Nachhaltigkeit: Der Architekt als Bauherr – und dennoch lief alles glatt: Dachdeckermeister Michael Koch realisierte ein vielfältiges Architektenhaus mit Gründach-System und PV-Anlage. Modular aufgebaute Systeme und clevere Detailplanung machen das nachhaltige Bauprojekt zum Vorzeigeprojekt für das Dachdeckerhandwerk.
Bauherr und Architekt Tim Feldkamp stand vor der Frage, ein geerbtes Siedlungshaus seiner Großeltern von 1908 in Voerde/Niederrhein umzugestalten. Nachdem er – gemeinsam mit Dachdeckermeister Michael Koch – die alte Bausubstanz begutachtet hatte, war für ihn klar, eine Sanierung wäre nicht wirtschaftlich gewesen: „Wir haben zwei alte Häuser abgerissen, die nicht saniert werden konnten und auf der Naturbasis ein komplett neues Haus errichtet. Ursprünglich war mein Plan, ein Passivhaus zu errichten, das war leider zu teuer, denn alle Fördertöpfe waren leer. Dann wollte ich wenigstens ein Holzhaus bauen lassen. Es war ein Experiment, das durchaus gelungen war“, erklärt er.
Ökologisch und modern
Generell standen beim Neubau ökologische Materialien und moderne Technologien im Vordergrund: Gründach, Solarstrom, Wärmepumpe und nachhaltige Bauweise unter Berücksichtigung effizienter Ressourcen. Bei der Ausschreibung erhielt das Unternehmen Koch Bedachungen aus Grevenbroich den Zuschlag, obwohl es nicht der günstigste Anbieter war. „Das Angebot war detaillierter und schlüssiger als die Konkurrenz. Zudem wollte ich auf keinen Fall die Bauleitung übernehmen und den Handwerkern die Arbeit vor Ort erklären“, so Feldkamp. Auf dem Gelände entstand ein Baukörper mit jeweils unterschiedlichen Dächern, einem Flachdach und Steildach plus Carport.
Die energetischen Berechnungen basierten zum großen Teil auf der DIN V 18599. Diese ist gemäß Gebäudeenergiegesetz verbindlich für alle Nicht-Wohngebäude vorgeschrieben und für Wohngebäude die bevorzugte Berechnungsgrundlage

Hybrid-Holzbauweise mit äußeren Wänden im Ständerbauwerk
Beim Baukörper fiel die Wahl auf eine Hybrid-Holzbauweise mit äußeren Wänden im Ständerbauwerk und Innenwänden aus Brettsperrholz. Damit wurde eine energieeffiziente Gebäudehülle geschaffen, die sich optimal in die Umgebung integriert.

Ein entscheidendes Element war das Dach, bestehend aus einem Steildach und einem Flachdach. Es sollte nicht nur funktionalen und ästhetischen Anforderungen entsprechen, sondern auch Energie erzeugen und die Artenvielfalt fördern – ein multifunktionales System, das technische Expertise und präzise Planung erforderte.




Gründach-System in Boxen
Das Gründach sticht als zentrales Element des Projekts hervor. Das war für Dachdeckermeister Koch die Premiere: „Bisher waren wir bei Dachbegrünungen immer zurückhaltend, da es oft zu aufwändig war“. Doch hier war es anders. Der Systemaufbau wurde mit modularen Systemen realisiert, die in Boxen (60x30 cm) geliefert und vor Ort montiert wurden. Diese Boxen beinhalten bereits Substrate, Pflanzen und Drainagesysteme, die Effizienz und einfache Handhabung sichern. Dachdeckermeister Koch erläutert: „Wir nutzen Systeme, die wasserdicht sind und in Boxen angeliefert werden. Das ist praktisch und sorgt für eine einfache Installation vor Ort.“
„Der entscheidende Faktor ist immer die Abstimmung zwischen den Gewerken - bei diesem Projekt hat es vorbildlich geklappt“.
Michael Koch
Die Pflanzenmischung wurde gezielt auf die Artenvielfalt und Widerstandsfähigkeit hin zusammengestellt. Ein spezieller 32-Sorten-Mix ergänzt typische Sedum-Pflanzen mit Wildblumen und Strukturen für Insektenhabitate. Zwei zusätzliche Lebensräume wurden integriert: sandige Bereiche für bodennistende Insekten und Totholzareale für Arten, die sich in Holzstrukturen einnisten.
Das Flachdach wurde außerdem so geplant, dass ein freier Wasserabfluss möglich ist. Es verfügt über eine freie Spiegelentwässerung über Notüberläufe, die verhindern, dass stehendes Wasser Druck auf das Dach ausübt. Zusätzlich sorgen Drainageschichten und Wasserspeicher für eine kontrollierte Feuchtigkeit – beides wichtige Funktionen, um das Pflanzenwachstum auch bei Hitzeperioden sicherzustellen. Bei der Abdichtung kamen hochwertige Dachbahnen zum Einsatz, präzise verarbeitet, um die Langlebigkeit des Systems zu gewährleisten.

Die modularen Boxen enthielten folgende Bestandteile:
- Substrat: Eine Mischung aus mineralischen und organischen Komponenten, die die Wasserspeicherung optimiert und für die Pflanzen eine stabile Grundlage bietet.
- Bepflanzung: Die ausgewählte Pflanzenmischung bestand aus einem 32-Sorten-Mix, der Sedum-Pflanzen mit Wildblumen ergänzt und speziell auf die Förderung von Insekten und Artenvielfalt ausgelegt wurde.
- Drainage: Ein integriertes System zur regulierten Wasserableitung, das Wasserschäden am Dachaufbau verhindert.
Besonderheiten für die Artenvielfalt
Zusätzliche Maßnahmen wurden getroffen, um die ökologische Wirkung des Gründachs zu erhöhen:
Lebensräume für Insekten: Neben den Pflanzen wurden Habitate integriert, darunter sandige Bereiche für bodennistende Insekten und Totholzstrukturen für Spezies, die Holz als Nistplatz bevorzugen.
Sedum-Mix und Bienenweide: Der Pflanzenmix wurde speziell so kombiniert, dass er robust gegenüber Hitzeperioden ist und gleichzeitig Hummeln und Bienen anzieht.
Das Dach wurde außerdem mit einem Freispiegel-Entwässerungssystem ausgestattet. Dieses System arbeitet über Notüberläufe und verhindert, dass stehendes Wasser eine Druckbelastung auf die Abdichtungen ausübt. Koch erläutert: „Die freie Entwässerung ist eine langfristige Lösung, die die Sicherheit des gesamten Dachsystems erhöht.“
Für die Abdichtung kamen Bitumenbahnen von Bauder zum Einsatz, die nicht nur wasserdicht sind, sondern durch ihre UV-Beständigkeit eine lange Lebensdauer garantieren. Die Statik des Flachdachs wurde entsprechend den Anforderungen des Gründachs angepasst und auf zusätzliche Lasten wie Schnee optimiert.
PV: Lösung für Nachhaltigkeit und Energieautarkie
Ein weiterer technischer Schwerpunkt war die Integration einer Solaranlage. Die Entscheidung fiel auf Glas-Glas-Module mit einer Leistung von 420-435 Watt pro Modul. Damit wurde eine Lösung gewählt, die besonders langlebig und effizient ist. „Wir haben uns bewusst für Glas-Glas-Module entschieden, da sie besser gegen mechanische Belastungen und Witterung geschützt sind. Im Vergleich zu Folienmodulen halten sie in der Regel Jahrzehnte länger,“ ergänzt Dachdeckermeister Koch.


Technisch wurden die Module mit Optimierern ausgestattet, die eine parallele Speisung in den Strom-String ermöglichen. „Jedes Modul hat einen eigenen Optimierer bekommen, wodurch selbst bei Verschattungen oder Schäden eines Moduls die restliche Anlage weiter voll funktioniert,“ erklärt Koch. Das System wurde zusätzlich auf eine Niedervolt-Konfiguration optimiert, um maximale Sicherheit und Effizienz zu garantieren. Als Halter kamen K2 Module zum Einsatz. Auch den Blitzschutz erledigten die Dachdecker. Die Arbeit mit dem örtlichen Elektriker verlief unproblematisch. Angenehm bei dem Objekt und durchaus ungewöhnlich: Tim Feldkamp und seine Frau hatten keinen Zeitdruck. Sie wollten eine bauliche Lösung, bei der die Kosten nicht explodieren und dennoch nachhaltige Produkte zum Einsatz kamen.
Schlüssel der PV-Installation
- Optimierer: Jedes Modul wurde mit einem separaten Optimierer ausgestattet. Damit ergibt sich eine parallele Einspeisung in den Strom-String. Koch dazu: „Selbst bei Verschattungen oder einem defekten Modul bleibt die Gesamtfunktionalität der Anlage erhalten.“
- Niedervolt-Konfiguration: Die Module wurden auf eine Niedervolt-Konfiguration eingestellt, was sowohl die Sicherheit als auch den Wirkungsgrad erhöht.
Das Zusammenspiel zwischen Solarmodulen und der restlichen Dachkonstruktion war ebenfalls entscheidend. Hierfür wurde eine klare Trennung der DC-Seite und AC-Seite realisiert: „Wir haben die Gleichstrom-Komponenten direkt auf dem Dach installiert, während der Elektriker den Wechselstrombereich bearbeitet hat. Das ermöglichte uns eine störungsfreie Integration,“ erläutert der Dachdeckermeister.
Die Statik des Daches wurde so ausgelegt, dass eine spätere Erweiterung der Solaranlage möglich ist. Während aktuell nur die Hauptflächen des Satteldachs mit Modulen ausgestattet sind, bleibt Spielraum für eine spätere Belegung des Flachdachs.



Aufsparrendämmung aus Holzfaserplatten
Als Wärmedämmung kam eine Aufsparrendämmung aus Holzfaserplatten (Pavatex) zum Einsatz. Dieser Baustoff bietet durch seine natürliche Zellstruktur nicht nur gute Wärmedämmeigenschaften, sondern auch eine gute Schalldämmung. Die Nutzung der Holzfaser ist ein Beispiel für nachhaltige Baustoffe, die Dachdecker besonders bei Holzbauprojekten einsetzen können.

Einige technische Herausforderungen sorgten auch für kreative Lösungen. So wurden Velux-Fenster aus weiß lackiertem Holz eingebaut, die dem nachhaltigen Konzept gerecht wurden. Die Fenster wurden nahtlos integriert und mit Wärmedämmzubehör ausgestattet, um die Luftdichtheit des Daches zu gewährleisten.

Ein Highlight war das Freispiegel-Wassermanagement, wie Feldkamp betonte: „Wir haben spezielle Gullysysteme einbauen lassen, die bei hohem Wasserstand Überläufe öffnen. Das reduziert die Druckbelastung auf die Abdichtungen erheblich und sorgt für langfristige Sicherheit.“
Die statische Planung des gesamten Dachs berücksichtigte zudem die Möglichkeit von Erweiterungen und Belastungen durch Schnee, Regen und die geplante Begrünung. „Wir haben das Flachdach so entworfen, dass es auch bei extremen Lasten stabil bleibt und gleichzeitig im Sommer Hitze effektiv abführt,“ ergänzt Koch. Sechs Wochen lang fuhren vier bis sechs Mitarbeiter von Koch die Strecke Grevenbroich - Voerde täglich hin und zurück, dann war die Arbeit getan. Michael Koch kann sich auf seine Mitarbeiter verlassen. Deshalb war er bei dem Prestige-Objekt auch nur viermal auf der Baustelle - fast immer nur aus reinem Interesse. Das Ergebnis spricht für sich.
Schöner Nebeneffekt: Auf dem großen Grundstück betreiben Tim Feldkamp und seine Frau einen respektablen Gemüsegarten, mit dem beide rund 70 % ihres Bedarfs an Gemüse abdecken. Auch hier steht der Nachhaltigkeits-Aspekt im Vordergrund. Das Ergebnis spricht für sich.


Impulse für das Dachdeckerhandwerk
Das Architektenhaus in Grevenbroich zeigt beispielhaft, wie Dachdecker mit modernster Technik und nachhaltigen Konzepten überzeugen können. Gründächer, Photovoltaikanlagen und innovative Wärmedämmung sind nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern ermöglichen auch neue Geschäftsfelder.
Für Dachdecker lohnt es sich, sich auf die gestiegenen Anforderungen nachhaltiger Bauprojekte vorzubereiten und Fachwissen zu erweitern. Die Integration intelligenter Systeme – von modularen Gründächern bis hin zur optimierten Solartechnik – ist eine Chance, sich als kompetenter Ansprechpartner für Architekten und Bauherren zu etablieren.

Ein Ausblick in die Praxis bestätigt die Bedeutung solcher Projekte. Dachdeckermeister Koch fasst zusammen: „Der entscheidende Faktor ist immer die Abstimmung zwischen den Gewerken. Transparente Kommunikation ist bei solchen komplexen Projekten der Schlüssel, um technische Details und Herausforderungen erfolgreich zu meistern. „Es gab keine nervigen Baubesprechungen und Abstimmungsprobleme, sondern Zusagen gab es meist telefonisch und diese wurden einhalten. Es war eines der unkompliziertesten und dennoch interessantesten Projekte, die wir je gemacht haben“, resümierte Michael Koch.
Schäden und Lösungen: Exklusiv im DDH-Newsletter
Sie kennen das seit Jahren: Probleme mit PV-Anlagen oder zum Beispiel feuchten Untergründen. Wie Dachdecker diese Anforderungen, gemeinsam mit Sachverständigen, in der Praxis bewältigen, erfahren Sie bei uns – von Dachdeckern für Dachdecker geschrieben.