung, Dachbegrünung, Photovoltaik, kurz: Es geht um Klimaschutz auf dem und rund um das Dach. „Klimaschutz ist Menschenschutz“, so der Referent. Und der beginne im Kopf der Menschen. Für die Dachdecker heißt das aus Ewalds Perspektive eine ganzheitliche Weitsicht, beginnend bei der Auswahl der Materialien nach Umweltgesichtspunkten, wie etwa der Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit bis hin zum Fortdenken von Handlungsrichtlinien für Dachdecker. Schnell vom Dach abfließendes Wasser gehöre nicht in die Kanalisation, Gründächer als neue grüne Lunge in den Städten, Dächer, die Wasser auffangen, also Schwammstädte – alles nicht neu, angesichts der sicht- und fühlbaren Folgen des Klimawandels aber überlebenswichtig. Eindringliche Worte. Im September wollen die Dachdecker übrigens ihren Verband feiern.100 Jahre LIV haben auch etwas von Nachhaltigkeit.
