Wohnquartier: Das neue Lofthaus am Lingener Hafen erinnert mit seiner roten Klinkerfassade an die historischen Speichergebäude. Hier und am benachbarten Trapezhaus konnten sich die Mitarbeiter der Klus GmbH Bedachungen in einer Vielzahl von Dachdeckerarbeiten – traditionell und modern – beweisen. Vor allem die Entwässerung der zinkbekleideten Gauben und die akkurate Fassadenbekleidung sind so nicht alltäglich.
Am Alten Hafen in Lingen entstand ein modernes, architektonisch besonderes Quartier: „Alter Hafen Anno 2025“. Direkt am Wasser vereint es zeitgemäßes Wohnen, Gewerbe und Gastronomie mit maritimem Flair. Highlights des Projekts sind zwei imposante Neubauten – das Trapezhaus und das Lofthaus sowie eine breite Hafenpromenade. Marina und ein Stadthotel sind in Planung.

Das Trapezhaus, entworfen vom Lingener Architekturbüro Krämer und Susok, beeindruckt durch seine trapezförmige Grundrissgestaltung. Auf rund 2.500 Quadratmetern entstanden hier 21 Wohneinheiten mit Glasfronten und Balkonen zur Wasserseite, Büroflächen sowie Restaurants mit Blick auf das Hafenbecken.

Auskragende Bauteile
Schon bei der Bauwerksabdichtung wurde die Klus GmbH mit den notwendigen Arbeiten betraut. Tiefgarage und Sockel des Erdgeschosses dichteten die Dachdecker bituminös ab, die erste Lage in Heißbitumen. Details und Anschlüsse wurden mit Flüssigkunststoff ausgeführt. Den Laubengang zum Beispiel vollendeten sie in enger Abstimmung mit dem Hochbauer Fa. KrämerBau. Zuerst verlegten die Dachdecker die Dampfsperre, dann folgten Dichtschlämme und Perimeterdämmung von den Maurern. Flüssigkunststoffanschlüsse am Sockel sowie Gefälledämmung und Abdichtung lagen dann wieder in Händen der Dachdecker.
Auch die Bekleidung und Abdichtung der Vordächer lag in deren Hand. Diese wurden, etwa einen Meter auskragend, mit einem 80/80 Stahlrohrkragrahmen mit Ankerplatten im Mauerwerk befestigt. Die Holzunterkonstruktion erfolgte aus 24 Millimeter Schalung mit 2 Prozent Gefälle, darauf die Abdichtung. Die Bekleidung der gut 70 Zentimeter hohen Blende und der Untersicht erfolgte mit HPL-Fassadenplatten (High Pressure Laminate). Oberhalb der Abdichtung schließt das Verblendmauerwerk an.
Die auskragenden Balkone des Lofthauses bestehen aus einem Stahlbetonfertigteil mit Gefälle zum Gebäude hin. Sie enden mit einer zusätzlichen kleinen Abtreppung am aufgehenden Mauerwerk, in die die Hauptabläufe eingelassen sind. Die 80-Millimeter-Notabläufe befinden sich etwas höher in der Fläche. Der barrierefreie Bodenbelag liegt auf Stelzlagern. Die darunterliegende Raumdecke, ebenfalls aus Stahlbeton, ist mit einer Gefälledämmung mit der mittleren Dicke von 240 Millimetern belegt, am Wandanschluss ist sie gut 53 Zentimeter hoch. Die Abdichtung besteht aus wurzel- und rhizomfesten Kunststoffdachbahnen, das Gründachsystem für die extensive Begrünung aus einer Schutzmatte, einer Speicherplatte und einer 8 Zentimeter dicken Substratschicht.
Verblendung aus Klinkern
Das Steildach ragt hoch hinaus und hat mit 58° eine ungewöhnlich hohe Neigung. Obwohl erst ab 65° die Pflicht besteht, alle Ziegel zu klammern, machten es die Lage in Windlastzone 2 und die Höhe des Gebäudes notwendig, jeden einzelnen zu befestigen. Das Besondere der Unterkonstruktion ist die Betonschale der Giebelwand, die Verblendung aus Klinker trägt. Sie wurde oberhalb und seitlich auf Sparrenhöhe mit Hartschaum gedämmt. Die eigentliche Steildachkonstruktion hat einen üblichen Dachaufbau. Die Zwischenräume der 280 Millimeter hohen und 100 Millimeter breiten Sparren dämmten die Dachdecker mit 280 Millimeter Mineralfaser WLG 032. Als Aufdachdämmung kam eine 40 Millimeter Holzfaserplatte zum Einsatz, die mit einer diffusionsoffenen Unterspannbahn vorgedeckt wurde. Konter- und Traglattung bestehen aus 60/40 Millimeter Kanthölzern, die den roten gobierten Dachziegel tragen. Komplettiert wird der Dachaufbau durch eine 60 Millimeter Untersparrendämmung WLG 032, ebenfalls aus Mineralwolle, die mit der Luft- und Winddichtheitsschicht, einer Klimamembran, abschließt. Der Überstand der Loggia im Giebel blieb ungedämmt.

Stehfalzscharen aus Titanzink
Die aufgehenden Bauteile der fünf Gauben und des Dachausschnitts bekleidete die Klus GmbH mit Stehfalzscharen aus Titanzink. Zwei Dämmebenen sorgen für den Wärmeschutz: innen 80 Millimeter Mineralwolle, dann 160 Millimeter zwischen den Balken. Rauspundschalung mit einer Unterdeckbahn trägt die Metallbekleidung. Auf den Gaubendächern liegt eine Grundwärmedämmung von 120 Millimetern aus Polyurethan, für den sicheren Ablauf des Niederschlagswassers sorgt eine Gefälledämmung i. M. 60 Millimeter. Die Abdichtung besteht aus einer selbstklebenden hochpolymeren Kunststoffdachbahn mit Kautschuk. Das Regenwasser wird durch einen seiltichen Ablauf abgeführt, dessen Fallrohr in eine Rinne am Wandanschluss mündet. Eine Notentwässerung der kleinen Gaubendachflächen wird durch einen Speier gewährleistet.
Der Einbau diverser Dachflächenfenster, Lüfter und einer RWA-Lichtkuppel für das Treppenhaus komplettiert die Dacharbeiten am Lofthaus.
Trapez mit Segel
Das Trapezhaus wurde ebenfalls abgedichtet mit der Kunststoff-Dachbahn mit Kautschuk. Den Untergrund bildet hier eine 20 Zentimeter dicke Stahlbetondecke, die mit einer Bitumenlösung vorgestrichen und einer bituminösen Dampfsperre abgedichtet wurde. Die Gefälledämmung ist bis zu 40 Zentimeter dick. Eine Besonderheit bildet das „Segel“. Diese Auskragung auf dem Dach, eine optische Anerkennung an den Hafen, besteht aus 10/24 Zentimeter Sparren, die über die Außenwand hinausragen. Sie wurden mit AKR-Winkelverbindern und Bolzenankern 10/10/95 in der Betondecke und dem Ringanker befestigt. Holzschrauben 10x60 mit Teilausnagelung halten die Kanthölzer. Die Abdichtung komplettiert das System auf einer Rauspundschalung.
Diverse Durchdringungen für Lüfter und Lichtkuppel sowie Halterungen für Gebäudetechnik-Anlagen waren einzudichten. Auf der Dachfläche fand schlussendlich noch eine Photovoltaik-Anlage Platz.
Fassadenbekleidung in den Nischen
Während die Außenwände der Gebäude mit Verblendmauerwerk abgeschlossen wurden, sind in den Nischen der Balkone und Dachausschnitte sowie der Außenhaut des Erdgeschosses des Lofthauses HPL-Platten verwendet worden. Auch hier ging die Klus GmbH fachmännisch zu Werke. Porenbetonmauerwerk bietet den Untergrund für die Aluminium-Unterkonstruktion. 160 Millimeter Phenolharzplatten dämmen zusätzlich. Durch die Verwendung von Edelstahl-Wandhaltern war eine wärmebrückenreduzierte Ausführung gewährleistet. Die HPL-Platten wurde sichtbar mit gleichfarbigen Nieten befestigt.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 03. 2026.



