22 Männer vor einer Schulhausfassade teilweise mit Weiterbildungszertifikaten in den Händen
So sehen Experten aus: Frisch zertifizierte Photovoltaik-Manager am Bundesbildungszentrum Dachdecker in Mayen. (Quelle: Michael Zimmermann)

Solar 2024-02-27T09:08:13.091Z Vom Generalisten zum PV-Experten

Serie Photovoltaik: Nicht jeder ist auf jedem Gebiet gleich gut. Es gibt Generalisten, die Grundlagen schaffen, und Experten, die über tiefes Spezialwissen verfügen. Diese Unterscheidung findet sich in allen Lebensbereichen. „Marken werden nicht gekauft, sie werden verkauft“ – ein Leitsatz, der die Bedeutung von Expertenwissen unterstreicht.

Experten sind nicht nur gefragt, sie werden in der Regel auch besser bezahlt! Ein Beispiel aus dem Gesundheitswesen: Bei einer Erkältung ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Handelt es sich jedoch um eine komplizierte Knieverletzung, wird der spezialisierte Orthopäde als Experte konsultiert. Eine Analogie lässt sich im Handwerk beobachten. Die Dachrinnenreinigung mag eine Aufgabe für den Allrounder sein, bei einer komplexen energetischen Dachsanierung mit einer anspruchsvollen Photovoltaik-Dachanlage ist der Experte gefragt.

Was oder wer ist ein Experte?

Dazu die Meinung von Wikipedia: Ein Experte (auch Fachmann oder Spezialist) oder eine Expertin ist eine Person, die über ein überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem oder mehreren bestimmten Fachgebieten oder über besondere Fähigkeiten verfügt. Das ist zugegebenermaßen eine sehr sperrige Beschreibung, die sofort die nächste Frage aufwirft.

Wer darf sich Experte nennen? 

Fundierte Kenntnisse und umfangreiche Erfahrungen auf einem bestimmten Gebiet sind ebenso wichtig wie die Anerkennung dieser Expertise durch die Zielgruppe. Wenn eine Person sich selbst für einen Experten hält, aber von der Zielgruppe nicht als solcher anerkannt wird, hat dies keine praktischen Auswirkungen. Um von der Zielgruppe als Experte anerkannt zu werden, ist es wichtig, dass ein Experte seinen Expertenstatus nach außen sichtbar macht und seine Expertise auf verschiedene Weise demons-
triert. Durch die Sichtbarkeit des Expertenstatus kann ein Experte Glaubwürdigkeit und Reputation aufbauen, was wiederum dazu beiträgt, als Autorität in dem jeweiligen Fachgebiet angesehen und anerkannt zu werden. Die Abkürzung lautet:

Ein Experte ist derjenige, der (von seiner Zielgruppe) dafür gehalten wird! Denn was nützt es, wenn niemand weiß, dass man gut ist.

Ab wann ist man Experte?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn sie hängt stark vom jeweiligen Fachgebiet und der individuellen Entwicklung ab. Die Zeit spielt eine wesentliche Rolle, aber ebenso wichtig ist der Fleiß, der das Talent oft übertrifft. Eine viel diskutierte Theorie, die den Weg zum Expertenstatus beschreibt, ist die 10.000-Stunden-Regel. Sie besagt, dass so viel Zeit benötigt wird, um Expertise in einem Bereich zu entwickeln. Diese Regel, die vor allem aus dem Sport und der Musik bekannt ist, lässt sich auch auf das Handwerk übertragen. So weit die Theorie: In der Praxis kommt es darauf an, immer mehr zu wissen als der Kunde. Das bedeutet Entwicklungsarbeit, aber mit einer ermutigenden Ausgangslage: Dachexperten beginnen diesen Weg nicht bei Null, sondern verfügen bereits über fundierte Kenntnisse der technischen Regeln des Dachdeckerhandwerks. Der Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau von Kompetenzen im Bereich der Photovoltaik.  

Interessant ist dabei, dass der Kompetenzaufbau nicht linear zum Zeitaufwand verläuft.

Es gibt dabei keine absolute, 100-prozentige Kompetenz, was bedeutet, dass auch nicht 100 Prozent der Zeit investiert werden müssen, um Experte zu werden. Hier greift das Pareto-Prinzip: Mit 20 Prozent des Zeitaufwands lassen sich bereits 80 Prozent der erforderlichen Kompetenz erlangen, was für die meisten Anforderungen mehr als ausreicht. Die restlichen 20 Prozent des Wissens sind oft so spezialisiert, dass sie nur von wenigen wirklich erfasst und eingeschätzt werden können – dies ist der Bereich der Koryphäen. Aber es ist nicht nötig, so lange zu warten, um größere Fortschritte zu erzielen. Die theoretischen 50 Prozent Expertise erreicht man bereits in etwas mehr als 10 Prozent des Zeiteinsatzes. Dieser beschleunigte Lernfortschritt am Anfang der Spezialisierung ermöglicht es, schnell ein solides Grundwissen und praktische Fähigkeiten im Bereich der Photovoltaik aufzubauen.  

Und wann Experte für PV?

Ein wichtiger Ansatz ist zum Beispiel die Weiterbildung zum zertifizierten Photovoltaik-Manager im Dachdeckerhandwerk mit dem damit verbundenen Potenzial, die Prozesse zu verstehen, die Installation und Montage zu optimieren und die Kunden hinsichtlich der Nutzung erneuerbarer Energien kompetent beraten zu können. Indem PV-Experten ihr Know-how durch kontinuierliche Weiterbildung vertiefen, die zunehmend auch über flexible Onlinekurse angeboten wird, demonstrierten sie Engagement und Qualifikation in einem sich schnell entwickelnden Fachbereich. Die Nutzung digitaler Bildungsressourcen ermöglicht es zudem, aktuelle Entwicklungen und Innovationen im Bereich der Photovoltaik zeitnah in Fachwissen zu integrieren und dieses ständig zu aktualisieren. Diese moderne Art der Spezialisierung trägt dazu bei, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen und den Ruf als führenden Anbieter von Photovoltaik-Lösungen zu festigen. 

„Kunden kaufen bei Experten“ – eine Erkenntnis, die die Notwendigkeit unterstreicht, sich am Markt als kompetent und vertrauenswürdig zu präsentieren.

Michael Zimmermann

Experten müssen mehr wissen als die Kunden! 

Übrigens: Den Expertenstatus legen grundsätzlich andere fest. Deshalb ist es Aufgabe der Experten, sich die Expertise zu erarbeiten und für die Zielgruppe sichtbar zu sein. Den Radius und die Zielgruppe bestimmen die Experten dabei selbst.  

Unterschied zwischen Experten und Spezialisten? 

Ein Experte ist eine Person, die über ein sehr umfangreiches und tiefes Wissen in einem bestimmten Fachgebiet verfügt und als autoritäre Quelle in diesem Bereich angesehen wird. Experten besitzen eine hohe Fachkompetenz und Erfahrung und sind in der Lage, komplexe Sachverhalte zu analysieren und zu bewerten. Ein Spezialist hingegen ist eine Person, die sich auf einen bestimmten Teilbereich innerhalb eines Fachgebiets spezialisiert hat und über ein sehr tiefes Wissen in diesem Bereich verfügt. Spezialisten haben in der Regel eine sehr spezifische Fachkompetenz und sind in der Lage, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Der Unterschied zwischen einem Experten und einem Spezialisten liegt also darin, dass ein Experte ein sehr umfangreiches und tiefes Wissen in einem gesamten Fachgebiet hat, während ein Spezialist sich auf einen spezifischen Teilbereich innerhalb eines Fachgebiets spezialisiert hat und über ein sehr tiefes Wissen in diesem Bereich verfügt. Beispiel: Der Unternehmer ist der PV-Experte und hat sich mit seinem Team auf energetische Dachsanierungen und Photovoltaik-Anlagen spezialisiert. Die Mitarbeiter sind dabei die Sanierungs- und Photovoltaik-Spezialisten. 

Es ist effizienter und wirtschaftlicher, sich innerhalb des eigenen Handwerks zu spezialisieren, anstatt einen breiten, aber weniger tiefen Ansatz zu verfolgen. 

Durch die Konzentration auf einige wenige Bereiche und den Aufbau eines Expertenstatus in diesen Feldern kann man sich deutlich abheben. Diese Spezialisierung vereinfacht nicht nur die internen Prozesse, sondern trägt auch zu einer besseren Auffindbarkeit und Wirtschaftlichkeit bei. Es ist generell einfacher, in einem spezialisierten Bereich herausragende Qualität zu bieten, als in einem breiten Spektrum überall die Bestleistungen erzielen zu wollen, aber am Ende nur Mittelmaß zu sein. In unserer digitalen Welt ist es für Experten einfacher als je zuvor, Sichtbarkeit zu erlangen und ihre Zielgruppe anzusprechen. Online-Marketing und soziale Medien eröffnen zahlreiche Wege, Fachwissen zu verbreiten, Netzwerke zu knüpfen und als führende Kraft im eigenen Fachbereich anerkannt zu werden.

Grafik der 10.000 Stunden Regel auf Koordinatenachsen
10.000-Stunden-Regel: Laut dieser Annahme braucht es etwa 10.000 Stunden an Einsatz, um von einem Anfangsstand ohne Vorkenntnisse einen vollständigen Expertenstatus zu erreichen. (Quelle: Michael Zimmermann)
Grafik des Pareto Prinzips
Pareto-Prinzip 80/20: Gerade zu Beginn lässt sich mit einem überschaubaren Zeitaufwand ein erheblicher Wissenszuwachs erzielen. Im Laufe der Zeit erfordert der weitere Kompetenzaufbau zunehmend mehr Aufwand, bis schließlich der Übergang zur Koryphäe erreicht wird. (Quelle: Michael Zimmermann)
zuletzt editiert am 27. Februar 2024
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