Ausbildung: Vor 27 Jahren begann Timo Kösters seine Laufbahn im Dachdecker-Handwerk. Seit 2018 leitet er die Meisterschule am Bildungszentrum des westfälischen Dachdeckerhandwerks und integriert aktuelle Entwicklungen wie Gründächer und Solarenergie in die Ausbildung. Gleichzeitig legt er großen Wert auf grundlegende Werte wie Ehrlichkeit, Teamgeist und Nachhaltigkeit.
Wie sind Sie zur Position des Ausbilders an einer Fachschule für das Dachdeckerhandwerk gekommen?
Timo Kösters: Durch meine Ausbildung in einem Lehrbetrieb in Münster musste ich als Schüler nach Eslohe im Sauerland an die Berufsschule und in die überbetriebliche Ausbildung. Für mich war schon früh klar meinen Dachdeckermeister zu machen – und das auch an dieser Schule, obwohl ich den Vorbereitungslehrgang auch in Münster hätte besuchen können. Mein damaliger Klassenlehrer hat meinen Zukunftswunsch, Berufschullehrer zu werden, immer unterstützt. Also hat es sich unter den Ausbildern während der Ausbildung zum Dachdecker- und Klempnermeister rum gesprochen das ich mich als Ausbilder bewerben möchte.
Dies hat auch geklappt, nun ja kein Berufsschullehrer, kein Studium, aber mit zwei Meistertiteln der Beginn seit 2007 als Ausbilder in der ÜLU. Durch viele neue Aufgabenbereiche und strukturelle Änderungen an der Bildungsstätte habe ich dann die Leitung der überbetrieblichen Werkhallen übernommen. Keiner konnte damit rechnen, dass es von da recht zeitnah in die Leitung der Meisterschule ging. Dies nun schon seit etwas mehr als acht Jahren.
Welche grundlegenden Fähigkeiten und Werte versuchen Sie den angehenden Dachdeckern zu vermitteln, die über die Technik hinausgehen?
Kösters: Tatsächlich noch etwas von den alten Tugenden, die mir auch beigebracht wurden vor allem aber den Spaß an der Tätigkeit und Teamgeist! Außerdem Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnung und Disziplin. Die Würde und den Stolz für unser schönes Handwerk und die Zunft. Natürlich auch die Redlichkeit über unser Handwerk, dazu gehört Ehrlichkeit.
Wie hat sich das Dachdeckerhandwerk durch technische Neuerungen und nachhaltige Bauweisen verändert, und wie integrieren Sie diese Trends in den Ausbildungsalltag?
Kösters: Meine Ausbildungszeit hat 1999 begonnen, der Ausbildungsbetrieb war breit aufgestellt. So konnte ich von den verschiedensten Reparaturarbeiten auch Großprojekte im Steil-, und Flachdachbereich und Klempnerarbeiten miterleben. Ich denke, dass in den Köpfen der Menschen ein Umdenken in der Nachhaltigkeit von Materialien und Werkstoffen stattfindet. Außerdem gibt es so viele „neue“ Werkzeuge und Maschinen, die unsere Arbeit erleichtern - am liebsten hätte ich sie selbst erfunden. Die Politik und die Städte denken um: Gründächer,- und Fassaden, Sonnenenergie, wo das Auge hin reicht. Dieser Wandel liegt klar in den Händen des Dachdeckerhandwerks und ist ein Bestandteil von vielen in unserer Ausbildung.
Was motiviert junge Menschen heute noch, einen handwerklichen Beruf wie Dachdecker zu wählen, und was tun Sie, um sie langfristig für den Beruf zu begeistern?
Kösters: Oftmals aus familiärem Grunde, ein eigener Dachdeckerbetrieb der Eltern oder im Verwandtenkreis, ist das, was die jungen Menschen eine Ausbildung anfangen lässt. Die sehr gute Zusammenarbeit der Berufsorganisation unserer Landesverbände mit sehr starker Nachwuchswerbung ist meiner Meinung nach, wie in kaum einem andern Handwerkszweig vertreten! Berufsinfotage, -messen, Girlsday´s oder beispielsweise ein Berufspraktika wird durch Social-Media-Kanäle ergänzt und verbreitet die Vorteile der Handwerksausbildung, das spricht sich herum. Ich denke auch, dass in den letzten Jahren die Eltern und die Politik gelernt haben, das Handwerk zu schätzen und so auch mal das Augenmerk auf eine Ausbildung gelenkt wird, nicht nur das Studium.
Wobei da noch mehr geht. Um junge Menschen weiterhin zu motivieren, gehe ich oft mal im Unterricht einen Exkurs vom eigentlichen Thema und Stärke die Vielfältigkeit unseres schönen Berufes: Das Ehrenamt in Prüfungsausschüssen, die Ausbildung junger Menschen noch besser zu machen. Ich führe Weiterbildungsmöglichkeiten auf, erkläre die Berufsorganisation und versuche ein gutes Vorbild zu sein. Zur Eröffnung eines Meisterlehrganges hier an unserer Schule, fragen wir die Teilnehmer/innen ab, was Sie bewegt die Meisterausbildung zu starten. Der Lehrgang ist eine große Investition in die eigene Zukunft, viele wollen sich Selbständig machen oder den Betrieb der Eltern übernehmen. Andere nutzen diese Qualifikation, um in der Industrie Fuß zu fassen.
„Wenn ich sehe, was die Teilnehmer/-innen aus ihrer Ausbildung machen, bin ich stolz ein Teil dieser Zeit gewesen zu sein“.
Timo Kösters
Wenn Sie jeden Ihrer Schüler mit einer „Superkraft“ für den Beruf ausstatten könnten – welche wäre das, und warum?
Kösters: Eine schwere Frage. Irgendwie muss ich an die alte Zeichentrickserie „Popeye“ denken. Immer mit Spaß an der Sache, nie zu Ernst, und bei Bedarf etwas Spinat - um die Dinge im Alltag beiseite zu schaffen.
Welcher Moment oder welches Projekt in Ihrem Ausbildungsalltag hat Sie zuletzt besonders inspiriert und bestätigt, dass Sie den richtigen Beruf gewählt haben?
Kösters: Eigentlich kein Projekt. Im Grunde die gesamte Ausbildungszeit, jeden Tag! Wenn ich sehe, was die Teilnehmer/-innen aus ihrer Ausbildung machen, bin ich stolz ein Teil dieser Zeit gewesen zu sein. Aus vielen Begegnungen ist Freundschaft geworden. Wenn ich bedenke, es sind meist sehr junge Leute, aber auch Meisterschüler mit Mitte 50! Dann trifft man sich bei der Meisterbriefvergabe im festlichen Rahmen auf der Bühne, ein ganz besonderes Gefühl – die Menschen sagen „Danke für die geile Zeit!“.
