Im Herbst kann Laub auf Dächern zur tödlichen Gefahr werden: Es verdeckt auch ungesicherte Lichtplatten und Lichtbänder, die dann kaum noch als Gefahrenstellen zu erkennen sind. Wer eine solche Fläche betritt, kann in die Tiefe stürzen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) und der ZVDH appellieren deshalb an Unternehmen und Beschäftigte, Dachflächen und Verkehrswege besonders in der dunklen Jahreszeit sorgfältig zu prüfen und Gefahrenstellen wirksam zu sichern.
Die Unfallzahlen der BG BAU zeigen, wie ernst die Gefahr ist: 2025 ereigneten sich im Zuständigkeitsbereich der BG BAU 74 tödliche Arbeitsunfälle. Bei 41 Prozent dieser Unfälle war ein Absturz die Unfallursache. Gerade Arbeiten auf Dächern bergen ein hohes Absturzrisiko. Gefährlich sind nicht nur Abstürze von Dachkanten, sondern auch Durchstürze durch ungesicherte Lichtplatten oder Lichtbänder und andere nicht tragfähige Bauteile.
Laub kann Gefahrenstellen verdecken
Im Herbst erschweren zusätzliche Faktoren die Arbeit auf Dächern. Regen, Laub und Raureif können Oberflächen rutschig machen. Gleichzeitig verschlechtern Nebel, Dämmerung oder Niederschlag die Sicht. Besonders tückisch: Ansammlungen von Laub und Schmutz können nicht gesicherte Dachoberlichter und andere nicht durchsturzsichere Bauteile verdecken. Für Beschäftigte ist dann unter Umständen nicht mehr zu erkennen, wo eine tragfähige Dachfläche endet und wo eine Gefahrenstelle beginnt.
„Gerade auf Dächern darf man sich nicht darauf verlassen, Gefahrenstellen rechtzeitig zu erkennen. Dachoberlichter wie Lichtkuppeln und Lichtbänder müssen grundsätzlich gegen Durchsturz gesichert sein. Im Herbst kommt hinzu, dass Laub und Schmutz solche Bereiche regelrecht unsichtbar machen können“, sagt Björn Kass, Präventionsleiter der BG BAU. „Deshalb müssen Dachflächen und Verkehrswege vor Beginn der Arbeiten kontrolliert und Gefahrenstellen beseitigt oder wirksam gesichert werden.“ Dabei gilt: Technische Schutzmaßnahmen haben Vorrang. Dazu gehören beispielsweise durchsturzsichere Bauteile, Abdeckungen, Seitenschutz oder mobile Schutznetze. Wo technische Schutzmaßnahmen nicht möglich sind, kann die Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz erforderlich sein unter der Voraussetzung, dass geeignete Anschlageinrichtungen vorhanden sind oder geschaffen werden können.
Vor Arbeitsbeginn den Blick aufs Dach richten
Die BG BAU und der ZVDH empfehlen, die besonderen Bedingungen im Herbst bereits bei der Arbeitsvorbereitung zu berücksichtigen. Arbeits- und Verkehrswege sollten regelmäßig auf Laub, Schmutz, Nässe und andere Gefahren kontrolliert und Verschmutzungen entfernt werden – allerdings nur unter sicheren Bedingungen. Eine ausreichende Beleuchtung sowie Sicherheitsschuhe mit stark profilierter Sohle tragen zusätzlich dazu bei, Unfälle zu vermeiden. „Dachdeckerinnen und Dachdecker kennen ihr Arbeitsumfeld und wissen, wie schnell sich die Bedingungen auf einem Dach verändern können. Gerade im Herbst müssen Witterung, Sichtverhältnisse und der Zustand der Arbeits- und Verkehrswege deshalb von Anfang an mitgedacht werden“, sagt Felix Schneider, Vizepräsident des ZVDH. „Unternehmen sind gefordert, ihre Beschäftigten regelmäßig für die Risiken zu sensibilisieren und dafür sorgen, dass sichere Arbeitswege und geeignete Schutzmaßnahmen vorhanden sind.“
