Solarschäden: Zerstörte Ziegel unter der Solaranlage, Mardernester in der Dämmung – das Dach der Mehrzweckhalle in Dießen am Ammersee war nur noch über eine Komplettsanierung zu retten. Erfolgreiche Schutzmaßnahmen an Traufe und Kehlen halten künftig umtriebige Nager fern. Und statt auf Provisorien ruhen die Solarmodule jetzt auf zertifizierten Solarträgern, die in den neuen Ziegelreihen regensicher verankert sind.
Von Thomas Dietrich + Paul Zielinski
Wenn es in Dießen am Ammersee in den letzten Jahren so richtig kräftig regnete, war klar, was in der Mehrzweckhalle der oberbayerischen Gemeinde baldmöglichst zum Einsatz kommen musste: Eimer und Putzlappen. Damit versuchten die Betreiber den Rinnsalen Herr zu werden, die sich aus dem Dach in die Innenräume ergossen. Mit jedem Winter verschärfte sich die Situation. Große Pfützen in der Turnhalle und Fließspuren in anderen Räumen brachten die Strategie des Aufwischens zunehmend an ihre Grenzen. Eine Bestandsaufnahme ergab: Rund ums Hauptdach mit seinen Zwerggiebeln und angrenzenden Pultdächern gab es viele Leckagen. Eine Sanierung der gut 2.000 Quadratmer umfassenden Dachfläche war dringend erforderlich. Im Sommer 2013 fiel dazu der Startschuss. Zu tun gab es angesichts der zahlreichen Schäden genug. Eine Erkenntnis war besonders bitter: Viele Leckagen hätten im Vorfeld vermieden werden können.
Solarmodule falsch installiert
An der rund 25 Jahre alten Ziegeldeckung allein lag es weniger – wohl aber an dem, was diese zusätzlich zu tragen hatte. Während unten in der Halle Spiel, Sport und Spaß für die Bürger auf dem Programm standen, sorgte oben auf dem Dach eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) für Strom. Die Installation ließ zu wünschen übrig: Die Solarstützen waren überwiegend falsch angebracht. Die Verschraubung auf dem Tragwerk hatte nichts mit einer Verankerung zu tun, sondern die Stützen waren oft nur mit einem Schenkel auf der Lattung befestigt. Diese provisorische Befestigung leistete unerwünschten Hebelwirkungen Vorschub. Bei Wind und Wetter sorgten Sog und Last für stetige Lockerungsübungen am Dach. Die Folge: Etliche Flachdachpfannen bekamen Risse oder Brüche. Und was ebenso fatale Folgen hatte: Etliche Falze und Rippen an Kopf und Fuß der Flachdachpfannen waren bei der Montage der PV-Anlage weggeschlagen worden, um den Solarwinkeln mehr schlecht als recht den Weg durch die Pfannen zu ebnen. Die Folge war, dass das Ziegeldach an vielen Stellen Leckagen aufwies, die einem Starkregen oder kräftigem Wind bei Tauwetter Einlass gewährten und die Dämmung tränkte.

Marder beißen sich durch
Die zweite Ursache für die zahlreichen Beschädigungen besaß vier Beine, Klettervermögen und ein scharfes Gebiss. Marder hatten das Dach als willkommenes Zuhause für den eigenen Nestbau entdeckt, die Dämmung zerwühlt, die Unterdeckung zerbissen und es sich weitläufig zwischen Sparren über der Turnhalle gemütlich gemacht – bis hin zum Küchenbereich. Unterspannung bzw. Unterdeckung unterhalb der Konterlattung hatten damit ihre Funktion verloren. Das galt insbesondere für den Bereich der Trauf- und Kehlblechanschlüsse sowie der Solaranlage. Mit so viel „Natur“ hatten die Planer Ende der 1980er Jahre nicht gerechnet und keinen wirksamen Schutz gegen Marder vorgesehen.
Profilierter Ziegel gesucht
Fest stand: Die anstehenden Sanierungsarbeiten waren umfangreich. Schon bei der Ausschreibung war klar, dass es bei einem profilierten Ziegel bleiben sollte, um die enorme Wassermenge von fast 30 Metern Sparrenlänge transportieren zu können. In Sachen Haltbarbeit des Ziegeldaches sowie beim Marderschutz sollte es keine Kompromisse geben.
Die Planer entschieden sich für den Einsatz des Ergoldsbacher E 58 SL von Erlus. Der Ziegel besitzt ein handliches Mittelformat und teilt, wie alle guten Flachdachpfannen, die wasserführende Mulde von der Seitenverfalzung durch eine vorgesetzte Rippe. Der Bedarf pro Quadratmeter liegt bei 11,5 bis 12,5 Pfannen. Außerdem erreicht der Ziegel die Hagelschutzklasse 4. Im Voralpengebiet mit seinen häufigen Starkregengüssen ist diese Eigenschaft ein handfester Vorteil.
Der Ziegel konnte auf der Mehrzweckhalle sogar noch einen weiteren, entscheidenden Trumpf aus dem Falz ziehen: Mit dem 30 mm großen Verschiebebereich ließen sich die bis zu 40 cm differierenden Sparrenlängen ausgleichen und dadurch ein zuschnittfreies Deckbild herstellen – im Gegensatz zur Altdeckung.

Zertifizierter Solarträger
Für die PV-Anlage musste ein deutlich solideres Montagesystem her. Hier bietet das Zubehörprogramm von Erlus passende Stützen (Erloton). Die Anforderungen an ein solches System sind groß: Da Solaranlagen meist aus großflächigen Elementen bestehen, wirken besonders starke Kräfte auf die krafteinleitenden Punkte und damit auf die durch die Verfalzung verbundenen Dachziegel sowie die darunterliegende Konstruktion. Diesen Belastungen müssen die Befestigungssysteme dauerhaft und zuverlässig standhalten. Dass der für die Mehrzweckhalle ausgewählte Solarträger dies vermag, haben inzwischen ausführliche Prüfungen bestätigt (siehe Info-Kasten).


Der Erloton-Solarträger im Belastungstest
Hersteller Erlus wollte es genau wissen und hat seinen Solarträger aus der Erloton-Serie beim Institut für Ziegelforschung (IZF) in Essen auf Belastbarkeit, Verformung und Funktion prüfen lassen – mit überzeugendem Ergebnis. Der korrosionsbeständige Solarträger, bestehend aus Aluminium und Edelstahl, erreichte – verglichen mit anderen Solarbefestigungen – eine überragende Solidität und Stabilität.
Die geprüften Belastungsgrenzen der Solarträger berücksichtigen nicht nur die Metallbefestigung, sondern beziehen auch die Funktionsfähigkeit der Dachziegeldeckung mit ein. Die Rahmenbedingungen der Prüfung lehnen sich an das aktuelle Arbeitspapier des Europäischen Komitees für Normung an (CEN/TC 128/WG 3). Bisher beruhten die angegebenen Belastungskennwerte lediglich auf einer normativ gerechneten Systemstatik. Mehr Informationen im Internet: einfach die Stichworte „erloton systemzubehör“ in eine Suchmaschine eingeben.
Solarträger auf zusätzlichen Bohlen verschraubt
Das Solarträger-System lässt sich auf einer modellabhängigen Grundplatte montieren, die für alle gängigen Dachziegelmodelle des Herstellers erhältlich ist. Das ermöglicht eine besonders wirtschaftliche Verwendung. Eine Bearbeitung der Ziegel ist hierbei konstruktionsbedingt nicht notwendig. Dadurch bleibt die Tragfähigkeit und Regensicherheit erhalten.
Sog- und Traglasten können deshalb gut auf die Unterkonstruktion geleitet werden, weil Bohlen in passender Dicke untergebaut und mit Konterlattung und Sparren durch Rillennägel bzw. Schrauben verbunden werden. Während der Solarträger den Belastungen durch die Kombination aus Aluminium und Edelstahl widersteht, brauchen benachbarte Tonziegel nichts weiter zu tun als sich mit ihrer doppelten Verfalzung anzuschmiegen.
Rundum geschützt
Die Mehrzweckhalle weist eine Dachneigung von meist 18 Grad auf. Damit der Dachprofi Vorkehrungen gegen Windsog treffen kann, bietet beispielsweise Erlus ein Online-Tool zur Sturmsicherung seines Ziegelprogramms (www.erlus.de, Pfad: Service, Windsogsicherung). Ebenso lässt sich per Software ermitteln, wo und wie Schneefänge positioniert werden müssen (www.erlus.de, Pfad: Service, Schneesicherung).
Zur besseren Erreichbarkeit der PV-Anlage entschied sich der Auftraggeber, die Modulreihen auf Abstand zu setzen. Damit sind die Solarkabel gut zugänglich. Eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Leitungen sollte möglichst vermieden werden. Daher laufen die Kabel geschützt in einem Mantel bis zu einem Aluminium-Durchführungsziegel für PV-Anlagen. Eine Manschette an der Dacheinführung sorgt für Extraschutz, damit weder Feuchtigkeit noch Tiere unter die Ziegeldeckung gelangen können. Zwischen Schneefang und Solarfeld befindet sich ein zusätzlicher Steg, so dass sich das Solarfeld bequem erreichen lässt. Dachhaken dienen als sichere Anschlagpunkte für Wartungsarbeiten.
Unterdach ausgeflockt Das Unterdach wurde neu aufgebaut: Anstelle von Mineralwolle kam im 8 cm hohen Zwischenraum der alten Wärmedämm-Lüftungsebene eine Ausflockung zum Einsatz. Eine sägerauhe Schalung mit diffusionsoffener Unterdach- bzw. Unterdeckbahn deckt die Dämmung ab, darüber bilden neue Konter- und Dachlatten den Untergrund für die Ziegeldeckung.
Angesichts der schneereichen Winter in der Region war es wichtig, auf einen leistungsfähigen Schutz gegen Eisstau zu achten. So wurden beispielsweise die noch intakten Kastenrinnen an der Traufe mit neuen kupfernen Traufblechen kombiniert, die bis weit unter die erste Ziegelreihe reichen.


Marder ausgetrickst
Schutzmaßnahmen bedurfte es auch, um die bissigen Hausbesetzer künftig vom Nestbau unterm Dach abzuhalten. Eine wirkungsvolle Strategie ist gut, mehrere noch besser: So halten Hafte über den Traufblechen ein kastenförmig gekantetes Lochprofil, das den Mardern den Zutritt verwehrt. Gleichzeitig nehmen die Profile die erste Ziegelreihe auf und übernehmen die Belüftung des Daches. Auch unter der Ziegelwelle ist für die umtriebigen Nager kein Durchkommen mehr: Hier dient ein etwa drei Meter langer, vorgefertigter Kupferstreifen als Sickenfüller. Das Anschrauben aufs Lochblech nimmt deutlich weniger Zeit in Anspruch als die Arbeit mit Mörtel. Dies ist allerdings an den Seiten der Zwerggiebel nötig. Dort, wo Ziegel als Einspitzer mindestens um 10 cm die Kehlbleche überdecken, liegen sie ebenfalls auf einem kastenförmigen Lochblech. Festen Halt für den Ziegel bietet dort ein Mörtelbett, das gleich auch die Hohlräume unter dem Wellenprofil „mardersicher“ füllt.
Regensicherheit verbessert
Nicht nur die vierbeinigen Nestbauer bleiben künftig draußen, auch die Zeit der Wasserlachen und Rinnsale in der Halle ist nach der Dachsanierung vorbei. Für Starkregen sahen die Planer sogar noch einen zusätzlichen Schutz vor. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass das Hauptdach bei heftigen Regengüssen so vehement entwässerte, dass die Kehlrinnen überfordert waren. Daher haben die Spengler diese Kehlen verbreitert und durch einen Steg als Wasserbremse im Verhältnis Eindrittel/Zweidrittel geteilt. Das Hauptdach kann nun in den breiteren Teil entwässern.

Termine nicht eingehalten
Mit guter Vorplanung war es bei der Sanierung der Mehrzweckhalle allein nicht getan. Die Umsetzung erwies sich zeitweilig als zäh, da die Koordination über etliche Gewerke hinweg unerwartete Tücken mit sich brachte. Termine gerieten ins Wanken, weil fest eingeplante Bauhandwerker zum vereinbarten Zeitpunkt nicht erschienen. Andere Auftragnehmer mussten auf Grund von Verzögerungen kurzfristig umdisponieren und teils Unmögliches möglich machen, um die Abnahme zum Ende der Sommerferien – darauf bestand der Auftraggeber – trotzdem zu realisieren.
Saubere Leistung
Doch allen widrigen Umständen zum Trotz haben Zimmerer, Dachdecker und Spengler gemeinsam dafür gesorgt, dass die Mehrzweckhalle in Dießen zu seinen Stärken zurückkehren kann. Marder müssen sich zwangsläufig nach einer anderen Bleibe umschauen, dafür sorgen massive Schutzmaßnahmen unter den Ziegeln. Auch Starkregen und schneereiche Zeiten geraten durch Schwachstellen nicht automatisch zur Bedrohung. Vielmehr haben Planer und Handwerker das an Know-how zusammengetragen, was für die nächsten Jahrzehnte am Dach zweckdienlich ist – was ist passender für eine Mehrzweckhalle?
Schäden und Lösungen: Exklusiv im DDH-Newsletter
Sie kennen das seit Jahren: Probleme mit PV-Anlagen oder zum Beispiel feuchten Untergründen. Wie Dachdecker diese Anforderungen, gemeinsam mit Sachverständigen, in der Praxis bewältigen, erfahren Sie bei uns – von Dachdeckern für Dachdecker geschrieben.