Eine detaillierte Luftaufnahme, die ein Wohngebäude mit einem frisch sanierten, modernen schwarzen Dachausbau im Kontrast zu den umliegenden traditionellen Gebäuden zeigt.
Das Gebäude erhielt ein zusätzliches Stockwerk mit einer Fensterfront und ein integriertes Energiedach. (Quelle: Erlus)

Solar 2026-08-28T08:58:19.651Z PV-Haut fürs Dach

Photovoltaik: Nur wenige Schritte von der Leopoldstraße entfernt, entstand auf einem bestehenden Wohn- und Geschäftshaus eine neue Dachebene. Die Bauherren wollten die Aufstockung energetisch nutzen und gleichzeitig die ruhige Dachlandschaft erhalten. Wegen des Ensembleschutzes kam eine klassische Aufdachanlage nicht infrage. Die Lösung war ein Energiedach, das Strom erzeugt und sich zugleich harmonisch in die Dachfläche integriert. 

Für Dachdeckermeister Michael Pesl, Geschäftsführer der Dachdeckerei und Spenglerei Pesl aus München, war vor allem eines entscheidend: Das Dach sollte vollständig aus einer Hand entstehen. „Ausschlaggebend waren die integrierte Optik und die einfache Verarbeitung. Gerade bei nur zehn Grad Dachneigung hat das System sehr gut zum Objekt gepasst und war einfach einzusetzen“, berichtet Pesl. Er ist Innungsmitglied und sein Betrieb übernahm die komplette Dacheindeckung der Münchner Baustelle, einschließlich Photovoltaik. Der Elektriker war anschließend lediglich für die Arbeiten im Gebäude zuständig. Damit blieb die gesamte Dachfunktion in der Kompetenz des Dachdeckers: Regensicherheit, Windsogsicherung, Schneeschutz und Energieerzeugung entstanden in einem durchgängigen Arbeitsprozess. Für Pesl ist genau das ein entscheidender Vorteil moderner Ziegelersatzmodule.

Nahaufnahme von modernen, schwarzen Solarmodulen, die während der Montage auf einem Ziegeldach installiert werden.
Die wasserdichten IP 68 Steckverbindungen werden am Modul eingeklickt (Quelle: Erlus)
Nahaufnahme eines Handwerkers, der ein schwarzes Aluminium-Rahmenprofil präzise ausrichtet und fixiert.
Der „Finger“, ein Windsoghaken am Modul, greift unter den danebenliegenden geklammerten Dachziegel oder unter das nächste Modul. (Quelle: Erlus)
Ein Handwerker verwendet einen Makita-Akkuschrauber, um eine Schraube in den Rahmen eines schwarzen Solarmoduls zu drehen, während er das PV-Element für die Installation vorbereitet.
Schrauben mit konischen Wasserdichtungen fixieren die Module auf den Latten. (Quelle: Erlus)
Nahaufnahme der Hände eines Handwerkers, der bei der Installation einer Solaranlage die elektrische Steckverbindung eines Solarmoduls sicher zusammenfügt.
Die wasserdichten IP 68 Stecker sind leicht zusammenzufügen. (Quelle: Erlus)

Digital geplant

Der Dacheindeckung gingen umfangreiche Holzbauarbeiten voraus. Für die Aufstockung erhielt das Gebäude einen komplett neuen Dachstuhl, den die Zimmerei und Holzbau GmbH Frank aus München digital plante und vorfertigte. Die enge innerstädtische Bebauung stellte alle Beteiligten vor logistische Herausforderungen. Nach einem Laser-3D-Aufmaß wurden die Holzelemente vorgefertigt und anschließend montiert.

Zimmerermeister Stefan Frank setzte den Dachstuhl mit 60 Millimeter starken Holzweichfaserplatten, einer verklebten diffusionsoffenen Unterdeckbahn (UDB eA Klasse 2) sowie Konterlattendichtstreifen gemäß Herstellervorgaben um. Vier Zentimeter starke Konterlatten gehören für ihn ohnehin zum Standard, da sie sowohl die Temperatur der PV-Module als auch die Holzfeuchte der Dachkonstruktion positiv beeinflussen.

Verlegung wie eine klassische Dacheindeckung

Auf den großflächigen Dachbereichen an der Südseite mit nur zehn Grad Dachneigung kam der Dachziegel Level RS von Erlus zum Einsatz. Seine dreifache tiefe Ringverfalzung gewährleistet auch bei flachen Dachneigungen eine regensichere Dachfläche. Für die Stromerzeugung wurde das auf diesen Ziegel abgestimmte Energiedach des Herstellers integriert. Insgesamt verlegte das Team 78 Module auf der südlichen Dachfläche. Sie wurden auf zwei Modulstränge verteilt und fügen sich, eingerahmt von der anthrazitfarbenen Deckung, nahezu unauffällig in das Dachbild ein.


Für Dachdeckermeister Markus Schmelzer unterschied sich die Montage kaum von einer klassischen Dacheindeckung. „Wir haben die Module praktisch wie Dachziegel verlegt“, berichtet Schmelzer. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern vermaß, verlegte und verkabelte er sämtliche 78 Module innerhalb eines Arbeitstages.
Ein Modul ersetzt rund sechseinhalb Dachziegel. Dadurch reduziert sich die Anzahl der zu verlegenden Elemente deutlich. Das spart Zeit auf der Baustelle. Befestigt werden die Module mit den gleichen Sturmklammern wie die Dachziegel sowie mit herkömmlichen Spenglerschrauben. Der im Energiedachmodul integrierte Windsoghaken – der sogenannte „Finger“ – greift unter den benachbarten geklammerten Dachziegel beziehungsweise das nächste Modul und sorgt für eine zusätzliche mechanische Sicherung gegen Windsogkräfte.

Dachdeckung und Photovoltaik als konstruktive Einheit

Jedes Modul wird mit einer Sturmklammer und acht Schrauben befestigt. Die Form des Moduls übernimmt die Geometrie des Dachziegels, also die dreifachen Kopf- und Seitenfalze und den kantigen Abschluss. Dadurch und durch das gehärtete Glas sowie die Aluminiumabschlussleiste erreicht es die geprüfte Regen- und Hagelsicherheit wie die angrenzende Ziegeldeckung. Anders als klassische Indachsysteme übernimmt das Energiedach damit gleichzeitig die Funktion der Dacheindeckung, während es Sonnenenergie in Strom umwandelt. Fachlich spricht man deshalb von einem Ziegelersatzmodul.
Für Markus Schmelzer überzeugte vor allem die handwerkliche Umsetzung. „Das Energiedach ist eine saubere und schöne Lösung. Die durchdachte Konstruktion und die einfache Reihenschaltung der Module haben mich sehr überzeugt.“ Mit einem Modulgewicht von rund zehn Kilogramm, der dreifachen Ringverfalzung, Hagelwiderstandsklasse 4 sowie dem hochwertigen Aluminiumabschluss übernimmt das System nicht nur die Schutzfunktion der Dachdeckung, sondern fügt sich auch optisch in die kantige Gestaltung des Glattziegels ein.

Neue Möglichkeiten für das Dachdeckerhandwerk

Das Münchner Objekt zeigt, wie sich Photovoltaik zunehmend in den klassischen Dachdeckungsprozess integriert. Statt einer nachträglich montierten Solaranlage entsteht eine Dachfläche, bei der Dacheindeckung und Energieerzeugung konstruktiv zusammengehören.
Gerade bei anspruchsvoller Architektur sowie im Umfeld von Ensembleschutz und Denkmalpflege eröffnet dies Dachdeckerbetrieben neue Möglichkeiten. Sie übernehmen nicht nur die regensichere Gebäudehülle, sondern liefern ihren Kunden eine funktionale Dachfläche, die dauerhaft Strom erzeugt und ästhetisch wirkt. Mit dem Energiedach erweitert der Handwerksbetrieb seine Kernkompetenz um einen wichtigen Zukunftsbereich, und das gesamte Dach bleibt in seiner Hand.

Eine Außenaufnahme eines weißen Mehrfamilienhauses in einem Hinterhof bei klarem blauem Himmel, flankiert von weiteren Gebäuden.
So sah das Gebäude vor der Aufstockung aus. (Quelle: Erlus)
Nahaufnahme eines Solarmoduls auf einer Dachkonstruktion, die die Montageverbindung, den schwarzen Rahmen und die Verkabelung des Solarmoduls zeigt.
Modul und Ziegel haben die gleiche Ringverfalzung und Sturmkerben zur Windsogsicherung. (Quelle: Erlus)
Eine Luftaufnahme eines modernen Hausdaches, das teilweise mit effizienten schwarzen Solarmodulen bedeckt ist. Das Dach besteht aus dunkelgrauen Ziegeln und verfügt über integrierte Dachfenster sowie eine Schneefanggitter-Vorrichtung am Rand.
Auch die Unterkonstruktion spielt eine wichtige Rolle. Der Dachstuhl wurde computergestützt vorgefertigt, sodass eine maßgenaue Ebene entstehen konnte. (Quelle: Erlus)
zuletzt editiert am 28. August 2026
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