Der Vorstand von DachNetSV: Jochen Angerstein, Herbert Gärtner und Franz-Josef Rossbroich (v.l.) empfingen ihre Mitglieder zum Seminar über den Dächern von Würzburg. Quelle: DDH
Der Vorstand von DachNetSv Jochen Angerstein, Herbert Gärtner und Franz-Josef Rossbroich (v. l.) empfing ihre Mitglieder zum Seminar über den Dächern von Würzburg. Quelle: DDH

Markt

17. August 2021 | Teilen auf:

"Schlau rein, schlauer raus"

Würzburg: Allzu schnell sind Kunden darauf aus, Reparaturkosten auf die Versicherung abzuwälzen. Das bringt den Dachdecker in eine Zwickmühle. Versicherungsbetrug ist eine Straftat. Gut, wenn dann im Zweifel Gutachter aus dem eigenen Gewerk zu Rate gezogen werden können.

Das Dachdecker Netzwerk Sachverständige (DachNetSv) versteht sich als Vermittler. Das Credo lautet "Von Dachdeckern für Dachdecker", wie Oswald Höfer, Assistent der Geschäftsführung, zu Beginn des Seminars deutlich machte. Nur vereidigte und öffentlich bestellte Sachverständige finden sich hier wieder. Ein hoher Qualitätsanspruch, verbunden mit ständiger Weiterbildung, gehört ebenso zum Leitbild der Organisation wie schnelle Erreichbarkeit und kurze Wege. Dipl.-Ing. (FH) M.Eng.TM Jochen Angerstein, geschäftsführender Gesellschafter von DachNetSv: "Wir sind öffentlich bestellt und keine Kostensparer der Versicherung." Angerstein erklärte den Mitgliedern die Neuerungen im System. Dazu nahm er Stellung zu Zahlen und Statistik.

Schauen, planen, einbauen

Dachdeckermeister Stefan Küppers interpretierte in seinem Vortrag seine Erfahrungen mit Anschlageinrichtungen. Mit einem selbst gedrehten Film untermalte er seine Vorgehensweise und zeigte die Problematik der PSagA. "Erst nachdenken, dann einbauen", mahnte Küppers. Rechtsanwalt und Dachdeckermeister Thomas Schmitz, Geschäftsführer des DDV Nordrhein, erklärte Pflichten und Nebenpflichten des Werkvertrages. Die Pflicht, nämlich das Schulden des Erfolgs, sei eindeutig. Nebenpflichten seien quasi die Kür und das Problem. Neben leistungsbezogenen vertraglichen Nebenpflichten, zum Beispiel der Bedenkenanmeldung, müsse der Unternehmer auch begleitende Nebenpflichten, wie den Hinweis auf Gefahren, erfüllen.

Die Teilnehmer des DNS-Seminares waren alle getestet und mit Kinobestuhlung auf Abstand gesetzt. Alle waren froh, endlich nochmal eine Präsenzveranstaltung zu haben, und begeistert über die Organisation der Vorträge und der begleitenden Veranstaltungen. Quelle: DDH

Aktuelles und Zukünftiges

Dirk Bollwerk, Präsident des ZVDH, erlaubte einen Blick in die Arbeit der Fachausschüsse. Dringend notwendig sei jetzt eine Modernisierung der angestaubten Grundregel von 1997. Alles andere als angestaubt war das Thema von Anne und Felix Moll. Die Geschwister, die auch sehr aktiv in der Gilde Nordrhein tätig sind, stellten die Frage, wie sich physische Bauteile mit der virtuellen Welt verbinden lassen. Sie gaben einen Blick in die nahe Zukunft und stellten ihre eigene Entwicklung im Bereich des Monitoring vor. Zum Abschluss des ersten Tages gab Spenglermeister Thomas Kreissl, Mitinitiator des vortägigen Besuchs des Klempnermuseums, noch einen Einblick in die Historie des Spenglerhandwerks.

Von Pfützen und Schadstoffen

Dachdeckermeister Herbert Gärtner, Gesellschafter von DachNetSv, hatte nicht nur die Moderation der beiden Veranstaltungstage inne, sondern referierte über Inhalte der Flachdachrichtlinie. Stehendes Wasser auf Flachdächern ist laut Regelwerk normal, aber wie viel Pfütze darf sein? Nahtlos anschließen konnte hier Dr. Udo Simonis. Welchen Einfluss nehmen Schadstoffe, hier im Besonderen die Rotalgen, auf die Abdichtung? Welche enorme Entwicklung Lichtbänder und -kuppeln in den letzten 20 Jahren genommen haben, zeigte Dipl.-Ing. Carsten Ficker von der Technik Tageslichtsysteme Lamilux. Er zeigte verschiedenste Ausführungen - wärmebrückenfrei, mit Photovoltaikelementen oder in unterschiedlichen Hagelschutzklassen.

Von Schadstoffen und Vergaberegeln

Phillip Witte, ZVDH-Referent Technik, widmete sich ganz anderen Gefahrstoffen: dem Asbest und den polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in Bitumenbahnen. Noch sei das Problem nicht explizit geregelt, der ZVDH beschäftige sich aber im Moment mit einer sinnvollen Lösung des Problems. Rechtsanwalt Gerald Webeler klärte die Zuhörer zum guten Schluss noch über die Gleichwertigkeit von Leistungsverzeichnissen auf. Er veranschaulichte die trockene Materie gewohnt locker und gab noch einen Ratschlag mit auf den Weg: "Vorsicht bei der Verwendung von Leistungsverzeichnissen der Industrie, hier ist die Neutralität nicht gewährleistet!"

Brigitte Latsch