Studiofoto Dachdecker auf Dachstuhl
Dachdecker gehören zu einer der gefährdetsten Berufsgruppen in Bezug auf weißen Hautkrebs. (Quelle: Peter Greven Physioderm)

Arbeitssicherheit

27. June 2022 | Teilen auf:

UV-Risiko reduzieren

Arbeitsschutz: Endlich Sommer – Sonnenschein und warme Temperaturen locken nach draußen. Vor allem Outdoor-Worker wie Dachdecker müssen sich jetzt vor den schädlichen UV-Strahlen schützen. Denn die Gefahr einer Erkrankung an weißem Hautkrebs ist groß. Was ihnen hilft: der richtige UV-Schutz – und insbesondere dessen korrekte Anwendung.

Sie verbessert das Immunsystem, sie senkt Blutdruck und Cholesterinspiegel, sie macht uns glücklich: Die Sonne hat viele Vorteile für Körper und Geist. Neidisch wandern die Blicke der Büro-Angestellten aus dem Fenster zu den Dachdeckern am Gebäude gegenüber, die bei herrlichem Sommerwetter draußen arbeiten. Doch Achtung! Die Sonneneinstrahlung beschert den Outdoor-Workern nicht nur Glücksgefühle, sondern schlimmstenfalls sogar weißen Hautkrebs. So hart es klingt, so bitter ist die Realität: Über 235.000 Menschen in Deutschland erkranken laut Deutscher Krebshilfe jährlich an einem Basalzell- oder einem Plattenepithelkarzinom, die gemeinsam als weißer Hautkrebs bezeichnet werden. Zu den von der Krankheit Betroffenen zählen viele der bundesweit rund 2,7 Millionen Outdoor-Worker, die ihre Arbeit im Freien verrichten und oft stundenlang der Sonne ausgesetzt sind – wie auch Dachdecker. Dadurch haben sie ein besonders hohes Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken. Denn wenn die Haut dauerhaft den ultravioletten (UV-)Strahlen der Sonne ausgesetzt ist, können Krebszellen entstehen, da UV-Strahlen das Erbgut der Hautzellen beschädigen, wenn sie zu lange auf die Haut einwirken. Dabei birgt der Juni mit der auf das Jahr verteilt höchsten UV-Belastung das größte Risiko in sich: 18,5 % der jährlichen Strahlungsmenge entfallen allein auf den Frühsommer-Monat, wie aus einer Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hervorgeht.

Gleich drei Berufe mit Bezug zum Dach rangieren unter den Top 10 der besonders gefährdeten Berufe: Dach- und Fassadenbauer (3.), Zimmerer (5.) und Dachdecker (8.) (Quelle: DGUV)

Das Pro und Contra des Sonnenlichts

Durch die langen Arbeitszeiten im Freien gehören Dachdecker zu einer besonders gefährdeten Gruppe. Zum Vergleich: Beschäftigte, die viel Zeit im Freien verbringen, haben ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie etwa ein normaler Büroangestellter. Gerade in den Sommermonaten ist es für die Betroffenen deshalb wichtig, die Haut richtig zu schützen. Denn: Die Haut vergisst die Sonnenbelastung nicht, und irgendwann versagt der Reparaturmechanismus. Wie schützen sich Dachdecker wirkungsvoll vor der Sonne? UV-Schutzkleidung, Sonnenbrillen und eine angemessene Kopfbedeckung sollten zu ihrer Standardausrüstung gehören. Sie zählen zu den persönlichen Schutzmaßnahmen, die im Rahmen des STOP-Prinzips angewendet werden sollten (siehe Informationskasten). Aber selbst diese Schutzmittel können nicht alle gefährdeten Stellen lückenlos abdecken. Dazu zählen die sogenannten Sonnenterrassen, also Nase, Ohren, Unterlippe, Nacken und Hände. An diesen besonders empfindlichen Bereichen bildet sich der weiße Hautkrebs häufig aus, sie müssen in jedem Fall mit Sonnenschutzmitteln geschützt werden. Doch Achtung: Hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den zahlreichen Angeboten an Sonnenschutzmitteln. Die Auswahl muss gut durchdacht sein.

Ein Viertel der jährlichen UV-Bestrahlung entfällt alleine auf die beiden Frühlingsmonate April und Mai. Am gefährlichsten wird’s im Juni. (Quelle: DGUV)

Hautschutzmittel an Bedarf anpassen

Privatpersonen, die ihren Urlaub am Strand verbringen und freiwillig für eine gewünschte Zeit in der Sonne baden, benötigen einen anderen Schutz als Dachdecker, die den schädlichen UV-Strahlen täglich viele Stunden ausgesetzt sind. Hier sind in jedem Fall professionelle Mittel für den beruflichen und dauerhaften Gebrauch notwendig. Die Formulierung der Produkte muss so konzipiert sein, dass sie das ganze als gefährlich geltende Strahlungsspektrum gleichmäßig abdeckt – also sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen. Zum Hintergrund: UV-B-Strahlen sind kurzwellig, energiereich und dringen weniger tief in die Haut ein als UV-A-Strahlen. Die UV-A-Strahlen sind langwellig und haben weniger Energie, sie dringen aber tiefer in die Haut ein. Der Unterschied liegt also in der Intensität. Produkte aus dem Supermarkt dagegen, die eher für den Strandurlaub gedacht sind, haben ihren Fokus naturgemäß mehr auf dem Schutz vor einem Sonnenbrand – schützen also in erster Linie vor UV-B-Strahlen. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Auswahl des passenden Hautschutzmittels für Dachdecker ist der Verzicht auf Parfüm. Denn die Inhaltsstoffe von Parfüm sind für die Hautverträglichkeit nicht unumstritten, weil sie grundsätzlich Allergien auslösen können. Dieses Problem kann sich in Verbindung mit der Sonneneinstrahlung noch verschärfen, weil Parfüminhaltsstoffe durch die Strahlung der Sonne zerstört werden und Allergien und Unverträglichkeiten entstehen können. Als Lichtschutzfaktor für Dachdecker empfiehlt sich 50, um ausreichend und zuverlässig geschützt zu sein. Weil die Beschäftigten bei der Arbeit draußen häufig schwitzen, ist es zudem vorteilhaft, wenn das Sonnenschutzmittel extra wasserfest ist, um frühzeitiges Nachcremen zu vermeiden.

Die richtige und regelmäßige Anwendung von Sonnenschutzmitteln ist elementar wichtig. (Quelle: Peter Greven Physioderm)

Auf die richtige Anwendung kommt’s an

Der wichtigste Schritt hin zu ausreichendem UV-Schutz ist neben allen Maßnahmen die richtige Anwendung der Hautschutzmittel. Denn andernfalls können selbst die hochwertigsten Schutzmittel mit höchstem Lichtschutzfaktor nicht ihre gewünschte Wirkung erzielen. Und noch einen Schritt weiter zurückgedacht: Bei Sonnenschutzmitteln ist in erster Linie bedeutend, dass er überhaupt aufgetragen wird. Das mag banal klingen, ist jedoch ein nicht zu unterschätzender Punkt. Denn in früheren Zeiten waren es viele Berufstätige nicht gewohnt, sich vor der Sonne zu schützen. Mit freiem Oberkörper zu arbeiten galt als männlich, das Eincremen dagegen überhaupt nicht. Doch inzwischen hat ein Mentalitätswechsel stattgefunden – besonders dank intensiver Aufklärungsarbeit zum UV- und Hautschutzthema allgemein, die beispielsweise durch die Berufsgenossenschaften geleistet wird. So lernen die Auszubildenden heute schon in der Berufsschule, wie wichtig der UV-Schutz ist. Die jüngere Generation ist deswegen viel besser informiert und auch aufgeschlossener – und nimmt damit automatisch die erste und vermutlich sogar wichtigste Hürde in Sachen Hautschutz. Darüber hinaus ist maßgebend, dass die Anwender sich regelmäßig eincremen, um den Schutz aufrecht zu erhalten – und dass sie eine ausreichende Menge des Hautschutzmittels verwenden. Werden all diese Punkte berücksichtigt, so können Dachdecker ihr Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken, erheblich reduzieren.

Matthias Wenten

zuletzt editiert am 28.06.2022