Gewerbekomplex der Superlative: Das neu errichtete Bauwerk in Holzständerbauweise wartet auf einer Fläche von 10.300 m² mit Deutschlands größtem Biodiversitäts-Gründach auf. Foto: Steffen Spitzner
Gewerbekomplex der Superlative: Das neu errichtete Bauwerk in Holzständerbauweise wartet auf einer Fläche von 10.300 m² mit Deutschlands größtem Biodiversitäts-Gründach auf. Foto: Steffen Spitzner

Flachdach

10. March 2021 | Teilen auf:

Objektbau übernimmt Verantwortung

Der zu versiegelnden Fläche beim Bau seiner neuen Lagerhalle mochte der Unternehmer etwas entgegensetzen. Daraus resultierte die größte Biodiversitäts-Grünbedachung in Deutschland, die nicht nur der Artenvielfalt Rechnung trägt.

Für die Lücke Dachpartner GmbH war es trotz der schieren Größe dennoch ein „überschaubares“ Projekt. Im Landkreis Diepholz, an der Ländergrenze zwischen Niedersachsen und NRW, befindet sich die Auburg Quelle. Hier, in der kleinen Landgemeinde Wagenfeld, firmiert nordöstlich von Osnabrück in vierter Familiengeneration ein Mineralbrunnen-Betreiber und Getränke-Fachgroßhändler. Weil das alte Betriebsgelände keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bot, musste für die Errichtung des neuen Logistikzentrums auf den Wietlingswiesen im Naturpark Dümmer der Bebauungsplan geändert werden. Da hierfür eine Fläche von rund einem Hektar zu versiegeln war, stellte der Geschäftsführer Dirk Lütvogt frühzeitig Überlegungen an, wie man einem solchen gravierenden Einschnitt in die Landschaft baulich begegnen kann. Damit war klar, dass das neue Waren- und Vertriebslager nicht in eine konventionelle Blechhalle einziehen konnte. Das beauftragte Fachplanerteam aus Architekten, Zimmerern, Dachdeckern und Gala-Bauern entwickelte einen ganzheitlichen Ansatz, der den Gewerbebau in die Verantwortung genommen hat. Um den bauökologischen Fußabdruck und die graue Energie zu minimieren, wurde das Logistikzentrum mit Hallentragwerk, Gebäudehülle und Bürotrakt als kompletter Holzbau errichtet. Zudem wartet das Bauwerk auf einer Fläche von 10.300 m² mit Deutschlands größtem Biodiversitäts-Gründach auf, das der schwindenden Artenvielfalt entgegenwirkt.

BSH-Tragwerk mit weit spannenden Zangenunterzügen

Der Gewerbekomplex, der in drei Bauabschnitten errichtet wurde, besteht aus zwei (L) 58 m x (B) 77 m x (H) 12 m großen, symmetrisch angeordneten Werkhallen, die mittig von einem 20 m breiten Warenein- und Ausgangszentrum erschlossen werden. Auf die Stahlbeton-Bodenplatte platzierten die Zimmerer 26 Brettschichtholz (BSH) Pendelstützen aus Fichtenholz mit oberseitiger Gabellagerung. Die Verwendung der Pendelstützen ging einher mit dem Einbau zusätzlicher Scheiben und Verbände. So kamen z.B. im Wandbereich Giebelstützen-Druckriegel und 16 weitere Wandverbände aus BSH-Diagonalen zum Einsatz, während im Dachbereich 96 Dachverbände aus BSH-Diagonalen mit 8 Giebelobergurt-Druckriegeln als Einfeldsystem montiert wurden. Die Anschlüsse der Dach- und Wandverbände erfolgten über eingeschlitzte Stahlbleche und Stabdübelverbindungen, sowie mittels Stahlschuhen an die Binder und Unterzüge. Auf die im Wechsel platzierten Stützen aus BSH und Stahlbeton wurden 52 BSH-Satteldachbinder mit geradem Untergurt in den Maßen (H) 1,60 m -1,88 m x (B) 0,24 m x (L) 28 m in einem Abstand von 5,39 m platziert und in den Gabellagerungen über Stahlbolzen befestigt. Der Lastabtrag der in F30 ausgeführten Gesamtkonstruktion erfolgt über die Satteldachbinder und die Unterzüge auf die jeweiligen Außenstützen. Die Aussteifung des Bauwerks erfolgt über die BSH-Dachverbände und die Diagonalen zwischen den Bindern. Ein zentrales Ansinnen der Bauherrschaft war es, die beiden Werkhallen möglichst ohne Hindernisse frei bewirtschaften zu können. Daraus resultierte ein stützenreduzierter Planungsansatz, der sich in Halle 1 und 2 auf nur jeweils zwei Stahlbeton-Innenstützen beschränkte. Dazu zog man holzbaulich je Halle drei blockverklebte, 80 mm überhöhte Zangenunterzüge in den Maßen (H) 2,16 m x (B) 0,40 x (L) 25,50 m ein, die die Dachlasten aufnehmen und in die Stahlbeton-Stützen ableiten.

Marc Wilhelm Lennartz

Den kompletten Beitrag lesen Sie in  DDH 04.2021