Ein Dach mit installierten Solarpanels unter einem bewölkten Himmel.
Die Installation von Photovoltaik (PV)-Aufdachanlagen spielt eine große Rolle in der nachhaltigen Energieversorgung. (Quelle: BMI)

2025-02-25T15:33:07.945Z Knackpunkt Konterlatte

Solar: Fehlende oder fehlerhafte Befestigungen von PV-Anlagen können teuer und gefährlich werden. Dachdecker sind verpflichtet, die Halterungen statisch zu berechnen und zu dokumentieren. Holzverbindungen oder Regensicherheit – wir zeigen, worauf es bei der sicheren Montage ankommt.

Deutschland ist bekannt für seine hohen Standards – und das ist in diesem Fall ein klarer Vorteil, denn gerade wenn es um die Montage von PV-Aufdachanlagen geht, spielt Sicherheit eine große Rolle. Ein genauer Blick auf die Rahmenbedingungen zeigt, dass sie nicht nur eine Herausforderung darstellen, sondern vor allem einen wichtigen Beitrag zur Langlebigkeit leisten. Für die Hausbesitzer bedeuten diese Standards, dass sie auf eine zuverlässige, sichere und nachhaltige Energiequelle setzen können, wenn sie die Profis beauftragen, die sich mit dem Gewerk Dach bestens auskennen.

Wichtig für die Vergleichbarkeit von Systemen und Produkten ist, dass alle Hersteller im Markt nach denselben Spielregeln agieren und die genannten Regeln und Normen einhalten. Dabei ist das nicht überall selbstverständlich. Hier und da verrät ein Blick „ins Kleingedruckte“ die tatsächliche Lage.

Schnittstelle Holzkonstruktion

Ein Beispiel: Es gibt Hersteller, die zertifizieren ihre Produkte mit dem Hinweis, dass die Befestigung an einer tragenden Holzkonstruktion erfolgen muss. Dabei zeigen ihre Nachweise zwar oft die Festigkeit des Produkts gemäß Eurocode, aber hören genau dort auf, wo es um die Verbindung mit der Holzkonstruktion geht. Die Verantwortung für die Befestigung und die Tragfähigkeit der Holzkonstruktion wird also komplett dem Verarbeiter überlassen. Das Ergebnis: Unsicherheit.

Dabei befindet sich der kritische Punkt an der Konterlatte, an der die PV-Aufdachanlage letztlich hängt. Eine Herausforderung, die durch den zusätzlichen Einbau von Dämmschichten noch komplexer wird.

Hersteller von Befestigungen für PV-Aufdachanlagen sind zwar verpflichtet, Formeln zur Berechnung in ihren Zulassungen (ETAs) anzugeben, aber die praktische Umsetzung bleibt oft unklar. Das Problem dabei: Schraubenverbindungen müssen nach Eurocode 5 mit bestimmten Abständen und Tragfähigkeiten bemessen werden. Viele Hersteller geben aber nur die Lasten für ihre Produkte an und nicht für die komplette Befestigungslösung. Dadurch werden Produkte teilweise so gestaltet, dass sie gar nicht gemäß den Vorgaben des Eurocode 5 befestigt werden können oder nicht so viel Last tragen dürften, wie angegeben wird.

Ein praktisches Beispiel zur Veranschaulichung: Ein Halter, der mit einer 6er-Schraube im Sparren befestigt wird, kann die Schubkraft von 1,3 kN, die vom Produkt selbst ausgeht, gerade so aufnehmen. Dies ist jedoch nur ein Teil des Gesamtsystems. Zusätzlich müssen weitere Lasten berücksichtigt werden, wie beispielsweise die Dacheindeckung und potenzielle Schneelasten. Für die strukturelle Integrität muss die Tragfähigkeit der gesamten Konstruktion unter Berücksichtigung aller relevanten Einwirkungen nach den Vorgaben der Eurocodes 0, 1, 2 und 5 nachgewiesen werden. Insbesondere ist es erforderlich, dass die Halterungen statisch berechnet und dokumentiert werden, um sicherzustellen, dass sie den kombinierten Lasten aus Eigengewicht, Wind- und Schneelasten standhalten. Ohne solche korrekten statischen Nachweise und die entsprechende Dokumentation ist eine normgerechte Installation nicht gegeben.

Eine Metallhalterung, die auf einem Dachziegel montiert ist.
Die Aussparung für den Halter minimiert den Querschnitt des Dachsteins. (Quelle: BMI Deutschland GmbH)
Ein Dachhaken, der auf schwarzen Dachziegeln montiert ist, mit einem klaren Blick auf die Dachstruktur.
Durch die Verkleinerung des Querschnitts erhöht sich die Bruchgefahr und die Gewährleistung erlischt. (Quelle: BMI Deutschland GmbH)
Ein Bild von defekten Dachziegeln mit sichtbaren Rissen und einem abgebrochenen Stück.
Der veränderte Auflagewinkel führte hier zum Bruch des benachbarten Tondachziegels. (Quelle: BMI Deutschland GmbH)

Es ist daher ratsam, bei der Planung und Berechnung einer PV-Aufdachanlage genau zu prüfen, ob die Angaben zur Befestigung an allen Verbindungspunkten klar definiert sind und die statischen Anforderungen erfüllt werden. Nur so kann die Sicherheit und Langlebigkeit des gesamten Dachsystems gewährleistet werden.

Regensicherheit: Feuchteschäden vermeiden

Die Installation von Solarmodulen auf Dächern erfordert auch in anderer Hinsicht besondere Aufmerksamkeit, nämlich im Blick auf die Regensicherheit des Gebäudes. Durch die Montage der Befestigungssysteme können bei einigen Systemen auf dem Markt Dachdurchdringungen entstehen, die grundsätzlich potenzielle Schwachstellen für einen Feuchtigkeitseintritt darstellen. Ebenso können Dachhaken, die zur Verschraubung auf den Sparren unter den Ziegeln bzw. Dachsteinen eingeschoben werden, den Auflagewinkel des oberen auf den unteren Ziegel leicht verändern (minimale und punktuelle Verringerung der Dachneigung) und einen Spalt in der Dicke des Dachhakens mit sich bringen, der bei entsprechenden Windlasten gegebenenfalls zu Regeneintrieb oder Flugschnee führen kann. Die Alternative, in die Dachziegel oder -steine passende Aussparungen zu sägen oder zu flexen, stellt wiederum einen sehr problematischen Eingriff in die Dachdeckung dar.

Um die Regensicherheit zu gewährleisten und Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden, ist bei Dachdurchdringungen eine ordnungsgemäße Abdichtung gemäß den Fachregeln des deutschen Dachdeckerhandwerks und den Herstellervorgaben des Bedachungsherstellers einzuhalten. Die erforderliche Regeldachneigung ist vor der Montage von Aufdachanlagen in der Praxis bereits gegeben. Allerdings kommt es neben den konstruktiven Herausforderungen noch zu einer weiteren Herausforderung.

Schneiden von Dachziegeln: Garantie gefährdet

Denn man muss beachten, dass die nachträgliche Bearbeitung von Dachsteinen oder Dachziegeln, ob Bohren, Schneiden oder anderweitiges Modifizieren, zum Verlust der Garantieansprüche gegenüber dem Hersteller führen kann. Solche Eingriffe verändern die ursprünglichen Produkteigenschaften, sodass die vom Hersteller zugesicherten Eigenschaften nicht mehr gewährleistet werden können. Schließlich gilt gemäß § 434 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) eine Sache als mangelhaft, wenn sie nicht die vereinbarte Beschaffenheit aufweist. Werden Dachpfannen nachträglich verändert, erlischt also die Gewährleistung, da der Mangel nicht auf den Hersteller, sondern auf die unsachgemäße Bearbeitung zurückzuführen ist. Zudem sehen die Garantiebedingungen der Hersteller oft vor, dass Garantieansprüche nur bei fachgerechter Montage und unverändertem Zustand der Produkte bestehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der von einer nachträglichen Bearbeitung abrät, sind die Mikrorisse und Fehlstellen, die dabei entstehen können. Die mechanische Bearbeitung erzeugt hohe punktuelle Kräfte, Vibrationen und lokale Temperaturerhöhungen, die im Material feinste Risse entstehen lassen können. Mit bloßem Auge sind diese erstmal nicht sichtbar, aber die möglichen Auswirkungen sind es: Abplatzungen und Brüche der Pfannenkörper.

Außerdem kann die Nichtbeachtung von Normen und Regularien bei der Installation von Solaranlagen im Schadensfall erhebliche versicherungstechnische Konsequenzen haben. Versicherungen können ihre Leistungen verweigern, wenn festgestellt wird, dass die Anlage nicht gemäß den geltenden Vorschriften geplant und montiert wurde.

Rechtssicher und unkompliziert

Das hört sich alles so kompliziert und rechtsunsicher an, dass einem Dachdecker die Lust auf Aufdachanlagen vergehen könnte. Die gute Nachricht: Es geht auch anders. Mit rundum abgesicherten Gesamtpaketen, die im System nachweislich funktionieren.

Beispiel: Die Systemlösung PV Standard von BMI besteht aus einem Photovoltaik-Aufdach-System und Braas-Modulstützen sowie Aluminium-Grundschienen, Verbindern, Modulhaltern und den dazugehörigen Befestigungsmitteln. Bei dieser klassischen Version einer PV-Aufdachanlage bleibt die vorhandene Dacheindeckung erhalten. Die Montage findet nicht in der wasserführenden Ebene statt, sondern oberhalb.

Verarbeitung der Modulstütze

Für die sichere und fachgerechte Anbindung ans Dach wurden speziell zertifizierte Befestigungspfannen und Modulstützen entwickelt. Sie schützen sicher vor Bruch und Undichtigkeiten und verhindert effektiv Folgeschäden. Vor allem erfüllt dieses Befestigungssystem alle relevanten Normen und Standards. Damit erhalten Bauherren ein Befestigungssystem, das ihr Photovoltaik-Dach zu einer zukunftssicheren Investition macht, und Dachhandwerker ein Montagesystem, mit dem sie sorgenfrei arbeiten können und nachhaltig auf der sicheren Seite sind. Umso mehr, weil die Solarberatung des Herstellers auf Basis der Erhebungsbögen ( https://de.bmigroup.com/individuelle-berechnung-solaranlage ) eine individuelle Anlagenberechnung sowie die dafür benötigte Anzahl der Modulstützen, der Holzquerschnitte der Unterkonstruktion sowie deren Befestigung liefert.

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 03.2035.

zuletzt editiert am 25. Februar 2025
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