Die wichtigste Säule für Dachdecker bleibt die Sanierung. Foto: DDH

Markt

01. December 2020 | Teilen auf:

„Das Umfeld stimmt weiterhin“

Dachdecker konnten im Corona-Jahr durcharbeiten. Ob dieser Umstand ausreichen wird, um an die erfolgreichen Vorjahre anzuknüpfen, analysiert Wirtschaftsexperte Felix Fink im Interview.

Herr Fink, wie ist es Dachdeckern in diesem speziellen Jahr 2020 wirtschaftlich ergangen?

Felix Fink: Es gibt mehrere Faktoren, von denen die Dachdeckerbetriebe in diesem Jahr profitiert haben. Zunächst hatten sie zu Jahresbeginn sehr hohe Auftragsbestände, davon können viele Betriebe noch immer zehren. Dazu kam, dass das Dachdeckerhandwerk durcharbeiten konnte, es gab keine Beschäftigungsverbote. Die Betriebe sind mit dieser großen Verantwortung sehr gut umgegangen und haben sich von Anfang an mit viel Disziplin und kreativen Lösungen an die Vorgaben gehalten, zum Beispiel mit zeitversetzt startenden kleinen festen Arbeitskolonnen, bei denen – wenn nötig – mögliche Infektionsketten gut nachverfolgt und unterbrochen werden konnten. Auch die zahlreichen Informationen, die ZVDH und Baugenossenschaft zur Verfügung gestellt haben, wurden in der Breite genutzt, das konnten wir an unseren Download-Zahlen deutlich erkennen. Auch die herstellende Industrie und der Handel blieben über das gesamte Jahr hinweg lieferfähig.

Schließlich brachte Corona sogar einen kleinen Vorteil: Das geringe Aufkommen in den Innenstädten hat für Betriebe die Baustellenlogistik vereinfacht und Zeiteinsparungen gebracht. Stellvertretend für die Gesamtentwicklung eine Zahl: Die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer im Dachdeckerhandwerk liegt zum 31.10.2020 im Schnitt um 0,5 % höher als im Vorjahr. Es sind 63.900 gewerbliche Mitarbeiter im Jahresschnitt gemeldet, die höchste Zahl seit 2001.

Woher kamen die Aufträge?

Fink: Die wichtigste Säule bildet weiterhin der Bereich der Sanierungen und Reparaturen im Wohnungsbau. Und dort ist das Umfeld aus Niedrigzinsen, fehlenden Anlagealternativen und Einkommensstabilität noch immer intakt. Viele Haushalte hatten durch den Verzicht auf größere Urlaubsreisen, Restaurantbesuche und Ähnliches geringere Ausgaben als üblich. Dadurch ist die Sparquote gestiegen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung festgestellt hat, von rund 10 auf über 20 %. Wir verzeichnen im privaten Sektor also eine hohe aufgestaute Kaufkraft, das macht mich zuversichtlich für die Zukunft.

Wo läuft es weniger gut?

Fink: Es gibt auch Dellen in der Jahresentwicklung. Seit März sind im Wirtschaftsbau die Veränderungsraten gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat durchgehend negativ. Das gilt auch für die Genehmigungszahlen, dort kommt die gesunkene Investitionsbereitschaft der Unternehmen zum Tragen. Dies gilt vor allem für Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Fabrik- und Werkstattgebäude. Deutlich im Plus hingegen sind Lagergebäude, sicher eine Folge des boomenden E-Commerce in Corona-Zeiten. Der Wirtschaftsbau insgesamt muss mit einer Markteintrübung rechnen und das werden dort schwerpunktmäßig tätige Betriebe 2021 auch spüren, wenn die vormals hohen Auftragsbestände weiter abschmelzen. Betriebe, die stark im flachdachorientierten Objektgeschäft agieren, müssen bereits zum Teil in den öffentlichen Bau ausweichen. Dieser Bereich ist zwar grundsätzlich von den Rückgängen bei Gewerbe- und Körperschaftssteuer betroffen. Diese wurden zum Teil aber vom Bund ausgeglichen und Einsparungen sind eher im Straßenbau erfolgt.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 24/2020.