Tobias Büttgen Rooffox
Tobias Büttgen erklärt einem Besucher die Maschine auf der DACH+HOLZ International. (Quelle: DDH)

Porträts

26. September 2022 | Teilen auf:

Tippen statt Bücken

Erfindung: Für Aufsehen sorgte auf der DACH+HOLZ International Rooffox, eine Maschine, die Dachdeckern die umständliche Schneide-Arbeit auf den Flachdächern abnimmt. Tobias Büttgen hat getüftelt, beraten und gesammelt — seine Ausdauer hat sich gelohnt.

Für Erfinder Tobias Büttgen aus Augsburg war  klar, dass auf der Baustelle etwas fehlt: Eine Maschine, die Bitumenbahnen schneidet — so einfach und so naheliegend. Als Dachdecker kennt Büttgen das Problem rund um die Dachbahnen aus eigener Erfahrung:  Die Bitumenrollen sind schwer (zwischen 30 und 40 kg), im Sommer klebrig, im Winter steif und nicht immer handlich. Und jeder Dachdecker weiß, wie zeitaufwändig das Schneiden der Bitumenenbahnen auf dem Dach ist. Erst muss man die Bahn ausrollen, dann kniet man sich hin, legt den Zollstock an und fängt an, die Bahn auf das gewünschte Maß zu schneiden. "Und jedes Mal muss man die fünf Meter kniend hin und her rutschen. Anschließend muss ich mich mehrmals bücken, um die geschnittenen Stücke aufzuheben", berichtet Büttgen. Dabei geht viel Zeit verloren und der Rücken freut sich auch nicht.
Das wollte der  Dachdecker ändern. "Ich konnte es irgendwann nicht mehr akzeptieren, dass trotz zahlreicher technischer Neuerungen die Bitumen-Rollen auf Dächern noch immer per Hand und Hakenklinge zugeschnitten werden. Unser Rooffox nimmt den Dachdeckern die langwierige Schneide-Arbeit auf den Flachdächern fast vollständig ab. Wiederkehrende Schneidevorgänge können in wenigen Schritten eingestellt und automatisiert werden.", so Büttgen.

Von der Idee zum Muster

Die Idee zur Maschine entstand 2018. Zunächst baute er aus einem Prototypen ein Funktionsmuster. So konnte der Erfinder zunächst ausgiebig testen, ob das ganze Projekt funktionieren kann.

Rooffox Bitumenschneider auf der Messe
Das Serienmodell wird Bahnen von 1m bis 1,10 m Breite verarbeiten können. (Quelle: DDH)

Unterstützung durch Ingenieurbüro

Nachdem der Unternehmer festgestellt hatte, dass sein Muster funktioniert, machte er sich voller Erfinderreichtum und Ehrgeiz an die weitere Umsetzung seines Projekts. Dafür suchte sich Büttgen ein Ingenieurbüro für Maschinenbau — gemeinsam entwickelten sie den Rooffox. Anschließend beauftrage Büttgen eine Firma für den Bau des Prototypen und die Software-Programmierung.

So funktioniert der Bitumenschneider

Wie funktioniert die Maschine? Der Bitumenschneider steht auf dem Boden, daneben eine Palette mit Bitumenbahnen. Die Rolle wird ausgepackt und einfach seitlich umgelegt. Die Rolle muss nicht hochgehoben werden.Die Bitumenbahn liegt nun schon an der richtigen Stelle und muss nur noch in den Einzug geschoben werden. Anschließend wird die Rolle von der Maschine eingezogen.Der Rooffox schneidet sowohl in Längs- als auch in Querrichtung. Für die Längsschnitte sind 3 Messer angebracht, die der Dachdecker manuell auf die gewünschte Position einstellen kann. Für die Schnitte werden handelsübliche Haken- oder Halbmondklingen verwendet. Der Klingentausch erfolgt mit einem Handgriff in wenigen Sekunden. "Wir haben uns bewusst für einfache Normklingen entschieden,wie sie ohnehin jeder Dachdecker bei sich trägt" ergänzt Büttgen. Nach dem Schneidevorgang stapeln sich die Abschnitte mit der Oberseite nach oben.

Die Bitumen-Rolle wird automatisch eingezogen, vermessen und auf die eingestellte Länge abgeschnitten/abgelängt. Durch sommerliche Hitze stark verformte/verklebte Rollen zieht der Flat Roof Fox mit Hilfe eines Keils und starken Motors problemlos ein. "Wiederkehrende Schneidevorgänge können in wenigen Schritten eingestellt und automatisiert werden.", so Büttgen.

Tobias Büttgen
Ließ seine eigenen Erfahrungen als Dachdecker mit in die Entwicklung einfließen: Tobias Büttgen. (Quelle: DDH)

Steuerung per Handy oder Tablet

Befehle empfängt der Rooffox per Handy oder Tablet. Büttgen liefert standardmäßig eine Steuereinheit mit aus, auf der ein Display verbaut ist. In dieser Steuereinheit steckt eine Bluetooth-Schnittstelle, so dass die Maschine auch mit Handys und Tablets gekoppelt werden kann. So ist der Dachdecker auch räumlich flexibel. Er kann die Vermaßung unabhängig vom Standort der Maschine aufnehmen und für den späteren Schnitt abspeichern.

In der hinterlegten Software können Anzahl und Maße der Schnitte eingegeben werden. Das reicht von einem Schnitt in einer bestimmten Breite bis zu einer ganzen Liste mit unterschiedlichen Mengen und Maßen. Es ist zudem möglich, ganze Projekte anzulegen, denen der Dachdecker Schnittaufträge zuordnet. "Die Software arbeitet dann per Knopfdruck die Liste ab. Es müssen nur noch Rollen nachgelegt werden", berichtet Büttgen. Falls eine Rolle zu wenig Restlänge aufweist, wirft die Maschine das Reststück einfach aus und macht bei der neuen Rolle mit dem richtigen Maß weiter.
Der Rooffox wird durch den Anschluss an eine normale 230 V Steckdose betrieben. Außerdem ist mit einer bitumenabweisenden Beschichtung versehen, sodass man ihn so gut wie nicht reinigen muss.

Der Azubi wird wertvoller

Stichwort verantwortungsvoller Personaleinsatz: Zu oft werden die Schnitte der Bitumenbahnen noch von Azubis ausgeführt. Nach der Investition des Rooffox können die Auszubildenden sinnvollere Facharbeiten schneller erlernen und sind so wertvoller für den Betrieb.

Ein großer Vorteil ist die handliche Kompaktheit: Der Dachdecker kann die Maschine bei Bedarf mit aufs Dach nehmen. Der Dachbahnenschneider bietet eine erhebliche Zeitersparnis und — was vor allem die älteren Dachdecker freuen wird: Die Anschaffung der Maschine kommt der Gesundheit der Mitarbeiter  zu Gute. Sie minimiert den Krankenstand und trägt zu weniger gesundheitsbedingten Ausfällen bei.

Und wie kam Büttgen auf den Namen Rooffox? "Wir möchten auch in Zukunft weitere Produkte für den Bereich des Dachdeckers anbieten. Ideen sind schon vorhanden. Alle diese Ideen sind und werden von Dachdeckern für Dachdecker gemacht, deshalb sind sie für eine gute Anwendung schlau entwickelt. Da bekanntlich der Fuchs als schlaues Tier gesehen wird, haben wir das übernommen" berichtet Büttgen.

Lohnt sich schon nach 10 Monaten

Eine erfolgreiche Premiere feierte der "Schneide-Fuchs" Anfang Juli 2022 in Köln. Auf der DACH+HOLZ International war der kleine Messestand durchweg gut besucht und kam sogar unter die ersten 3 des Start-Up Pitchs (siehe auch DDH 10.2022). Die Redaktionen der Besucher waren durchweg positiv. Der Tenor: "So eine Maschine haben wir uns schon lange gewünscht!"
Der Anschaffungspreis amortisiert sich nach der Kalkulation von Tobias Büttgen recht schnell. ""Dabei gehe ich davon aus, dass das herkömmliche Schneiden einer 5 Meter langen Bahn rund 8 Minuten dauert, die gesparte Arbeitszeit wird mit den Mitarbeiterkosten pro Stunde verrechnet und rechnet sich schon nach rund 10 Monaten bei einer manuellen Schneidearbeit von 1 Std. pro Tag ", ist sich Büttgen sicher"

Gemeinsam mit seinem Vater plant er die Weiterentwicklung des Bitumenschneiders, Noch hängt der Rooffox am Kabel, doch bald soll es eine Akku-Lösung geben. Das macht Sinn und das Handling noch flexibler. Für die Auslieferung der Maschine müssen Dachdecker allerdings noch zwischen 6 bis 9 Monate warten. Wir bleiben dran, sind gespannt und hoffen bald den Rooffox auf den Flachdächern zu sehen.

Alle Infos unter www.rooffox.de

zuletzt editiert am 26.09.2022